Aggressionen Verstehen, All in
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Aggressionen Verstehen – Aktives und Passives Verteidigungsverhalten

Heute folgt ein weiterer Artikel zum Thema: Aggressionen verstehen. Ich möchte nun über die Mythen von aktiven und passiven verteidigungsverhalten berichten, denn das sind Aggressionen in erster Linie Verteidigung vor z. B. Anderen Hunde, Menschen oder Gegenständen. Die Reaktion auf einen Bestimmten reizt mit niedriger Reizschwelle. Wir neigen immer leicht dazu aktive Verteidigung als „wutbedingte“ Aggression und passive Verteidigung als angstbedingt zu bezeichnen. Jedoch beschreiben die Begriffe – also aktiv und passiv beobachtbares verhalten während Wut oder gar angst unseres Hundes und nicht den Zustand selber. Da sie sich in ihrem Ausdruck auch mal überlagern können. Dürfen wir also unseren Hund in die aktiv oder passiv Schublade stecken.

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Man kann also sagen ….
Aktives Verteidigung – der Angriff oder die offensive Aggression bedeutet, ein Hund geht nach vorne, wie wir so schön sagen.

Passives verteidigungsverhalten – die Flucht, einfrieren oder die Beschwichtigung Artikel über Beschwichtigung hier lang schnüffeln.

Dennoch kann ein ängstlicher Hund lernen, dass ein passives Verhalten bei Weitem nicht so wirksam ist, wie das aktive – so lernt ein Hund schnell, was wirklich effektiv ist und wendet dieses an. Beispiel – ein Hund knurrt und trotzdem kommt der Mensch weiter auf diesem Hund zu, geht der Hund aber nun nach vorne und zeigt Anzeichen von einem Angriff, wird der Mensch sich sicher nicht weiter nähern.

So schafft der Hund eine noch größere Distanz zu dem, was ihn aufregt oder angst macht. Er lernt, dass dieses Verhalten viel effektiver ist!!

Das führt also dazu das ein eigentlich ängstlicher Hund plötzlich aktives Verteidigungsverhalten anwendet trotzdem aber noch Angst hat.

Also kann man grundsätzlich nicht behaupten, dass aktiv = Wut ist und passiv = angst.

Welches verhalten unser Hund wählt, hängt von verschieden Faktoren ab:
Charakter oder Wesen, triebe und Neigungen des Hundes oder Vorhandensein der Fluchtmöglichkeiten lassen den Hund in der jeweiligen Situation entscheiden.

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Hier kann ich ein gutes Feldbeispiel nennen:d wenn ihr den Artikel der Tag an den mein Hund zubiss gelesen habt, ist dies das beste Beispiel dafür. Frau Vela ist ein passiver Hund, jetzt kommt das Große aber. In dieser Situation, der sie ausgesetzt war, hatte sie keine Fluchtmöglichkeit. Also wurde sie aktiv und ging nach vorne. Trotz Passiven willen – Aktives verhalten.

Allgemein sagt man, dass ein Hund die Flucht dem Angriff vorzieht. Wir haben jedoch durch die Domestikation unseren Hund dazu gemacht. Als Beispiel nehme ich immer gern den Wolf. Ein Wolf geht in freier Natur einem Angriff lieber aus dem weg, da es ihm das Überleben sichert. Der greift nur an, wenn es um lebensnotwendige Bedürfnisse geht. Wie zum Beispiel Nahrung, Paarung oder Revierverteidigung. Wie schon in vielen Artikel gesagt. Bin ich der Meinung, ein Hund ist ein domestizierter Wolf.

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Unser Hund hat ja wie so oft keine Möglichkeit zu fliehen. Er ist an der Leine oder ein Zaun ist dazwischen. So kann der Hund das Eigentliche bevorzugte verhalten – die Flucht – nicht wahrnehmen. Also steigt die Wahrscheinlichkeit eines Angriffes. Ebenso steigt diese, wenn Signale die der Hund passiv aussendet, wie das einfrieren nicht funktionieren. Nach dem Motto wenn diese Strategie nicht funktioniert, versuche ich eine andere der Hund lernt dabei das bestmögliche Verhalten für sich und das effektivste. Die Effektivste wird der Hund ab sofort anwenden.

Daher ist es so wichtig, wenn man ein Passives verteidigungsverhalten beim Hund feststellt, was unbegründet oder im Alltag auftritt zu lösen und mit einem ausgebildeten Trainer daran zu arbeiten.

