Aggressionen Verstehen, All in
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Aggressionen Verstehen- Die Diagnose von Aggressionen

Wie diagnostiziert man etwas, was keine Krankheit ist? Wie zeigt man Haltern, dass die Verteidigung des eigenen Lebens nicht etwas grundlegendes Böses ist?

Alleine das Wort Diagnose sagt, hier kann etwas nicht stimmen. Man denkt an den Arzt, der jeden Moment zur Tür reinkommt und einem die schlechte Nachricht mitteilt unheilbar krank zu sein. Viele Hundehalter denken, Sie wissen, was dieses Verhalten beim Hund auslöst. Aus einer persönlichen Erfahrung muss ich sagen. Es tut mir leid, doch sehr viele wissen es nicht oder nicht genau. Was aber alles andere als schlimm ist! Ich liebe diese Kunden die zu mir kommen und sagen: Ich weiß einfach nicht, was los ist, aber ich habe eine Vermutung, denn das ist ehrlich! Unwissenheit  ist eins der Todesurteile in der Hundeerziehung. Ein Teil der Erziehung vom Nachbaren abgeschaut, weil sein Hund das so toll kann. Ein Teil aus dem TV und ein Teil selber zusammengereimt aus der Logik des Menschen heraus. Bei manchen Dingen kann es durchaus gut gehen und auch auf Dauer Funktionieren, keine Frage.

Doch sollte man sich manchmal nicht gewissen sein, statt auf Experimente zu setzten? Denn ganz am Schluss, stellt sich immer die Frage.

Wie verträgt mein Hund die Experimente?

Viele Kunden kommen zu mir, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist und schlimmeres passiert ist. Doch auch hier kann ich sagen – Ich sehr stolz auf sie! Denn es kostet Mut & Überwindung, ehrlich zu sagen, dass die bisherigen Methoden nicht geklappt haben und nun schlimmeres passiert ist. In unserem ersten Artikel über Aggressionen habe ich über die 5 Phasen berichtet die man als Halter durchlebt, wenn der Hunde potenzial mit Aggressionen hat. Kommen die Hundehalter zu mir und sind ehrlich, haben Sie es akzeptiert, dass es hier ein Problem gibt. Akzeptanz Stufe 5.

Diagnose Mensch bei Aggressionen

Der Mensch ist ein entscheidender Faktor, denn ohne seine bereitschfaft, kann ich dem Hund nicht helfen. Die Frustration ist immer groß, trotzdem. Positive Energie und Geduld sind das Grundgerüst für ein gutes Training.

Bei Bewegungen der Halter, bei Markerwörter oder Verhaltensweisen, kann ich klar differenzieren, was bislang passiert sein kann und versucht worde. Um meine Meinung zu festigen, lasse ich sie gerne einige Übungen machen. Sitz Platz, bleib usw. Was hat das mit Aggressionen zu tun? Ich kann die Verbindung und Vertrauensbasis vom Hund und Halter genau beobachten. Reaktionen vom Hund auf einfache Dinge lässt einen kleinen Einblick darüber geben, wie der Hund auf seine Halter reagiert und wie dieser mit dem Hund umgeht. Auch in Bezug aufs Loben oder bestätigen.

 

Funktionsanalyse – die Funktion eines Verhaltens ….

…ist wichtig für die Frage, welcher Faktor beim fraglichen Verhalten eine Rolle spielt. Man spricht also vom Auslöser des Verhaltens, welcher für ein Fehlverhalten verantwortlich ist und dieses sogar verstärkt.

Nun kommt es zur Funktionsanalyse, bei der es darum geht, die variablen des Verhaltens zu ermitteln und um so gut wie möglich objektiv zu erfahren, um eine ich sage mal, rationale Grundlage zu bekommen und um genau da beim Hund anzusetzen. Also plumpt gesagt – wieso macht mein Hund das?? Es muss sehr behutsam dabei vorgegangen werden. Den eine Analyse verlangt immer eins – Tests!

In Fachbüchern spricht man hier von dem ABC der Aggressionen, welche ich als Eselsbrücke zum Verständnis sehr gut finde.

A- Auslöser – was löst das Fehlverhalten aus.

B- betreffendes Verhalten, was tut der Hund dabei?

C- Konsequenz! Was verspricht sich der Hund von seinem Verhalten oder was geschieht dabei und dadurch.

C ist für den Halter der wichtigste Punk, denn was will mein Hund erreichen, wenn er genau diesen schwarzen Hund anbellt. Ist Angst? Unsicherheit oder wirklich „ein purer“ hass? Nur wenn man das ermittelt, kann man die richtigen Strategien entwickeln, um das Verhalten zu ändern.

