Aggressionen Verstehen, All in
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Aggressionen Verstehen – angstbedingte Aggression

Auf Wunsch einiger Mails berichte Ich heute ganz spezifisch über angstbedingte Aggressionen. Dies ist ein besonderes heikles Thema, warum werdet ihr im Artikel feststellen.

 

Angstbedingte Aggressionen kann erst einmal bei jedem Hund auftreten. Im Allgemeinen meint man das weibliche Tiere mehr Angst haben als Rüden. Persönlich kann ich diese Behauptung nicht bestätigen. Ich sehe unterschiedliche Herangehensweisen von Rüden oder Weibchen bei gleichen Angstpotenzial.

Stetige Angst oder Angstverhalten kann schnell zu aggressives Verhalten umschlagen, wenn der Hund in eine Situation rein gezwungen wird. Angstbedingte Verhaltensweisen oder passives Verteidigungsverhalten sind – Flucht, Einfrieren oder das beschwichtigen.

Warum ist dieses Thema heikel? Weil viele Halter – die Flucht oder das Einfrieren nicht als Problem wahrnehmen und oft erst Hilfe aufsuchen wenn passives Verteidigungsverhalten in aktives Verhalten umgeschlagen ist.Ein Hund wird unter diesen Bedingungen entweder schrittweise oder auch sehr schnell vom Defensiven (passiven) zum Offensiven (Aktiven) verteidigungsverhalten wechseln:

 

  • Wenn die Flucht keine größere Entfernung zum angstauslösenden Reiz bringt.
  • Wenn der Hund bereits gelernt hat, das flucht nichts bringt
  • Wenn eine Flucht von vornherein unmöglich ist.

 

Angstbedingte Aggressionen (z.B passives Verteidigungsverhalten) hat ein Ziel = einem angsteinflößenden Reiz zu vermeiden, ihm aus den Weg zu gehen oder ihn unter Kontrolle zu bringen. Doch was hasst das jetzt im Alltag? Anhand ein paar Beispiele:

Nr 1 – Die Flucht bringt keinen Abstand

Das können Situationen sein, wo sich ein Hund vor einem anderen fürchtet, der andere Hund stellt also den Reiz da. Ein Hund flüchtet aus Angst (passives verteidigungsverhalten) nehmen wir das als Aggressionen wahr? Meinst nicht.

Jedoch handelt ein Hund immer mit dem Grundsatz zu überleben. Bedeutet er könnte grade in diesem Moment Todesangst haben. Oft beobachten man das der Hund der flüchtet nach einer gewissen Zeit sich schlagartig umdreht und z.B bellt, fletscht oder beißt – das passive verhalten wird nun aktiv und der Hund lernt, das dieses Verhalten viel effektiver ist. Ab dann wird der Hund dieses Verhalten öfter und dann dauerhaft zeigen – die sogenannte Konditionierung. Ist das passiert, rennt der Hund nicht mehr weg, sondern springt z.B in die Leine, bellt und will oft den anderen „in die Flucht schlagen“. Auch Bellen ist noch ein passives Signal. Wird von uns aber wesentlich aktiver wahrgenommen als Flucht.

Erst wenn diese Probleme auftreten suchen Halter einen Trainer auf. Wobei man sagen muss, das die Verantwortung mehr beim anderen Halter liegt. Den wer seinen Hund ableint, sollte wissen wie sien Hund reagiert. Also beim „Jäger“. Jagt ein Hund einen anderen und man merkt das dieser panische Angst hat oder einfach Hilfe benötigt, sollte man dem Jäger so schnell es geht einen Riegel vorschieben.

Bei Vela und mir – vor einigen Jahren war ich das gejagte Frauchen mit Vela – Vela wurde über Wiesen gejagt wild fiepend mit der Rute zwischen den Beinen geklemmt! Wie soll man da reagieren oder helfen? Erster Schritt für mich, den Halter sofort sagen er soll seinen Hund von meinem fernhalten – diesen Mut muss man lernen, auch wenn einen die anderen für unfreundlich halten, es geht um die Sicherheit und das wohl meines Hundes. Wir wissen ja inzwischen der Trend zum „der Hund läuft frei, obwohl er nicht abrufbar ist, ist sehr sehr groß“ außerdem ist es, fast unmöglich seinen Hund zu rufen, während dieser grade in einer Interaktion ist.

