Aggressionen Verstehen, All in
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Agressionen Verstehen – Generalisierung und Konditionierung – warum man sofort handeln sollte

Wir erziehen unsere Hunde … Von wegen. Unsere Hunde sind super darin und zu erziehen. Sogar so, dass wir es meist gar nicht mitbekommen. Oft macht uns eine andere Person aufmerksam darauf. Bestes Beispiel sind natürlich frau Vela und ich. Hilfe wie mich mein Hund erzieht. Vor allen wenn ich am PC sitze. Das findet frau Vela nur solange gut bis sie ausgeschlafen hat, dann werde ich permanent am Bein gestupst solang bis sie Aufmerksamkeit bekommt. Also Stupsen bringt ihr gewünschtes Verhalten und schon hat mich mein Hund erzogen. Wie ich da ausbreche? Was bei uns geholfen hat? Ich beachte sie nicht, irgendwann verlor sie die Lust. Ich muss sagen, dies war echt hart, denn nach dem stupsen kam das Kratzen. Wow dieses verhalten hat mein Hund mir echt gut antrainiert!

Was hat das mit Aggressionen zu tun?

Auch Aggressionen lassen sich durch so ein verhalten unsererseits dem Hund antrainieren. Traurig aber wahr. Hunde lernen Aggressionen, da viele mit Aggressionen beim Hund überfordert sind und nicht gleich wissen was sie tun müssen. Dabei ist abwarten, wohl das schlimmste, was man tun kann. Bis der Hund einmal zubeißt, sind dem schon viele Situationen vorausgegangen und es wird immer schwerer für den Hund und den Halter damit zu arbeiten- da bei einem Biss wie so oft, dass Kind in den Brunnen gefallen ist – nun müssen wir es mühsam rausziehen. Hat der Hund also genug Zeit dieses Verhalten zu trainieren und zu manifestieren, ist es schwer wieder zu ändern, denn warum sollte der Hund etwas ändern, was funktioniert?

In unserem Fall habe ich anfangs nicht verstanden, was ich dann tun sollte, ich war echt überfordert. Frau Vela hat die Leute angebellt, wie wild je näher sie kamen desto schlimmer wurde es. Was habe ich anfangs gemacht? Genau. Wie viele Meinen Hund gemaßregelt. Was jedoch falsch war und das Vertrauen kaputtgemacht hat. Denn es gab ja einen Grund, warum sie bellt. Hunde vermeiden den Kampf und ziehen in der Regel die Flucht vor, doch frau Vela war an der Leine also was tun? Genau bellen, bellen, bellen Verteidigungsverhalten [genaueres dazu im Artikel aktives und passives Verteidigungsverhalten].

Jeder Hund hat eine Individualdistanz, die er braucht, egal ob zu Menschen oder bei uns auch zu einer schwedische Möbelkettentaschen, je nach dem wo, was oder vor wem er sich fürchtet. Viele Hunde lassen sich wild durch kuscheln und rennen über die Tüte. Frau Vela braucht etwa 3 bis 4 Meter zu anderen Menschen Abstand und geht nur widerwillig in die näher dieser raschelnden Tüte. Kommen Menschen näher, ist ihre Stressschwelle überschritten und sie bellt. Wenn ich heute Leuten begegne und frau Vela fixiert sie schon auf Distanz und sie wird immer nervöser, wenn diese näher kommen, laufe ich mit ihr einfach einen kleinen bogen. Das mögen Hunde, denn diese laufen selten aus „positiven“ gründen grade aus auf einander zu. Daher habe ich angefangen einen Bogen zu laufen am Anfang etwa 15 Meter, auch wenn wir dann quer, durch den Wald über Bäume und Co. Mussten, egal. Dann waren es irgendwann 10 Meter und nach und nach konnte ich wieder halbwegs normal mit ihr an anderen vorbei laufen.

