Aggressionen Verstehen
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Aggressionen Verstehen – Ein Freilaufender Aggressiver Hund

Heute gibt es mal zum Thema Aggressionen Verstehen einen persönlichen Bericht von uns. Oft bekomme ich Nachrichten oder Mail und werde gefragt oder auch mal vorgeworfen, dass Vela ja kein Problem hat, da sie ja frei läuft oder wie wir das hinbekommen haben.

Da wir scheinbar ein relativ normales Bild vermitteln – was mich ja richtig stolz macht, irgendwie. Denn die Fakten sind klar – ja, Vela hat mehr wie einem Menschen in ihrem Leben gebissen! Vela trägt keinen Maulkorb (auch wenn wir Pro Maulkorb sind) und Vela läuft frei. Wie passen diese Fakten auf einen Hund, der sich außer von seinen Besitzern nie von jemanden Streicheln lässt und dem die ganze Umwelt ein Dorn im Fell ist?

Ich wünschte, ich könnte euch die Super Antwort darauf geben, doch die gibt es einfach nicht. Ich wünschte ich könnte euch sagen, es war voll einfach. Doch das war es nicht.

Es war über die letzten Jahre verteilt eine Kombination aus Blut, Schweiß, Tränen, Verzweiflung, Freude, Rückschläge, erfolge, wieder Rückschläge und vor allen Charakteranalyse. Ich denke vor allen die Tatsache über die Erkenntnis der stärken und schwächen war unser persönlicher Durchbruch. Was kann ich ihr wirklich zumuten und was nicht? Und wie kann man ihre Stärken ausbauen und fürs Training nutzen?

Velas Auslöser sind eine Vielzahl an Dingen. Es sind nicht mal Geräusche eher Bewegungen. Die Umwelt bewegt sich ständig und ich kann natürlich nicht die Welt anhalten, doch ich konnte dafür sorgen, dass wir uns als Team der Welt ein Stück mehr anpassen. Dabei war es wichtig, Informationen über ihren Charakter zu erfahren und mit ihren Stärken und Schwächen zu arbeiten und diese ganz genau zu kennen.

Auch wenn es heißt: „Bewegung nimmt Stress“ – wie ich es in dem ein oder anderen Artikel schon geschrieben habe. Ist es wieder mal nicht auf alle Hunde anwendbar. Ich habe beobachtet, dass Vela sehr sehr gerne beobachtet und die Situation die ihr Unbehagen macht trotz Angst, genau im Blick hat. Früher dachte ich sie fixiert zum Angriff. Doch zunehmend stellte ich fest, dass es ihre Art, um mit einer Situation klar zu kommen. Totales Neuland für mich, weil es allem widersprochen hat, was ich in der Ausbildung darüber gelernt habe. Daher ist die Analyse inzwischen so wichtig für mich! Ist uns also auch mal eine Situation zu viel und  ich kann Vela ihre Individualdistanz nicht ermöglichen gebe ich ihr die Möglichkeit genau zu beobachten, was grade passiert. Für mich war das ganz erstaunlich! Das gehört nun mal nicht zu den Dingen, die man in Büchern liest und hat mir wieder einmal gezeigt das jeder Hund anderes.

„Dein Hund ist nicht zu gebrauchen“, „gehört der Köter nicht hinter Schloss und Riegel?“

Nur 2 Aussagen, die ich in der Vergangenheit zu oft gehört haben. Natürlich sind wir in manchen Dingen eingeschränkt oder eher gesagt, richten uns auch nach Vela. Aber warum auch nicht? Sie gehört zu Familie..

Natürlich könnte ich sie einfach mitziehen und sie in jede Situation zum Beispiel im Urlaub oder unterwegs rein zwingen, weil ich das nun will. Doch was ist das für ein Umgang? Ein ganz Mieser in meinen Augen.

Arbeiten mit Stärken – Jedi Time – Nutze die Macht

Vela hat neben vielen schwächen, natürlich auch ihre Stärken. Diese habe ich für unser Training genutzt, um an den Punkt zu kommen wo wir heute sind.Hier ging es nicht mal eben kurz um eine Liste, die die wichtigsten Fakten zu seinem Hund beschreiben. Situationen beobachte, deuten, analysieren und das immer und immer wieder aufs neue..

