Aggressionen Verstehen, All in
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Aggressionen Verstehen – 10 Dinge, die man über Aggressionen wissen sollte

Inzwischen ist klar und deutlich geworden auf unserem feinen Blog, wie wichtig mir das Thema Aggressionen ist. Also verteidigungsverhalten beim Hund – als Hundetrainerin begegnet man diesem Thema immer wieder und ich empfinde es als ein stetig, jedoch langsam steigendes Problem. Der Hund liegt voll im Trend, doch einige wollen nur mit dem Trend gehen und vergessen dabei dass dieser „Trend“ ein lebendes Wesen ist. Unwissenheit macht oft Probleme in der Kommunikation und im Zusammenleben mit dem Hund.

Wir möchten nun mal ein paar Dinge auszählen, die ihr über Aggressionen wissen solltet. Unabhängig davon, ob man mit seinem Hund ein Problem damit hat oder nicht. Ich denke, als Hundebesitzer sollte man sich dabei etwas auskennen, um auf Anzeichen achten zu können.

Aggressionen ist nicht heilbar // das ist immer einer der ersten Sätze, wenn ich über Aggressionen berichte. Aggressionen sind nicht heilbar, (bam) dann ist immer erstmals Land unter. Warum sind Aggressionen nicht heilbar? Weil sie keine Krankheit sind. Sie sind ein Verteidigungsverhalten auf eine Situation, dem der Hund nicht gewachsen ist, stress auflöst, angst macht oder kontrollieren möchte. Jeder Hund hat Aggressionen, jedoch unterschiedliche reiz und stressschwellen. Jeder Hund kann in einer für ihn stressigen oder beängstigen Situation, aggressiv werden.

Aggressionen entstehen nicht von heute auf morgen // oft kommt es Hundebesitzern so jedoch vor. Man hört oft: „Das kam von heute auf morgen“. Das ist in den wenigsten Fällen so (in Zusammenhang mit Krankheit oder idiopathischen Anfällen möglich). Aggressionen heißt nicht nur beißen. Flucht, einfrieren, knurren, Ohren anlegen, fletschen und vieles mehr ist bereits verteidigungsverhalten auf eine Situation. Das sogenannte passive Verteidigungsverhalten. Hundehalter müssen hier die Vorzeichen rechtzeitig erkennen und handeln, bevor es zum aktiven verteidigungsverhalten kommt. Das ist meist der Biss oder das aktive nach vorne gehen – dieser Situation gehen jedoch viele kleine Anzeichen voraus. Hunde verwenden nur aktives Verteidigungsverhalten – wenn sie keine andere Möglichkeit mehr sehen. Denn dieses verhaltet dient letztlich der Verteidigung und dem Überleben.

Aggressionen verschwinden nicht von heute auf morgen // Hundebesitzer sind immer engagiert und begierig darauf ihrem Hund etwas neues Tolles beizubringen. Bei Aggressionen ist Geduld, in meinen Augen eins der Schlüsselwörter. Sie verschwinden nicht von heute auf morgen. Oft muss die grundlegende Beziehung des Hundes mit dem Menschen aufgerollt werden, um zu erkennen, wo es hapert und wo gearbeitet werden muss. Es ist ein Prozess wo der Hund das Tempo bestimmt.  Ein Hund muss sich beim Training wohlfühlen und stressfrei sein. Beim Training von Aggressionsverhalten ist es daher nicht möglich, lange und ausdauernd zu trainieren. Da diese Art von Training purer Stress bedeutet, für Hund und den Halter.

Aggressionen soll man nicht unterdrücken // etwas was aus den 90èr noch hängen geblieben sein muss. Ich erlebe leider immer noch Trainer, die meinen, Aggressionen müsste man im Keim ersticken. Den Hund immer und immer wieder in diese für ihn schlimme Situation bringen, damit es irgendwann den berühmten Klick macht. Das ist wirklich das schlimmste, was man machen kann, in meinen Augen. Erst mal sollte das hund-mensch Team völlig aus diesen Situationen raus genommen werden, denn klar ist, irgendwas läuft falsch. Sonst würde das bisherige Verhalten des Menschen mit dem Hund ja zum Erfolg führen. Es muss vermieden werden, so gut es geht, überhaupt in die Situation zu kommen. Management war zum Beispiel bei mir und Vela das Zauberwort. Wir haben uns erst mal völlig rausgenommen, sind an Orten spazieren gegangen wo keiner, wirklich keiner war, um erst mal wieder atmen zu können. Wieder lernen ohne Stress laufen zu gehen, selbst wenn keiner kommt. Zusätzlich haben wir beide gelernt, wie wir diese Situationen meistern können. Erst nach monatelangem Training haben wir uns wieder einer realen „alltags Situation“ gestellt. Es ist viel Arbeit gewesen, da der Tag bei uns so komplett ungeplant werden musste mit Vela. Wir haben es gemacht und es hat sich gelohnt.