Auch heute, nach 2 Jahren laufe ich immer einen Bogen von 1 bis 2 Meter um die Menschen herum. Natürlich geht das nicht immer, im Wohngebiet oder auf dem Weg zum Auto kann ich schlecht immer mitten auf der Straße laufen. Dann versuchte ich einfach, so schnell wie möglich dran vorbei zu kommen, um die Zeit vom Stress möglichst gering zu halten. Dabei maßregel ich sie nicht, sondern schenke diesem verhalten – das bellen- keine Beachtung.

Im Nachhinein und auch jetzt ist es ein Haufen Arbeit, was ich hätte viel früher machen sollen. Frau Vela ist eine sehr sensible und zarte Hündin daher sind viele Ängste auf ihr Wesen und Erfahrungen im Ausland zurückzuführen doch einiges müssen wir ihr heute noch beibringen. Doch es ist nun mal so und heute sind wir dankbar, das Frauchen endlich mehr weiß.

Generalisierungen vermeiden!

Von der Generalisierung spricht man, wenn der Hund ein Problem anfängt zu verallgemeinern. Zum Beispiel hat der Hund Angst, vor einem bestimmten Mann mit einem Hut, weil dieser zum Beispiel den Hund angeschrien hat. Wiederholt sich dies, hat der Hund irgendwann vor allen Männern mit Hut angst und im weiteren Verlauf vor Männern allgemein und irgendwann vor allen Menschen. Ist es erst mal zu einer Generalisierung gekommen, also zu einer allgemeinen Angst, ist es schwer herauszufinden, was der Ursprung der Angst des Hundes wahr. Nun ist es umso schwerer zu arbeiten, da man erst mal ergründen muss, was der Auslöser war. Bei einer fortgeschrittenen Generalisierung ist das schlichtweg nicht möglich, man muss direkt beim Verhalten des Hundes ansetzten.

Konditionierungen & Aggressionen

Iwan petrowitsch Pawlow ist der Mann, der die Konditionierung beim Hund erforscht hat, welche Reaktionen es durch Kopplung gibt und ob man unbewusst programmierten Reaktionen beim Hund ändern kann. Er beobachtete den starken Speichelfluss seines Hundes, wenn dieser das Fleisch riecht und sieht. Der Anblick brachte ihn also sprichwörtlich zum Sabbern. Während der Hund also das Fleisch sah, klingelte Pawlow wiederholt eine Glocke. Nach einiger Zeit verknüpfte sein Hund die Klingel mit Fleisch und sofort fing er an zu sabbern. Von nun an brauchte er nur die Klingel um den Speichelfluss seines Hundes zu „aktivieren“. Dieses Phänomen bezeichnete Pawlow als Konditionierung. Mit dieser Art Umlenkung auf eine Reaktion wird heute oft gearbeitet, um Hunden ein anderes oder besseres verhalten zu zeigen.

Klassische Konditionierung im Hundealltag

Ich habe so viele Beispiele für eine klassische Konditionierung bei frau Vela, zum Beispiel, wenn ich Haarspray sprühe. Dies ist immer das Letzte, was ich tue, bevor ich mit ihr spazieren gehe oder das Haus verlasse. Sie koppelt also das Haarspray mit einem Spaziergang oder mit der Tatsache das ich gehe – da man gewisse Dinge regelmäßig macht, festigt sich dieses verhalten. Sprühe ich nun Haarspray läuft, Vela erstmals durch die Wohnung und schaut was Sache ist, da sie weiß das etwas passiert.

Auch bei Aggressionen kann Konditionierung stattfinden, gutes Beispiel bei uns ist die Leine. Vela läuft immer frei bei mir, solange bis wir anderen Begegnen. Dann wird sie ohne große Aufmerksamkeit angeleint, trotz Leckerchen hat sie verknüpft, dass wenn ich sie an die Leine nehme Menschen oder Autos kommen – also stress bedeutet. Wenn ich sie anleine aus anderen Gründen z.B das sie ins Auto einsteigt, wird sie nervös und schaut sich wild um. Sie verknüpfte das Anleinen mit Begegnungen von Menschen. Diesem Umstand konnten wir ihr abgewöhnen, indem ich sie immer wieder während eines Spazierganges anleine und nach 50 Meter wieder alleine und dies immer und immer wieder um die Kopplung langsam wieder zu lösen. Doch bis heute schaut sich Vela erst mal um, wenn ich sie anleine- also weitermachen, bis es endgültig geschafft ist.