Zweiter Schritt – ich greife ein – ich rufe Vela oder schaue das ich an einem Punkt komme wo sie an mir vorbei läuft. Nun stelle ich mich dem anderen in den Weg – Körpersprache – reine Körpersprache.

Ich stelle mich grade hin, baue mich freundlich auf und stelle die Beine etwas auseinander. Auch bei einem großen Radius kann man je nach Hundecharakter den Hund stoppen oder verlangsamen und was viel wichtiger war – ich kann Vela helfen und das merkt sie und weiß – ich kann mich auf mein Frauchen verlassen. Es gibt nichts Schlimmeres für einen Hund, wenn er merkt, trotz der Anwesenheit seines Halters allein zu sein. Wichtig dabei – ruhig und vor allen sicher bleiben. Das ist etwas, was man im Training mit seinem Hund zusammen lernen muss.

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ist nicht für jeden geeignet! Das sind ausgearbeitet Methoden, die auf Körpersprache aufbauen – solltet ihr hier Hilfe benötigen Arbeit dort immer mit einem ausgebildeten Trainer zusammen.

Persönlich finde ich, die eigene Körpersprache zu kennen und mit ihr zu arbeiten sollte eine Grundlage sein – denn das ist nun mal die Sprache der Hunde.

So kann man seinem eigenen Hund zeigen, dass er statt wegzurennen auch zu einem kommen kann. Die Flucht ist eine Methode, die der Hund für sich entscheidet, er regelt die Dinge also allein!

Wollen wir das? Nein. Wir wollen doch das unser Hund zu uns kommt, wenn er Angst oder Probleme hat. Selber habe ich gemerkt, was es heißt sie nicht zu können und wenige Situationen haben Vela gereicht mir nicht mehr zu vertrauen. Erst nach Jahren hat Sie mir wieder vertraut, heute setzt sie sich hinter mich, wenn ihr etwas Unbehagen bereitet. Was mich ganz Stolz macht.

Nr.2 wenn der Hund bereits gelernt hat, das Flucht nichts bringt

Eigentlich ist dies in Punkt eins bereits erklärt, das ruckartige Umdrehen und es hat klick gemacht. Je nach Charakter geht diese Entwicklung schleichend oder eine ruckartig, das passiert oft, wenn es eine besonders schlimme Situation war. Eins darf man auch nie vergessen, für den Halter schlägt das Herz oft bis zum Horizont. Man selber fühlt sich überfordert und hat vielleicht auch Angst. Dabei darf man die Gefühle des Hundes nicht vergessen – denn ihm geht es nicht anderes – die meisten haben es abends nicht wieder vergessen und benötigen Wochen dies zu verarbeiten. Das spiegelt sich in unterschiedlichen Situationen wieder.

Bei mir und Vela war diese Situationen vor 5 Jahren, immer wenn ich kam, verließ sie den Raum (und das ist bereits angstbedingtes defensives Verteidigungsverhalten) doch wir Menschen nehmen diese nicht als solches wahr, Raum verlassen als Zeichen der Angst? Ja! Auch ein Zeichen von Vermeidung.

Sie wollte sich nicht mehr sooooo gerne anleinen lassen und sie fühlte sich einfach nicht mehr richtig wohl. Das war der Punkt, wo ich wusste unsere Beziehung steht auf der Kippe. Denn ohne Vertrauen geht nix. Wirklich nix.