Aggressionen darf man nicht beschönigen // im Artikel die 5 Phasen der Aggressionen habe ich es schon einmal beschrieben. Realitätsverweigerung ist Phase eins. Man beschönigt das Problem. Redet sich ein: „Es ja gar nicht so schlimm“  und denkt: Das legt schon wieder von alleine. Man verdrängt es, bis es einen irgendwann den Alltag so schwer macht, dass es vielleicht nicht mehr geht. Oder man sich soweit nach dem Hund richtet, dass man selber kaum noch zum Zuge kommt. Aggressives verhalten wird sich nicht von alleine wieder legen!

Unbehandelte Aggressionen werden immer schlimmer// verteidigungsverhalten in normalen Alltagssituationen zeigt, dass der Hund ein Problem hat. Dieses wird nicht besser, sondern mit der Zeit schlimmer. Der Hund lernt, dass sein Halter die Situation nicht meistern kann, und beginnt selber aktiv zu werden. Zum Beispiel durch einen aktiven Angriff. Viele unbehandelte Aggressionen fallen erst unter Passives verhalten. Wird das Problem jedoch nicht angegangen, lernt der Hund, sich selber zu helfen – was ganz normal ist. Das gibt nicht nur einen großen Bruch in der Beziehung des Hund Mensch Teams, es macht auch das Training danach immer schwerer. Da Hunde mit der Zeit lernen, irgendwie klar zu kommen auch ohne ihre Menschen.

Bei Aggressionen gilt: druck erzeugt Gegendruck // nun ist der Mensch am Zug. Man kann als Halter auch viel Anspannung, angst, Unsicherheit und Aggressionen in den Hund einspielen. Zieht der Hund wild an der Leine, bellt und will zum Beispiel den anderen Hund schnappen, schreien viele Menschen, fuchteln wild mit den armen oder nehmen diesem auf dem Arm und tragen nicht dazu bei, die Situation wirklich besser zu machen, im Gegenteil. Beim Training gilt 6 Beine müssen trainieren!! Der Mensch muss wesentlich mehr an sich arbeiten wie der Hund. Man muss lernen die Situation zu kontrollieren ohne aus der Haut zu fahren, stress zu zeigen oder Angst zu haben. Das ist ein langwieriger Prozess, doch es hilft dem Hund ungemein und ist in meinen Auge der Schlüssel. Wenn wir als Halter ruhiger und gelassen sind und lernen die Situation richtig einschätzen, ist das Gold für den Hund. Er lernt, sich auf seinen Menschen zu verlassen. Das müssen beide jedoch erst lernen.

Beim Training mit Aggressionen gilt es, den Spaß danach nicht vergessen // warum trainieren wir mit Hunden? Was sind die Ziele des Hund- Mensch Teams? Spaß bei Aggressionen, hä?

Eins ist klar, trainieren mit verteidigungsverhalten ist stressig, anstrengend und raubt Mensch und Hund jede zur Verfügung stehende Energiequelle. Ich habe mich damals dabei erwischt, wie wir nur noch am Aggressionsverhalten gearbeitet haben und spiel und Spaß völlig vergessen hatten. Doch das ist wichtig, neben dem „ernsten“ Training muss es auch Training oder eine Zeit geben, wo man unbeschwert mit seinem Hund Spaß haben kann. Vela und ich haben Crossdogging für uns entdeckt. Ein Zirkeltraining mit Hund, der lustige aufgaben machen muss. Man muss punkte zählen und tritt gegen andere Teams dabei an. Uns geht es null um die Punkte, wenn ich ehrlich bin. Ich bin in dieser Stunde, weil ich dort so richtig schön Blödsinn mit meinem Hund machen kann. Wir haben jede Menge Spaß als Team und vergessen dabei den oftmals stressigen Alltag um uns. Auch ein Hund muss seine positiven „Zellen“ wieder aufladen. Das schafft er nicht allein durch Ruhe und schlaf, er braucht auch positive Aspekte für neue Energie.