Operante Konditionierung

Eine weitere Form ist die operante Konditionierung in der Regel gehorchen Hunden dieser, wenn diese nicht im Widerspruch zu Lernfähigkeiten steht. Hier ist das Beispiel vom Anfang super. Frau Vela stupst mich am Bein, weil sie gestreichelt werden will – ich streichel sie – das Stupsen war erfolgreich. Ebenso auch andersrum ich möchte das frau Vela „Pfötchen“ gibt – sie gibt es – sie bekommt ein Leckerchen.

Man unterscheidet hier 4 Ereignisse: anhand vom Beispiel des streicheln.

Hinweis – verhalten auf etwas wird vom Wunsch gelenkt, Zugang zu verstärkter und zu positiven zu erlangen, also ist die Devise im Umgang mit aggressiven Hunden Nr. 1 & 2.

Ein Hund lernt besser, schneller und lieber durch positive Verstärkung > Leckerchen geben und negative Einwirkung > kein Leckerchen geben.

  1. ein als angenehm empfundener reiz- (das Streicheln) tritt ein – das verhalten (das Stupsen) wird häufiger.
  2. ein als angenehm empfundener Reiz (das Streicheln) hört auf – das  verhalten (das Stupsen) wird seltener.
  3. ein unangenehmer Reiz (zum Beispiel diese merkwürdigen Flaschen mit Gegenständen drinnen, die leider viele haben) tritt ein – das verhalten (das Stupsen) wird seltener.
  4. ein unangenehmer Reiz  (zum Beispiel kein rascheln) verwindet – das verhalten (das Stupsen) wird häufiger.

Ein kleiner Link zu Nr. 3. Negative Einwirkung durch den Menschen bei Aggressionen kann sehr schnell zu Generalisierung werden. Vor allen ein bekannter Hundetrainer im tv sagte mal, es ist super mit Flaschen zu arbeiten wo Nägel oder schrauben drinnen sind. Das würde ja so schön klappern. Zeigt der Hund also ein verhalten, was der Mensch nicht gut findet, zückt der Mensch die Flasche und erschreckt den Hund mit kurzzeitigen Schütteln. Als dies ausgestrahlt wurde, begann die Welle des Leidens … Den eins ist klar, das kann man definitiv nicht bei allen Hunden anwenden und sollte meiner Meinung nach nur in härte fällen oder nie angewendet werden.

Dies kann schlimme Konsequenzen haben!! Leider musste ich diese Erfahrungen mit anderen Haltern bereits machen –  folgende Fälle sind passiert:

Ein Hund hatte so viel Angst irgendwann vor der Flasche, dass er den Raum wo die Flasche hauptsächlich benutzt wurde, nicht mehr betreten hat und vor stress unsauber wurde und in die ganze Wohnung urinierte vor Angst.


Ein Hund hat angefangen, alles was auf dem Tisch stand, runter zu reißen und zu zerstören, weil die vermeidliche Flasche dort immer stand.


Ein Hund, bei dem die Flasche eingesetzt wurde, riss sie dem Besitzer aus der Hand und verschluckte einige Nägel.


Ein Hund Biss in der Stadt einen Menschen, weil dieser eine Wasserflasche in der Hand hatte.

Der letzte Punkt ist der Beginn einer Generalisierung, erst hat der Hund Angst vor dieser einen Flasche, dann vor anderen Flaschen und schließlich vor anderen Flaschen in Verbindung mit einem Menschen ….

Leider könnte ich ewig so weiter machen ….

