Aggressionen Verstehen, All in
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Aggressionen Verstehen – Der Beginn – Die 5 Phasen

Aggressionen. Um Aggressionen verstehen zu können, muss man wissen, was Aggressionen überhaupt sind. Aggressionen hat jeder & sind keine Krankheit. Sie können von Krankheit und Schmerz ausgelöst werden. Sie sind positiver als man glaubt und sogar Konfliktlösend. Es gibt eine Vielzahl von Aggressionen, sowie Passives und Aktives verhalten – aber mal von vorne.

Der Duden beschreibt dieses Wort wie folgt: In Affekt ausgelöster angriff oder als angriffsbereite Stimmung„. Wenn wir eins von unseren Hunden wissen, dann dass Aggressionen nicht einfach aus dem Affekt entstehen. In der heutigen Zeit meint man das nur gerne, weil man vergessen oder nicht gelernt hat, die Sprache der Hunde zu Sprechen.

Entsteht ein „Verhalten“ zwischen 2 Hunden, haben wir schon mindestens die Hälfte verpasst, bevor es überhaupt losgeht. Wir nehmen unsere Hunde, dort viel zu wenig war. Ein Kopfwegdrehen, Ohrenstellung und vieles mehr trägt zu einer Eskalation oder auch zur Lösung bei. Wir bemerken die Situation meist erst, wenn die Schlacht schon halb vorbei ist. Beschwichtigung und Drohverhalten geht einem Angriff oft voraus. Wenn dieser überhaupt folgt. Denn Aggressionen sind nicht rein Negativ, sondern können auch konfliktlösend zwischen 2 Individuen sein.

Tierverhaltensforscher beschreiben Aggressionen als ein artspezifisches droh- oder angriffsverhalten, mit dem das Tier auf einen bestimmten Reiz reagiert.

Doch was wird für den Hund als Reiz wahrgenommen? Das kommt immer auf den Hund an. Dies können Bewegungen oder Situationen sein, Gegenstände oder Ziele. Den jeder Hund hat andere Ziele & Begierden.  Ressourcenverteidigung, Territorialverhalten, Angst und Furcht und vieles mehr.

Als ich bei Vela feststellen musste, dass sie Züge von Aggressionen an den Tag legt, die vor allen aus Misstrauen entstanden sind. Begann eine traurige aber auch spannende Reise für uns. Denn das ist ein Thema, was man nicht von jetzt auf gleich lösen kann. Zuerst musste ich als Halter, verstehen, verinnerlichen und lernen welche Bedürfnisse und Ziele Vela hat um mir ihr zu Arbeiten. Mir war nicht klar das ich mit der erkennt  – wir müssen etwas tun – schon ein Schema runtergespült hatte, welches bereits in Büchern beschrieben wird.

James o`heare schreibt in seinem Buch, dass man wie bei der Trauerbewältigung verschieden Phasen durchläuft, um zu akzeptieren, dass der eigene Hund ein Problem hat. Ich habe es wirklich erst mal infrage gestellt, weil ich es doch von weit hergeholt empfand … So ein Thema als Phasen? Hä? Doch ziemlich schnell wurde mir klar, dies ist alles, aber kein Quatsch.

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Phase 1 Realitätsverweigerung

Bei keinem anderen Verhalten unseres Hundes, denken wir so irrational wie bei Aggressionen. Man verweigert die Realität, da es einem einfach unangenehm ist, festzustellen, dass der eigene Hund wohl möglich ein ernsthaftes Problem hat. Man beschönigt das Problem, spielt es herunter oder erfindet ausreden. Den ja, es kann sein, dass der Hund einem früheren zuhause schlimme Erfahrungen gemacht hat, dies sollte aber keine Ausrede sein. Den dem Problem müssen wir uns jetzt stellen. Wenn man dies ernsthaft erkennt, wird man schnell und gerne sauer.

Phase 2 Wut

In dieser Phase reagieren wir schnell gereizt vor allen, wenn uns jemand auf das Problem anspricht. Man hat vielleicht selber erst grade erkannt, dass etwas nicht stimmt, und wird  oft unfreundlich darauf hingewiesen. Man fühlt sich zunehmend unter Druck gesetzt. Einer der wichtigsten Aspekte in dieser Phase ist ruhig bleiben dies ändert zwar leider nicht an der Tatsache, dass der Hund auf etwas mit knurren oder Abwehrschnappen oder schlimmer reagiert. Doch man muss seine eigenen Gefühle im 1. Moment versuchen zu verstecken, wenn sie negativ für unsere Hunde sind. Diese Wut darf sich natürlich niemals gegen den eigenen Hund richtig. Zunehmende Wut lassen Besitzer gerne am Hund aus. Man reist an der Leine, zieht am Halsband, der Laufradius des Hundes wird auf das Minimalste beschränkt oder man brüllt den Hund an. Alles Dinge, die die Situation nur wesentlich schlimmer machen. Druck erzeugt Gegendruck!!