Reizschwellen

Jeder Hund hat Reizschwellen, die eine Flucht, ein Angriff oder eine Beschwichtigung auslösen. Andere Hunde, Menschen, Jogger, Radfahrer, Einkaufstüten, Kinderwagen die Liste ist endlos und noch 3 Meter lang. Es ist an uns, die Reizschwellen unseres Hundes zu kennen und zu beurteilen, ob diese negativer stress oder angst auslösen. An einem Punkt in unserem Hund wird der negative Stress so stark, dass das Maß voll ist und die Reizschwelle überschritten wird. Das limbische System unseres Hundes wird aktiviert. Der Teil im Gehirn, der für emotionale Reaktionen verantwortlich ist.

Es kommt also zu einer Blockade im Kopf. Wir sagen ja gerne, wenn wir viel Stress haben. Ich habe alles vergessen, was ich sagen wollte. Dies passiert auch bei unserem Hund, er deaktiviert seinen Kopf und denkt nicht mehr rational. Adrenalin schießt durch den Körper und die ganzen chemischen Stoffe bringen den Hund dazu entweder zum Angriff oder zur Flucht. Aktiv oder passiv.

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Frauchen die Tomate

Reize lösen auch unterschiedliches verhalten aus. Frau Vela zum Beispiel hat negativen Stress, wenn ein Kinderwagen uns entgegenkommt, und zeigt passives verhalten. Sie will einfach nur weg. Ein Jogger hingegen ist zum Essen immer gut, da hat sie aktives verhalten gezeigt.

Ich möchte damit sagen, dass man einen Hund nicht in die aktiv und passiv Schublade drücken darf und auch nicht kann, dafür gibt es zu viele Situationen die diese These widerlegen. Es ist auch wichtig, zu verstehen, dass unsere Hunde nicht frei entscheiden können, ob ein Kinderwagen jetzt gut oder schlecht ist. Ein bisschen ist wie bei uns. Ich für meinen Teil hasse Tomaten. Dieses Gemüse ekelt mich wirklich an:d ich könnte schreien und weglaufen. Kann ich dafür jetzt etwas? Nein.

Es gibt, wie überall natürlich ausnahmen. Es kann auch sein, dass unser Hund einfach nicht gut (wie in unserem Fall der Kinderwagen) sozialisiert wurde darauf. Frau Vela kommt aus dem Tierschutz, da hat sie sicherlich viel gesehen aber kein Kinderwagen. Hätte meine Mutter mir damals also immer Tomaten vorgesetzt, könnte es sein, dass ich heute anderes über dieses Gemüse denken würde:)

Ich sehe leider immer öfter, dass Trainer die Hunde in diese Schubladen stecken. Aktiv oder passiv, offensiv oder defensiv. Ich persönlich bin der Meinung, dass man dies nicht allgemein anwenden kann. Es gibt Hunde, die haben viel passives Verhalten und ein oder zwei aktive Züge. Nur durch genaue Analyse kann man das sehen. Dazu muss ich aber die Reizschwellen meines Hundes kennen und wissen wie er in diesen Situationen reagiert. Sowie der Trainer muss sich stark einbringen.

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Unsere aktiv / passiv Phasen

Frau Vela hat sich bei uns auch stets verändert, anfangs war sie eher passiv angehaucht und zeigte viel flucht, einfrieren oder unkontrolliertes zittern. Sie hatte das Bedürfnis, welches ich am Anfang falsch verstanden habe. Ich habe sie schlichtweg nicht geschützt. Man hört immer gerne den Spruch einiger Hundebesitzer die Hunde machen das schon da sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Natürlich gibt es Situationen wo man sie spielen oder toben lassen muss. Geht es aber um Angst oder reize, kann ich meinen Hund nicht machen lassen. Früher habe ich darauf gehört und habe sie machen lassen. Ein riesen Fehler! Denn aus dem Passiven verhaltet, lernte Vela, dass es viel effektiver ist anzugreifen. Der feind verschwindet und Frauchen kommt zu mir her. Also habe ich meinem Hund ein aktives Verhalten mit meinem passiven Verhalten beigebracht. Als ich das feststellte, wollte ich im Boden versinken und es tat mir unglaublich leid. Doch Hunde wollen nicht unser Mitleid. Also zeigte ich Vela, dass ich ab sofort für sie da bin, ich die Situationen regel und sie sich nicht aufregen muss. Das ist Milde gesagt. Verdammt sch***e schwer, doch ich habe sehr stark dazu beigetragen. Also müssen wir da auch zusammen durch. Jeden Tag wieder ….:)

 

 

 

 

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4 Kommentare

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  4. Hallo!
    Mein Hund hat so gut wie immer ein aktives Verhalten. Ich versuche ihm immer zu zeigen, dass ich da bin und die Situation regle. Jedoch funktioniert das leider nicht so gut. Wie zeigst du Frau Vela, dass du die Situation regelst?
    Vielleicht kann ich mir da was abschauen. 😉

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