Als Trainerin ist man immer darauf bedacht, die schwächen eines Hundes zu stärken und Probleme zu lösen. Doch jeder Hund hat auch Stärken und oft werden diese nicht intensiv genug genutzt um das Problem zu bewältigen! Warum sollte man also nicht auch damit arbeiten? Velas Stärke ist neben dem unglaublichen Verständnis für Körpersprache beim Menschen ihr Vertrauen zu mir, was wir mühsam aufgebaut haben – den Anfangs hatte sie nicht sonderlich den Grund mir zu vertrauen. Auf diesem vertrauen konnte ich also aufbauen und sie im richtigen Moment weiter puschen und stärken! Auch im Rückruf ist sie ein totaler Streber. Eine weitere Stärke ist unserer Verständnis zueinander, (ich spreche jetzt nicht von Vertrauen) Sie weiß, was ich kann und nicht kann sowie umgekehrt. Über die Jahre haben Vela und ich uns auf eine Art und Weise kennengelernt, wo wir genau wissen, was der andere für schwächen und stärken hat. Ich sehe das nicht als süße Beziehung oder „besonderes“ festes Band – wir sind einfach ehrlich zueinander.

Freilauf mit aggressiven Hund

Eins ist klar, würde ich nicht 100 % davon überzeugt sein, dass Vela es nicht schafft, wäre sie sofort wieder an der Schleppleine! Ich gehe nie, wirklich nie ein Risiko ein. Den was habe ich von Risiken in der Hundeerziehung? Der Hund kann die Situation gut bewältigen, muss aber nicht und im schlimmsten Fall geht es schief und zieht viele Konsequenzen nach sich emotional und wenn es richtig schlecht läuft auch rechtlich. Geht eine Situation schief geht wochenlanges Training wieder von vorne los….

Warum sollte mir das Herz bis zum Hals schlagen? Wenn es eine einfache Möglichkeit gibt, wie die Leine oder Schleppleine. Was man oft auf unseren Fotos natürlich nicht sieht ist, sollte uns jemand entgegenkommen, beobachte ich Vela für einen kurzen Moment und wiege dann einige Faktoren ab und entscheide ob ich sie anleine oder nicht. An unseren gesagten schlechten Tagen wird sie immer bei Begegnungen angeleint. Auch Jogger oder Radfahrer sind für mich undiskutabel. Ich rufe sie und gut ist. Dabei ist die Devise, Experimente vermeiden!  Gelassenheit mit Joggern und Radfahrer ist ein Thema für sich. Ich habe auch mal Jogger angesprochen, ob es okay, wenn sie noch mal uns vorbei joggen. Manche haben es ignoriert, manchen haben mir den Vogel gezeigt und wieder andere haben freudig mitgemacht!

Bedeutet, einen Hund mit Aggressionen Problemen frei laufen zu lassen ist eine scheiß Arbeit, und zwar jeden verdammten Tag! Es ist nicht einfach mal ableinen und fertig.

Management beim Freilauf

Ich verurteile die Leute nicht, die immer die gleiche Runde laufen oder eine gewisse Gewohnheit haben. Die haben wir auch, doch ich habe mir für Vela ganz bestimmte Orte ausgesucht zum Laufen. Ich bin der Meinung, man muss auch einen gewissen Einsatz bei Problemen zeigen. Unser Lieblingsort ist weit weg vom Schuss, ohne Straße trotzdem mit dem Auto gut zu erreichen, man läuft immer direkt am Wasser und es ist über viele Felder einsehbar. Ein weiterer Pluspunkt ist die Tatsache, dass dort keine Radfahrer oder Jogger sind, es sind tolle Wiesen und nur für Hundemenschen interessant. Ich bin immer darauf bedacht an Orten zu laufen die es überhaupt zulassen, dass ich Vela ableinen kann. Das erforderte viel Recherche, Vorarbeit und Ausspähung im Vorfeld, nach dem Motto. Können wir hier laufen?

Inzwischen haben wir unsere 4-Runden gefunden, wo wir immer ohne Probleme in der Umgebung von 15 km Laufen können. Ich bin mir bewusst, dass es für viele zu viel Arbeit ist und ich habe mir auch in der Vergangenheit viel gemacht, doch es hat sich ausgezahlt. Ich muss Vela nicht an der kurzen Leine führen und sie im Leben einschränken wegen ihrer Probleme.

Nein fassen sie den Hund bitte nicht an!
Das Schild hätte ich über dem Kopf mit Leuchtsignale trägen können und die Leute hätten es trotzdem ignoriert. Der Hund läuft frei, also kann man mit dem alles Erdenkliche machen. MÖP Nein. Oft habe ich böse Kommentare bekommen, das sei ja gemein gefährlich. Ein nicht verträglicher Hund gehört an die Leine. Aber was ist den bitte die Devise von einem verträglichen Hund?? Das er mit allen wild spielt und sich von allerlei Leuten begrabbeln lässt? Scheinbar ist das die vorherrschende Meinung. Vela spielt auch gern, braucht jedoch immer Zeit zum Auftauen das dauert auch mal über mehrere Spaziergänge hinweg.