Auch wenn es schwerfällt tief durchatmen ruhig bleiben und wichtig nicht stehen bleiben! Weiter geht’s.

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Phase 3 Feilschen

Verhaltensberater meinen, dies ist einer der schwierigsten Phasen, für uns Menschen. Wir feilschen am Problem herum und möchten für maximalen Erfolg so wenig wie möglich machen. Denn das muss ja reichen, ist ja schließlich nicht so schlimm alles. Hier Achtung!! Wenn man so denkt, rutscht man leicht wieder in die Realitätsverweigerung rein. Viele versuchen, dass Training klein zu halten, um das Problem zu lösen, aus Charme oder Peinlichkeit. Doch es nichts peinlich daran, im Gegenteil. Ich bin so froh, dass diese Hunde an dies Besitzer geraten sind. Die sich darum kümmern und den Hund nicht ins nächste Tierheim abschieben. Doch wenn es um ein notwendiges Training geht, gibt es kein feilschen oder nur ein bisschen Training. Ganz und vollkommen. Sind die Zauberwörter. Man muss es ernsthaft akzeptieren und sich damit auseinandersetzen.

Phase 4 Depressionen und Schuldgefühle

Was können wir Menschen am besten? Genau uns selber die Schuld geben, wir würden nie auf die Idee kommen zu sagen. „Da ist mein Hund jetzt schuld denn eins ist klar. Wir Menschen sind nett gesagt immer schuld. Doch wir sind auch, die die es ändern können!! Damit halten wir die Lösung in unseren Händen und an der Leine. Wir richten unsere Gefühle sonst gegen uns, selbst da der Selbstschutzmechanismus oft ausgeschöpft ist. Allen Lebewesen dient Aggression zu einem bestimmten Zweck! Der Hacken, der Hund setzt dabei nicht den Verstand ein, wie wir Menschen. Er versteht nicht das dieses Verhalten uns z. B. Die Mietwohnung oder ihm selbst das Leben kosten könnte. Diese Art der Gefühle darf man nicht verdrängen. Jeder hat Aggressionen, jeder! Und das ist nichts Negatives. Es ist ein Schutz, ein verhalten.

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Phase 5 Akzeptanz

Hier ist man innerlich nun fast angekommen in seiner eignen Gefühlswelt. Man weiß nicht nur, dass der Hund ein Problem hat, man beginnt es zu auch akzeptieren. Die Situation mit dem eigenen Hund wird nicht sofort besser. Ganz klar. Aber man beginnt ernsthaft zu arbeiten und kann gegenüber anderen Hundebesitzern konsequenter und klarer handeln. Hier muss man jedoch wirklich ehrlich zu sich selber sein. Es bringt nichts, wenn wir einfach nur sagen ich habe es akzeptiert und eigentlich lügen wir uns nur selber damit an. So hat keiner gewonnen, im Gegenteil. Setzt euch aktiv damit auseinander, das ist der einzige Schritt zu Besserung. Was besonders schön in dieser Phase ist, jetzt kann man die deppen die es besser meinen langsam hinter sich lassen …:)

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Unsere persönlichen 5 Phasen

Bei Vela und mir hat das ganze Durchleben der Phasen fast ein Jahr gedauert. Man kann diese Zeit nicht beeinflussen. Sie laufen nicht nach einem bestimmten Schema ab oder Zeitplan. Wir haben alle Höhen und diesen dieser Phasen intensiv erlebt und es war sowohl gut als auch schrecklich, viele Erfahrungen zu machen. Meine Realitätsverweigerung war doch sehr lang, weil ich mir einfach nicht bewusst war, wie tief das Problem bei frau Vela sitzt. Ihre Rehaugen, die zierliche Statur und ihr Charakter zuhause, haben mich sehr dazu verleitet, dieses Problem zu beschönigen und einfach nicht hinzuschauen. Oft sind wir am Anfang allen aus dem Weg gegangen, um in keinen Konflikt zu kommen. Da wir als Hund Mensch Team auch einfach überfordert waren. Viele Leute meinten dann, uns Tipps und Ratschläge zu geben. Da hatte ich die 2 Phasen erreicht. Aber so richtig!! Ich war stinksauer auf die Menschen, die meinten immer ihre Meinungen zu dem Thema zu haben. Alle wussten es besser und jeder hatte die ultimativer zu 100 % funktionierender Lösung. Schrecklich. Ich kann gut behaupten, dass wir Phase 3 fast übersprungen haben. Ich habe nie gefeilscht im Gegenteil. Als ich das Problem erkannte war ich Feuer und Flamme mit dem Training zu beginnen, um es sofort anzupacken. Doch so schnell wie das hochkam, folgte das tief mit Phase 4.