Wenn die Flucht nicht möglich ist – jeder Hund scannt seine Umgebung, vor allen in „ausweglosen“ Situationen schaltet ein Hund von Passiv auf aktiv wesentlich schneller um. Grade wenn sich ein Hund von einem anderen Hund oder Menschen in die Ecke gedrängt wird.Wie entwickelt sich Angst? Das ist wie bei Menschen sehr unterschiedlich aus Erfahrungen, aus mangelnder Sozialisierung, genetische Veranlagung oder wenn sich eine für den Hund negative Situation immer wieder wiederholt.

Hunde habe einen angeborenen Mechanismus um Gefahren zu vermeiden, nämlich die Unsicherheit oder die Angst, wenn sie mit etwas möglicherweise gefährlichen dingen neu konfrontierten werden -also eine „Natürliche Angst“.

Daher und auch wenn das Thema jetzt etwas abseits geht, ist die Sozialisierung im Welpenalter so wichtig und ein großer Bestandteil. Junge Welpen haben zu Beginn ihres Lebens sehr wenig Angst. Ein junger Welpe ist oft sehr neugierig und hat einen starken Erkundungstrieb. Dieser Trieb in den jungen Wochen und wenigen Monaten ist dafür da, damit er möglichst alle Dinge kennenlernen kann, mit denen er in seinem weiteren Leben konfrontiert wird. Die Phase die voller ausgeprägter Neugier steckt, ist die Zeit, in der die Mutter ihre Welpen gut bewacht. Wird der Welpe älter – also zum Junghund setzt nach und nach die Neophobie ein – die Angst vor neuen. Dann ist der Hund misstrauischer und weniger neugierig. Alle Dingen die ihm missfallen sind die Dinge, die er in seiner Welpenzeit nicht kennengelernt hat. Bedeutet eine richtige und gute Sozialisierung trägt positiv zum Leben bei, natürlich spielt der Charakter und rassespezifische Eigenschaften auch eine Rolle.

Wichtig bei angstbedingten Aggressionen, nicht mit Druck an die Probleme gehen (sollte man sowie bei nichts) angstbedingte Aggressionen leben oft von Rückschlägen. Ohne die Hilfe, die Arbeitsbereitschaft, die Geduld und positive Energie des Haltens kann es der Hund alleine das nicht schaffen. Denn eins ist ganz klar und muss man einfach sagen – zeigt ein Hund Angstbedingte passive Verteidigung – und wird dann aktiv, geht das auf das konnte des Halters! Denn wir müssen erkennen, wenn unser Hund Hilfe braucht.Aus Angst kann Wut entstehen und aus Wut Verzweiflung und wieder zurück, oft kennen wir Schwarz und Weiß, doch es gibt auch noch ein Drittes.Mit Absicht habe ich diese bei den angstbedingten Aggressionen untergebracht.

Die vermeidungsorientieren Aggressionen

Wenn defensives Verteidigungsverhalten nichts bringt und auch offensives kein Erfolg verspricht, kann es bei Hunden zur erlernten hilflosigkeit und Neurosen kommen. Denn was soll ein Hund tun, wenn wirklich nichts funktioniert? Und die Situation aussichtslos erscheint. Auch hier spielt wieder der Charakter eine Rolle. Den aus der Hilflosigkeit könnte auch Frustration entstehen und aus der Frustration Wut. Die möglichen Verhaltensweisen sind endlos. Daher finde ich die Funktionsanalyse Nach wie vor so wichtig. Einen Hund zu analysieren; die Situation immer wieder neu zu bewerten ist wichtig um dauerhaft mit einem Hund und vor allen seinen Halter zu arbeiten.

Zurzeit liest und hört man viel über Beißattacken von Hunden – Ich bin inzwischen froh, dass die Gesellschaft langsam aber sicher versteht, das man die Situation bewerten muss, was dort passiert ist und nicht einfach den Hund einschläfern muss.

In den meisten Fällen erkennen Menschen verteidigungsverhalten nicht als solche, der Hund macht das, was ihm den gewünschten Erfolg bringt – das ist in den aller seltensten Fällen der Wunsch zu töten, sondern der Wunsch aus dieser Situation zu fliehen, herauszukommen & sie zu beenden. Was will ein Hund also beenden? Ein Hund kann eine Situation mit passiven verhalten beenden, weil das der geringste Schaden für ihn ist. Doch wenn diese Situation zu häufig war, geht er irgendwann zur Aktiven über.