Die Leute wollen zupfen , streicheln, antatschen und befummeln. Es ist inzwischen so, dass ich den Leuten ganz klar sage NEIN. Auch gerne ein zweites Mal. Velas Rehaugen und ihre zierliche Art geben anderen immer ein einladendes Gefühl. Leider. Oft oder eher gesagt meistens schütze ich nicht die Menschen vor ihr, sondern Sie vor den Menschen. Sie diskutieren, wissen es besser und versuchen es trotzdem. Ein drittes Mal nein gibt es bei mir nicht. Ich gehe inzwischen einfach mit Vela weiter und setze mich nicht weiter dieser Situation aus, auch weil ich sie oft so leid, bin.

Wie Halter ihr das? Fasst ihr freilaufende Hunde öfter an als Hunde an der Leine? Ich bin durchaus voreingenommen, da ich sie einen anderen Hund einfach so anfasse. Ich warte, bis dieser zu mir kommt, dann halte ich meine Hand und schaue was passiert. Die Interaktion geht bei mir immer von Hund aus und nicht von mir.

Fazit
Wie man also sieht, ist es durchaus möglich einen Hund mit gewissen Problemen frei laufen zu lassen. Das geht aber wirklich nur, mit Training, Arbeitsbereitschaft und vor allen Ehrlichkeit was geht und was eben nicht geht. Ich habe immer die Umgebung im Auge, früher war ich dann oft angespannt und auch gerne unsicher. Doch auch das lernt man mit der Zeit und dem richtigen Training. Wenn ich heute in Situationen unsicher bin oder ich mal schwer einschätzen kann wie der andere Hund oder die beteiligte Person reagiert, klickt der Karabiner der Schleppleine und das Thema ist für die Situation durch….

 

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2 Kommentare

  1. Yvo & Kathy sagt

    Ich glaube, wenn mich jemand so dämlich anmachen würde, dann würde ich ihm nur sagen, dass man so unglaublich an Kosten für’s Abendessen sparen kann und ob er sich eventuell freiwillig opfern möchte….

    Hat Vela denn jemals willkürlich „angegriffen“?

    Ich finde es toll, dass ihr miteinander arbeitet und bei einer Freundin sehe ich auch, wie anstrengend das sein kann. Ihre Hundedame hat früher quasi alles angefallen, was nicht schnell genug weg war. Inzwischen beschränkt es sich auf die Tagesform und einfaches ankläffen eines Buses, aber alles andere wird weitest gehend ignoriert. Bis dahin war es aber ein langer Weg.
    Deswegen: HUT AB! Weiter so.

    Zu deiner Frage:
    Ja, ich habe fremde Hunde angefasst.
    Nein, ich mache es nicht mehr.

    Im Normalfall werden sie so lange ignoriert bis sie sich entsprechend bemerkbar machen. Selbst dann wird erst mal geschaut, ob er einfach nur mal gestupst oder geschnüffelt hat, oder wirklich Interesse an mehr ist. Ich sehe es bei Kathy immer wieder – und durfte auch laaaaange lernen. Sie ist super neugierig. Geht auch auf die Menschen zu. Sobald sie aber beachtet wird ist meist rum, außer du hast vielleicht eine halbe Kuh einstecken und auch da gibt es Grenzen. Runterbücken? Und Tschüss. Ausnahme ist, wenn sie die Person kennt.
    Man muss es respektieren, wenn der Hund das nicht möchte. Wir wollen ja auch nicht immer das was andere wollen. Manchmal muss man eben seine Finger bei sich behalten oder eben in die Hocke gehen…..Zudem: Wir können ja auch nicht jeden leiden. ^^

    LG

    • FrauVela sagt

      Hey ihr Lieben,
      Nein. Vela hat früher auch ihre Signale gegeben, doch vor 5 Jahren habe ich selber einfach keine Ahnung gehabt. Daher bin ich inzwischen fast allergisch auf Aussage wie: „Ich bin mit Hunden aufgewachsen ich habe voll die Ahnung. Ein Leben lang Hunde zu haben heißt nicht immer grundsätzlich Ahnung zu haben- habe es ja an mir selber gesehen. Ich dachte früher, auch ich hab Erfahrungen und wurde durch Vela einen Besseren belehrt. und zwar so richtig haha.
      Also wenn wir Hunden begegnen die wir kennen werden die natürlich auch geknuddelt. Ich sitz meist in der Hocke, muss ich grade feststellen, da lässt es sich besser Kuscheln haha.

      Früher haben mich solche Aussage echt getroffen und ich habe mich auch richtig geärgert. Doch leider färbt meine „Laune“ sofort auf Vela ab und sie wird nervös. Wenn ich mal jemanden „die Meinung“ sagte, sagte es Vela gleich mit …

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