War ich daran schuld? Klar Vela hatte eine schreckliche Vergangenheit, aber habe ich als neue Besitzerin noch mehr dazu beitragen, dass sie nun so ist, wie sie ist? Warum habe ich es nicht früher gesehen? Bin ich keine gute Hundemama? Das sind nur  3 von 1000 fragen, die ich mir immer und immer wieder gestellt habe. Ich habe mich wirklich geschämt, dass Frauchen meines Hundes zu sein und fing fast an, sie nach allen Regeln der Kunst zu bemitleiden. Ich war froh, dass meine bessere Hälfte da war, um mich wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen und mich auch wieder aufzubauen. Doch nach so vielen tiefen kam ich an den Punkt, dass es total egal war. Wir leben im hier uns jetzt. Nur jetzt habe ich Chance, dass wir beide als Hund Mensch Team Funktionen können und müssen, wenn wir eine noch schönere Zukunft haben möchten. Ich habe unser Problem somit erkannt und habe dann unglaubliche Fortschritte gemacht. Es gab immer mal einen Schritt zurück auch 2 auch 3 doch dann wieder welche vor. Auch hier gibt es kein Zeitplan. Ich wollte natürlich, dass alles sofort fruchtet bei mir und bei meinem Hund – doch die Zeit arbeitet immer mit uns beim Thema Aggression.

 

 

Wir sind und bewusst, dass Vela immer wirklich immer mal wieder zünden kann, doch wenn ich das weiß … kann ich reagieren und mit ihr weiter Arbeiten. Diese Tatsache nimmt mir sehr viel Stress. Es geht nicht darum, dass „Problem“ zu ersticken oder zu unterdrücken (das würde schief gehen). Denn Aggressionen sind keine Krankheit.

 

 

 

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7 Kommentare

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  3. Sandra sagt

    Wir oder viel mehr ich nähere mich langsam der 5
    Habt ihr das komplett alleine geschafft oder mit einem Trainer ?
    Ich würde mich doch sehr gerne in professionelle Hände begeben, das ist leider nur so garnicht drin laut Geldbeutel.
    Von daher falle ich doch ganz oft zurück in Phase 3, beschönige das ganze um eben um dieses Problem des mangelnden Geldes zu umgehen.
    Hinzu kommt das alle, die sie gut kennen auch mit meinem das ich es übertreibe und dieser Hund nicht aggressiv ist. Für mich ist sie es ganz klar. Aber sich wirklich Hilfe zu holen ist dann wohl Phase 6 😀

    • FrauVela sagt

      Liebe Sandra, es zu erkennen wo man steht ist schon der erste Schritt 🙂 Ich habe es quasi mit einem halben Trainer geschafft. Mit Frau Vela habe ich paralell zu meiner Trainerausbildung gearbeitet und konnte das erlernte auf meinen Hund Positiv übertragen. Ich Persönlich kann dir von James Oheare das Buch „Aggressionsverhalten des Hundes“ empfehlen. Er beschreibt noch genauer die 5 Phasen und zeigt viele gute möglichkeiten, damit umzugehen. Ich persönlich finde es unglaublich gut. Da es quasi von mensch zu Mensch geschrieben ist und nicht von oben herab. Beim Thema aggressionen habe ich selber schnell gelernt, dass man nicht auf andere hören sollte. Denn DU lebst mit deinem Hund zusammen und nicht die anderen 🙂

  4. Das hast du schön beschrieben. Ich fühle mich ein bisschen ertappt, denn diese Phasen kennen alle, deren Hund schon mal Aggressionsverhalten gezeigt hat. Danke für deinen Blogbeitrag!

  5. Ganz toller Artikel! Wir sind gerade bei Phase 5 angekommen. Ich habe meine Probleme mit Charly akzeptiert und wir arbeiten jetzt gemeinsam mit einer Hundetrainerin daran.

    Euch wünschen wir, dass es bald besser wird! Ihr packt das …

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

    • FrauVela sagt

      Liebe Sonja Lieber Charly,
      es freut mich das euch der Artikel gefällt!! und freue mich wenn Ihr auch weite davon lest. ABER noch mehr freut es mich das es esimmernoch Menschen wie euch gibt <3 die den Hund dann nicht abgeben sondern damit arbeiten. <3

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