Persönliches ABC

Für mich war dieses ABC immer ein schöner Leitfaden. Leider gibt es immer noch Trainer, die Hunde bei Aggressionsprobleme an ihre schlimmsten grenzen bringen. Um dieses Verhalten auszulösen und dann mit positiver Bestrafung, also mit einem negativen Reis wie Geräusche oder Schmerzen (Artikel dazu hier) entgegenzuwirken! Katastrophe in meinen Augen. Den Hund dermaßen zu Stressen und mit seinen Ängsten und Problemen Ping Pong zu spielen ist Gift für Seele. Steht dann noch der Halter daneben, kann man das Vertrauen auch noch in die Tonne kloppen und gelernt oder verstanden hat der Hund sowie nichts. Hunde lernen unter Stress so gut wie nicht, sie können es nicht dauerhaft abspeichern, da ihr Körper unter Stress in einem anderen Zustand gefangen ist.

Wie kommt man also an die Informationen der Funktionsanalyse? Ohne alle beteiligten auf ein Level zu bringen, wo keiner mehr hin will?

Natürlich Behelfe auch ich mir kleiner Tests. Diese sind aber so abgeschwächt, dass der Hund nicht auf ein gesteigertes Stresslevel gebracht wird. Durch Beobachtung, Erzählungen und Hundesprache kann ich gut abschätzen, was ich einem Hund zumuten kann. Wenn ich nicht sicher bin, lasse ich es von vorneherein bei dieser Stunde oder fange 5 Level weiter drunter an wie meine Einschätzung ist. Getreu dem Motto eins darauf legen können wir immer noch. Dabei werden maximal 2 bis 3 (je nach Verfassung des Hundes) kleine Tests gemacht um festzustellen wie klein der Auslöser sein muss, um das Fehlverhalten auszulösen. Hierbei helfen wir auch sehr die Aussagen der Halter.

A wie Auslöser

Der Auslöser ist das, was kurz vor dem Fehlverhalten passiert. Jeder Reiz der in der Umgebung eines Hundes vorkommen ist ein potenzieller Auslöser. Wenn ein Hund also nun jemanden beißt, muss ich ganz genau wissen, welcher Auslöser, dem Hund zu diesem Verhalten bringt! Hier kann man nicht über den Daumen gepeilt sagen, der Hund mag keine Menschen. Wenn man die Möglichkeit hat, den Auslöser zu erforschen, sollte man das auch tun um gezielter daran zu arbeiten mit einem gut ausgebildeten Trainer. Bei vielen Auslandshunden wo man nicht sicher ist, kann man den Auslöser nicht ergründen, sondern muss direkt am Fehlverhalten ansetzten.

Selbst wenn das Verhalten glasklar erscheint, muss man bei der Beschreibung sehr genau sein, wenn es die Möglichkeit gibt.

B wie betreffendes Verhalten – Ablauf des Fehlverhaltens

Wie ist es genau passiert, bei der Trainerausbildung habe ich vor allen gelernt genau nachzufragen und auch gerne mehrfach zu fragen, denn Hundehalter erzählen einem oft mehrere Versionen oder sie können die Situation nicht mehr genau beschreiben. Was ganz normal ist, da auch Sie unter einen enormen Stress meist gestanden sind. Daher ist öfters nachfragen bei mir keine Verständnisfrage, sondern eine Art Puzzle. Aus jeder Version komme ich dem fertigen Puzzle ein bisschen näher. Oft bekommt man nur mit – der Hund beißt! Doch was ist davor passiert?

Wenn ein Hund ohne Reiz ohne Vorwarnung und ohne Zeichen plötzlich auf einen losgeht (also wirklich ohne Vorzeichen!!) Dann sprechen wir wirklich von einem gefährlichen Hund! Doch in 95 % der Fälle gehen dem Biss mehrere Situationen voraus. Oft ist es der reine Überlebenswunsch und wisse des Hundes. Den vorher soll der Hund wissen, dass der Jogger ihm nicht gleich das Fell über die Ohren zieht. Wir als Hundebesitzer müssen ihnen dabei helfen.

C wie konsequent

Die Konsequenz ist nicht, die Strafe die der Halter am Hund anwendet. Als Konsequenz in wieder der Hund gemeint – was verspricht sich dieser ganz am Schluss von der Situation. Was war die Zielsetzung. Überleben? Ruhe? Oder Hunger?

