Aggressionen Verstehen, All in
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Canis Symposia – Erfahrungsbericht Teil 1

Gute 2 Wochen ist das Canis Symposia nun her. Die vielen Eindrücke haben sich gesetzt und das Wochenende ist gut verdaut worden. Ich habe viele neue tolle Menschen kennengelernt, viel gelernt und vieles an Wissen wurde neu aufgefrischt oder hat mich als Trainerin in meinen Weg bestätigt.

Heute berichte ich euch von diesem lehrreichen Wochenende und das in unterschiedlichen Formen. Beginn war Freitagmittag um 13 Uhr. Da ich vorher noch Bilder machen wollte, mich umsehen, mit dem Veranstalter einen Plausch halten – also typsicher Blogger Kramm, habe ich mich bereits um 11 Uhr auf den Weg gemacht, dazu sei gesagt von Sofa bis zur Veranstaltung hatte ich 20 Minuten vor mir. Leicht schockiert war ich, als ich auf den Parkplatz fuhr und schon eine Schaar an Frauen dort standen. Mein erster Gedanke – Ach du Scheiße.

Doch die Türen öffnetet sich und nachdem der Ansturm gelegt war, hatte auch ich Zeit, alles auf mich wirken zu lassen. Steffen der Veranstalter und selber Hundetrainer hatte man schnell erkannt, er wuselte sympathisch durch die Maßen. Einer der wenigen die in Real life so nett wie am Telefon waren, ein charmanter Gastgeber – für eine Vielzahl der Frauen auf dem Symposium.

Es gab eine happen zu Essen und einen Sekt – na so lass ich mir den Freitagmittag doch schmecken. Der Kosmosverlag und ein Stand von Chic & Scharf waren auch vor Ort.

Ich durfte mich und meine Sachen am Refferententisch Parken und einige waren auch bereits da, die Stimmung war klasse und wir stiegen gleich in typischen Hundethemen zum Diskutieren ein. Toll dabei – auch mal unterschiedliche Meinung zu hören – hier behaarte keiner auf seine Meinung. Jeder genoss die neuen Blickwinkel und Sichtweisen. Das stellte ich auch an den anderen Tagen immer wieder fest.Weitere Eindrückte dazu findet ihr übrigens auch auf meinem neuen Insta Account in den Story Highlights Hier schon eine kleine Vorschau der Videos in Bildern. Der Winkende Mann in der Mitte ist übrigens Steffen.

Pünktlich um 14 Uhr ging es los mit einem Vortrag von Gerd Schuster

Er filmt und beobachten in vorwiegend Osteuropäischen Ländern Straßenhunde und zeigt seine Sicht der Dinge mit persönlichen Erlebnissen der letzten 20 Jahre. Das gesetzt der Straße ist ihm persönlich bestens bekannt. Da auch er bereits in jungen Jahren getrennt von seiner Familie im Heim aufwuchs und irgendwann die Flucht ergriff. Seine persönliche Geschichte erzählte er auch im Vortrag, und wie ihm dieses Leben half mit Mensch und Tier zu Arbeiten, die Verbindung die er beschreiben wollte, war gut gedacht aber schlecht präsentiert. Der Saal hatte ein großes „?“ Im Gesicht. Als er leicht spöttisch über seine Eltern sprach. Dabei ist die Verbindung der Geschichte verloren gegangen und man hat sich gefragt.. was redet er da eigentlich?

Als es dann wieder mehr um seine Arbeit ging, war die erschreckende oder auch irgendwie erleichternde Kernaussage – Hey Leute, so schlecht geht es den Hunden dort nicht. Wir sahen zahlreiche Videos und er berichtete über Geschichten, wo grade durch das Eingreifen des Menschen die Situation verschlimmert wurde. Welpen die gut ernährt und gesund wild gelebt haben wurden der Mutter in ihrer Abwesenheit weggenommen und sie selbst zurückgelassen. Denn den „armen“ kleinen muss ja helfen…. diese Welpen wurde später Abgemagert in einem Tierheim gefunden und kuriose Facebook posts mit genau dieses Welpen mit der Überschrift „wir haben sie vor dem Tod bewahrt“ veröffentlicht.

Reviere mit klaren Strukturen die durch das Einfangen der Hunde neu verteidigt werden mussten, wodurch die schlimmsten Hundekämpfe entstanden. Das sensible Gleichgewicht der Straße wurde und wird immer wieder zerrüttet durch falsches eingreifen.