Aggressionen muss man gewachsen sein als Halter // als Halter geht man natürlich nicht gleich davon aus, dass es mit dem geliebten 4 beiner ein Problem gibt. Doch was wenn doch? Was wenn das Problem so groß ist, dass man selber überfordert ist? Verteidigungsverhalten kann ein wirklich hartes Thema sein, dem sich alle Familienmitglieder stellen müssen. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann man auf Dauer gut arbeiten. Daher sollten sich Hundehalter wirklich sicher sein – dafür bereit zu sein. Man muss ehrlich zu sich selber sein und daran denken was für den Hund das Beste ist.

Aggressionen können immer wiederkommen // wie bereits gesagt sind Aggressionen nicht heilbar, da sie keine Krankheit sind. Es wird immer wieder, selbst bei ständigem Training mal zum Rückschlag kommen oder zu einer Situation die man hätte mit seinem Hund besser meistern können. Ein kleiner Fehler, eine Unachtsamkeit, oder umweltliche Begebenheiten und der Hund hat stress oder angst. Ich sage dann immer: Das nennt sich leben! Wir haben nie die perfekte Situation und wir werden immer wieder in welche kommen, die wir als nicht gut erachten. Doch dafür trainiert man, um sich dem Leben außerhalb des Ponyhofs zu stellen.

Mein persönlicher 11: Fakt.

Aggressionen lassen sich nicht übers Internet lösen // oft werde ich per Mail angeschrieben oder lese Kommentare bei Plattformen, mit der Frage – wie ich es genau und konkret mit Vela hinbekommen habe. Denn eins ist klar, mein Hund hat damals nicht nur einmal einen Menschen gebissen. Sie möchten wissen, wie genau wir das geschafft haben. Ich lese auch oft den Satz: Vielleicht kann ich mir was abschauen –  liebe Leser, Bloggerkollegen und Co. Erst mal freue ich mich sehr, dass ihr diese Artikel lest, da sie mir so am Herzen liegen. Ihr habt erkannt, dass euer Hund ein Problem hat, damit seit mir schon sehr weit. Ich kann euch jedoch nicht konkret sagen, wie ihr arbeiten müsst, weil ich euch einfach nicht kenne. Als Trainerin gebe ich keine Ferndiagnosen oder Tipps übers Internet und finde dies auch von anderen ganz schlimm. Ich weiß, es wird gewünscht. Doch ich kenne euch und eure Hunde nicht und das Hund Mensch Team ist der Schlüsselpunkt der Arbeit. Es ist die Analyse der Körpersprache von Hund und Mensch, es ist das Kennenlernen und die Einschätzung des realen Hund-Mensch Team nötig, um ein Training auszuarbeiten – so etwas ist über Internet oder Mail unmöglich.

Es wäre wie rückwärtsfahren im 1 Gang. Es wird auf jeden Fall schief gehen. Ich schäme mich zu tiefst für andere Blogger und schüttel auch regelmäßig bei Artikeln meinen Kopf. Wo man die eine Methode gegen verteidigungsverhalten präsentiert, ohne auf diesem Gebiet ausgebildet zu sein – das kann schlimme Folgen haben.

Beim Training geht es um Motivation, triebe, stressschwellen, Neigungen, angst, Mensch, vertrauen, Alltagsleben, Erfahrungen und vieles mehr. Etwas was nie und nimmer über Mail oder Telefon gelöst werden kann. Denn oft interpretieren auch die Halter die Körpersprache ihrer Hunde nicht richtig oder falsch. Man kann auch einfach als Hundehalter nicht alles wissen. Kein Trainer der etwas auf sich hält, würde übers Internet Hund und Mensch therapieren oder Ratschläge dazu geben – da die Beziehung und das gesamte Verhalten, von beiden genau analysiert werden muss – bevor man arbeitet.

 

 

 

 

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