Ein Beispiel dazu – Ein Hund hat Angst vor einem Kind und verlässt jedes Mal den Raum, wo sich das Kind aufhält – Beschwichtigung oder Fluch bringt auf Dauer nicht den gewünschten Erfolg – und die z.B Frustration oder Hilflosigkeit wird größer. Bei vielen Hunden kommt es zum Löschungstrotz. Als Löschen bezeichnet man jene Prozesse, der bei nicht Bestätigung einsetzt. Ein Hund geht – und wird nicht belohnt  – denn das Kind ist noch in diesem Zimmer, wo sich der Hund aufgehalten hat.

Im nächsten Schritt knurrt der Hund z.B das Kind an und die Eltern holen das Kind – oder den Hund aus der Situation. In beiden Fällen hat das Verhalten des Hundes den gewünschten Effekt und wird somit für sich belohnt. Nun wiederholt sich die Situation im Alltag. Dieser ist auch mal hektisch und es kann sein das die knurren des Hundes gegenüber dem Kind nicht mitbekommen – also wieder keinen Erfolg für den Hund. Er versucht auch nicht mehr zu fliehen, weil dieses Verhalten bereits gelöscht wurde (Löschungstrotz) – hat ja auf Dauer nicht geklappt. Was hat aber nun geklappt? Das Knurren? Na ja eine Zeit lang. Doch auch dies war auf Dauer nichts. Jetzt könnte der Hund z.B Schnappen und wieder wird dieses Verhalten „Belohnt“ mit Reaktion über Distanz oder eingreifen der Eltern. Die Grundsituation wiederholt sich also immer und immer wieder und mit jeden mal wird das Verhalten schlimmer. Irgendwann ist das Verhalten des Hundes so hoch operant konditioniert das er nur bei der bloßen Anwesenheit des Kindes zum Aktiven verteidigungsverhalten greift oder schlimmer gegenüber jedem Kind -also verallgemeinert sich das Problem immer weiter. Der Hund ist nach wie vor bestrebt die Situation so schnell wie möglich zu beenden. Weg gehen, knurren, Schnappen haben bislang wenig Erfolg gebracht, was passiert wohl nun??

Das ist nur ein Beispiel, wie aus einer z.B falschen Sozialisierung durch den Menschen ein erfahrener angstaggressiver Hund werden kann – doch was kann man tun? – wenn man mit jedem „verhalten“ den Hund belohnt. Auch hier wieder mein Rat einen ausgebildeten Trainer auszusuchen – das ist eine Situation, die man nicht allgemein beantworten kann, sondern analysieren und situationsbedingt bewerten und bearbeiten muss. Dieses kann leicht verstärkt werden durch den falschen Umgang durch die Halter oder Fehlverhalten des Kindes.

Was will ich damit sagen – Es gibt ein klar definiertes Angstverhalten. Aus Angst kann Wut entstehen, aus Wut Frustration/Depression und wieder zurück. Wir halten die Leine in der Hand. Grade wenn Kinder im Haushalt leben müssen beide Seiten lernen respektvoll miteinander umzugehen und gegenüber Menschen die wenig mit Hunden zu tun haben und nun damit konfrontiert werden. Angst & Unwissenheit sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen oder es beim Charakter mit schüchtern verwechseln. Man sollte genau beobachten und vor allen wissen, wann der eigene Hund schüchtern ist oder Angst hat. Wenn man es selber nicht genau einordnen kann, empfehle ich immer selbst ohne große Schwierigkeiten, mit seinem Trainer die ein oder andere Einzelstunde zu buchen. Denn dafür sind wir da, nicht nur bei Problembewältigung, sondern auch bei Verständnisfragen.

Denn Vorbeugung ist einfacher & besser als Heilung.

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