Persönlich denke ich, dieser Job den der macht und den Standpunkt den er vertritt, ist ein harter Weg. Denn klare Aussagen wie. Warum holen wir Hunde aus dem Ausland? Unsere Tierheime quillen über“ versteht nicht jeder und ist ein hartes Pflaster. Denn in Deutschland ist ja alles besser! Aber ist es das wirklich so? Zu diesem Thema mehr im Teil 2.

Oft sprach er den Satz:

Mir wird unterstellt, dass……. aber…..

Daher waren im Beitrag auch einige Worte der Rechtfertigung, welche er gar nicht nötig hatte.

Was mich beeindruckt hat, waren ehrliche, realistische Einschätzungen zu Situationen, die die Hunde dort zu Problemhunden machen. Denn es ist nicht der Hund immer an sich, sondern die Meinung, Unwissenheit und falsche einschätzen der Menschen, die solche Hunde zum „Problem“ machen. Natürlich gibt es Ausnahmen und es heißt nicht „lasst alle Hunde da“.

Verletzte, kranke und traumatisierte Tiere die Hilfe brauchen sollte diese auch bekommen. Auch Gerd hat einige von diesen Hunden mitgenommen und Sie leben auf seinem Grundstück.

Einer der besten Sätze an diesem Tag:

Hunde und ihre Bedürfnisse muss man erkennen, respektieren und ihnen diese Bedürfnisse lassen, aber wir meinen, es ja immer besser zu wissen.

Viele Hunde begleitet er seit Jahren auf der Straße, sie leben am gleichen Punkt und Jahr für Jahr trifft er sie wieder. Etwas Bedauern lag fast in seiner Stimme, als er darüber sprach, das die Hunde ihn erkennen würden und freundlich auf ihn zukommen. Wenn Sie ihn erkennen, sind sie an der Vielzahl der Kameras und an Gerd interessiert so kann er das natürliche Straßen- und wildverhalten nicht mehr richtig Filmen.

Besonderes ergriffen war es davon, dass er viele Hunde die er eben bereits seit Jahren glücklich auf der Straße und an Wäldern beobachten im Tierheim enden und dort auf engsten Raum, und unter schrecklichsten bedingungen gehalten werden und bitterlich eingehen. Hier ist das Wort „gerettet“ definitiv fehl am Platz.

Dieses Bild war unscheinbar, aber eindeutig und zeigte, wie leicht wir uns täuschen und hinreißen lassen.

Erkennt man den Betrunkenden im Hintergrund? Wer ist hier nun in einer Notlage?

Dazu zeige er viele Bilder von Hunden auf der Straße lebend und Hund die „gerettet“ worden sind – also ein Vorher/Nachher vergleich, erschreckend. Die andere Seite ist also nicht immer so toll, wie wir immer gedacht haben….

Michael war um 15.30 Uhr Mit seinem Vortrag Aggressionen und Körpersprache am Start. Sein Vortrag war klar definiert. Er brennt für seinen Aussagen und schweifte nie ab. Es ging viel um die Funktionskreise im Ethogramm* eines Wolfes und das Thema Ausdrucksverhalten. Bei dem Wort muss ich immer an das berühmte rote Buch von Dr. Feddersen und Petersen denken. Ein krasses Buch, welches man nicht einfach mal so Abends liest.
Etwas Angst hatte ich, so ein komplexes Thema in einen Vortrag verständlich und klar zu definieren ist nicht einfach, doch er hat es gut an den ganzen Saal gebracht.

Ein Ethogramm ist eine, wenn möglich, genaue und detaillierte Aufstellung und Beschreibung unter natürlichen Lebensbedingungen beobachteten Verhaltensweisen. Also die Arbeiten zum Verhalten eines Hundes basiert auf dem Ethogramm des Wolfes.

Klare Aussagen wie  – Aggressionen gehören zur Kommunikation und zum Sozialverhalten. Er zeigte, was die Domestikation des Wolfes am Haushund bewirkt hat und wie er dabei kommuniziert. Tolle direkte Vergleiche.

Auch Themen wie Sozio Negativ und Sozio Positiv wurden angesprochen und die Entwicklung vom agonistischem Verhalten.

Aggressionen?