Oft bekomme ich in solchen Stunde die Master Frage gestellt: „Wenn ich stehen bleibe, wenn ein Hund mich anknurrt. Hat er doch seine Bestätigung dadurch erhalten, oder? Im Grunde ja, hat er. Aber man sollte nie leichtfertig oder ohne kontrollierte Situation so etwas machen. Knurren ist Passives verhalten. Grade wenn sich die Menschen (aus welchen Gründen auch immer) dem Hund nähern und er zum Aktiven Verhalten durch ein Biss übergeht – ist das die Situation, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist. Denn genau in diesem Moment hat der Hund gelernt wie er noch schneller und effektiver „den Angreifer“ oder die „angst“ los wird.

Tests am Hund

Der Hund als Testlabor? Nein danke. Doch man muss als Trainer auch die Situation sehen um sich ein Bild davon zu machen. Macht das bitte immer mit einer Fachperson, ich kann es nicht oft genug sagen. Als Hundebesitzer hat man kaum die Chance, die Übungen so durchzuführen, dass man daraus wirklich die notwendigen Informationen ziehen können, während man, damit seinen Hund nur noch tiefer in seine Probleme treibt.

Ich habe mir lange überlegt, wie ich diesen Teil des Artikels schreiben soll, sollte ich aufschreiben wie ich an eine Analyse gehe? Ich habe mich dagegen entschieden! Ich möchte einfach nicht, das Dinge die man im Internet liest, so einfach nachmachen kann. Jedenfalls nicht bei so einem Thema.  Die Funktionsanalyse stelle ich immer auf den Charakter des Hundes ein, immer! Daher muss man immer völlig unbeschrieben in das erste Gespräch gehen!

Es ist in meinen Augen jedoch wirklich wichtig, den Auslösereiz so stressfrei wie möglich zu identifizieren. Dann kann ich erarbeiten wie man mit diesen Auslösern umgehen kann und in welchen Ausmaß das Problem bereits vorhanden ist. Wie er sich entwickelt hat oder wo man einen Riegel vorschieben muss, dass sich nichts weiter draus entwickelt. Eins ist mir bei Erstgesprächen jedoch immer wichtig und eine klare Regel – auch wenn erst um die Analyse geht. Wichtig ist, das Verhalten nicht schlimmer zu machen, oder zu unterstützen.

Vela uns Ihre Diagnose

Auch bei Vela wurden einige Tests gemacht und sie wunde kontrolliert in Situationen gebracht, um zu sehen, wie groß das Problem bereits ist. Ich war anwesend, habe es aber nicht selber durchgeführt. In erster Linie war ich Hundemama und nicht Trainerin. Ich bin dafür da, das entsprechende Verhalten in den Situationen unter Kontrolle zu bringen, und das haben wir geschafft! Ohne reißen, ziehen, schreien oder sonst einer brachialen Methode. Die leider immer noch viel zu häufig angewendet werden. Mit Vertrauen, Zeit hat es ihrer Seele nicht geschadet, ich war viel Stressfreier und habe sehr viel gelernt. Ich finde es, gut auch selber in dieser Situation gewesen zu sein. Ich weiß, wie es meinen Kunden geht und das hilft allen beteiligten.

Fazit

Aggressionen zu diagnostizieren ist ein Unterfangen, dem man sich nie alleine stellen sollte. Man sollte den Hund nicht in Situationen bringen, die es noch schlimmer machen. Man sollte in meinen Augen mit Geduld, Verständnis und einer Fachperson an die Sache rangehen und das Thema verteidigungsverhalten nicht einfach so abspeisen. Den Aggressionen gehört zu den Dingen die sich stets verschlimmern, festigen und irgendwann so verankert sind, dass es fast unmöglich ist, diese Verkettungen zu lösen oder eine neue Vertrauensbasis zu schaffen.

Für mich ist die Funktionsanalyse – zuhören, schauen, zuhören, schauen, analysieren, testen, schauen, zuhören und alles wieder von vorne – immer in Kommunikation und vor allen positiver Mitarbeit der Besitzer. Beenden tue ich ein solches Training immer mit Spiel und Spaß für Hund und Halter. Selbst ruhige Hunde schütteln dann den Stress einfach ab und können nach Belieben, toben und mit ihren Besitzern spielen und springen. Verteidigungsverhalten zu „beheben“ oder anzupassen ist Arbeit, die sich der Halter oft nicht mit positiven Gefühlen stellen kann. Daher ist es mir wichtig das alle mit einem Lächeln vom Platz gehen, dass sie auch mit einem Lächeln und positiver Energie zur nächsten Stunde kommen.

Vertrauen ist wie eine Kette, sie hat viele kleine Ösen, manchmal ein paar Risse und manchmal stellen wie man repariert hat, hat man jedoch die Kette in mehrere Teile zerrissen – kann auch der beste Goldschmied, diese nicht mehr zusammensetzten…

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