Negative Verstärkung auf diese Art ist in meinen Augen nicht nur falsch sonder bescheuert und führt so gut wie immer zur Generalisierung. Außerdem bin ich der Meinung, wird der instabile Hund nur eine angst entwickeln, das Verhalten nicht mehr zu zeigen weswegen die Flasche oder Ähnliches zum Einsatz kommt. Also ersetzt man ein schlechtes Verhalten durch eine Panik oder ein anderes Problem. Daher sollten derartige „Tipps“ und Weisheiten nicht ausgestrahlt werden, weil viele Menschen egal was für einen Hund sie haben, ob jetzt aggressiv, stabil oder instabil diese anwenden mit verehrenden folgen.

Jedoch wieder zurück zu operanten Konditionierung ….

So kann der Hund, dieses Verhalten auch bei Aggressionen anwenden:

Ich möchte wie in jedem Artikel darauf hinweisen, dass dies vor allen uns geholfen hat, denkt also dran, jeder Hund ist anders.

Ein Mensch nähert sich Vela- sie knurrt – der Mensch bleibt stehen – sie hat erfolg.

So lernte sie, dass knurren ein positives Ereignis nach sich zieht und daher immer wieder anwenden wird. Kommt der Mensch trotzdem näher, gibt es 2 Möglichkeiten der Hund greif an oder er flüchtet, wenn es die Möglichkeit gibt. Vela hat bereits einmal eine sehr aufdringliche Frau gebissen … Danach hat sich in ihrem Kopf verankert- das dieses Verhalten- das Beißen- viel schneller zum gewünschten Erfolg führt als knurren …

Uns hat hier Folgendes geholfen – es wurde mit Kompassen gearbeitet, also Freunden und Bekannten von uns. Was gemacht wurde? Sie näherten sich Vela – sie knurrte – sie gingen weiter, statt stehen zu bleiben. Innerlich stab ich 100 Tode in dieser Situation, dabei trug sie natürlich einen Korb. Doch nur durch kontrollierte Situationen hat sie verstanden, dass dieses Verhalten nichts bringt und die Menschen trotzdem kommen. Diese Situation konnten wir jedoch nur hervorrufen, als sicher war, dass sie nicht noch einen Schritt weiter geht, also die Leute anfällt. Das wäre ein starker Rückschritt so hätten wir ihr gezeigt, wie es noch besser geht – also noch mal das war speziell für frau Vela in der Hundeschule geplant. Sie lernte, dass knurren oder gar bellen die Leute nicht verschreckt und das dieses Verhalten keine positiven Auswirkungen für sie hat (das die Leute weggehen). Nun kam ich ins Spiel, ich musste lernen sie umzulenken und sich mir zu widmen und mir zu vertrauen. Ich musste lernen ihr zu zeigen, keine Angst zu haben und das ich das schon für sie Regel- hier war Timing extrem wichtig, da ich natürlich eingreifen musste, bevor sie sich aufregt. Knurrte sie nicht mehr und widmete sich mir, wurde sie belohnt – durch richtiges Timing. Das haben wir in einer Stunde nur 2-mal wiederholt, da es sonst einfach zu stressig und nervenaufreibend ist, für alle beteiligten. Doch das Training lebt von Wiederholungen und somit waren wir dran dieses Training zu wiederholen. Nach und nach begriff sie nun, dass sie sich gar nicht aufregen muss. Stattdessen schaut sie mich fragend an und so sollte es auch sein. Der Hund sollte mit den Augen fragen, was jetzt Sache ist. Natürlich bellt sie trotzdem immer mal wieder und in gewissen Situation muss und darf sie sich auch verteidigen, wenn Hunde zu aufdringlich sind oder sie die Nase voll an. Ist es ihr dann trotzdem zu viel, kommt sie zu mir und ich helfe ihr.

Wie in allen Artikel über Aggressione,n ist jeder Hund anderes und bei jedem gibt es andere und bei wieder anderen ähnliche bis hin zu gleichen Lösungswegen. Die Grundsubstanz der Aggressionen unterscheiden sich nicht, da alle Hunde nun mal Hunde sind. Jedoch muss man mit jedem Hund-Mensch Team anderes arbeiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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