Wann sind es Aggressionen und wann Jagtverhalten? Wo wir wieder beim Thema Funktionsanalyse sind. Er brachte dazu ein Video mit.

Die Situation, die nach außen gezeigt wurde war wie folgt –

Ein Mann mit einem Schwarzen Dobermann mit Maulkorb – lasst das Bild einfach mal wirken.

Seine Frau mit Kind auf dem Arm nähert sich, der Hund wurde ungehalten, schnappe in die Luft und zog an der Leine in Richtung des Kindes. In Hintergrund die Stimme von Michael: „Würden Sie ihr Kind nun einmal runterlassen?“ Die Mutter schüttelte sofort mit dem Kopf und ging wieder einige Schritte zurück – was den Hund nicht beruhigte, im Gegenteil.

Was denkt man nun? Viele würden nun sagen, ja klar der Hund ist aggressiv, alleine schon wegen der aktuellen Vorkommnisse in Deutschland. Dann klärte Michael die Situation auf.

Der Rüde kam jung in die Familie, ungefähr zu Zeit der Geburt des Kindes. Beim Spielen hat das Paar ihr Kind immer wieder in die Luft geworfen und liebevoll aufgefangen. Dabei stand der Hund immer um das Paar herum und sprang mit, was für das Paar wie harmlosen „Mitspielen“ aussah, war „antrainiertes“ Jagtverhalten. Die Beute indem Fall das Kind wurden hochgeworfen und nie hat der Hund seine „Beute“ bekommen. Die Frustration vom Hund muss riesig gewesen sein, nie ans Ziel zu kommen.

Nun kam hinzu, dass der Rüde jung war und das „schnappen“ nicht als solches erkannt wurde. Also Konditionierte das Paar (unbewusst) ihren Hund. Mit der Zeit und Wachstum des Hundes und natürlich auch der Mobilität des Kindes, verschlimmerte sich die Situation. Was sie letztlich an diesen Punkt brachte. Das Kind nicht mehr in der Nähe des Hundes zu lassen. Leider kann ich nicht sagen, was mit den Hund passiert ist. Diese Geschichte war nur ein Beispiel wie wichtig eine Analyse der Situation ist. Ich bin mir sicher, der Hund hatte großes Glück bei Michael zu landen.

Seine Kernaussage, die ich voll und ganz unterschreibe  – Mensch! Lerne zu Beobachten, lerne vor allen zu Kommunizieren. Denn es erfordert Fachwissen um Aggressionen von Jagdverhalten zu unterschieden.

Was mir etwas Negativ am Vortrag aufgestoßen war, das sich seine Worte oftmals überschlagen haben und man einige Sätze einfach nicht verstanden hat.

Nach seinem Vortrag war erst mal Pause. Mein Kopf war voll mit Gedanken, Emotionen und neuen tollen Denkanstößen, doch abschalten kam nicht in Frage, denn die Pausen waren mindestens so spannend wie die Vorträge. Ich habe erst „abgeschaltet“ als es am Tisch über das Glitterpulver von Gogo Tänzerin ging. Es war aber auch toll, über die Arbeit, den Blog und Vela etwas zu quatschen.

Nach der Pause wurde es schwäbisch nun war Gerd Nummer 2 an der Reihe, so wurde er das Wochenende über genannt. Ich muss zugeben, so viel habe ich von seinem Beitrag nicht mitbekommen, da die Abweichungen und Unterbrechungen doch mehr waren. 

Doch seine klare Aussage – Verhaltensweisen reifen – hält auch mich bis heute fest.

Seine Sichtweise, nicht nur der Mensch ist schuld am Fehlverhalten, sondern auch äußerliche Einflüsse und genetische Faktoren.

Sein bestes Beispiel – ein Vater sagt- Ich habe den besten Sohn auf der Welt, er raucht nicht, ertrinkt nicht, er fährt nicht mit meinem Auto und bringt keine Frauen mit Heim – ein super Bub!!

Frau Sagt – du hast ja ein Glück, so einen tollen Sohn zu haben.

Der Vater – ja aber ist 9 Jahre alt….

Der Saal lachte doch sein Statement war klar, Verhaltensweisen reifen. Der Vortrag war typisch schwäbisch – etwas grummelig voller Infos.

Seine Kernaussage – Aggressionen haben etwas mit Genetik zu tun.

So endete Tag eins abends, das Wetter lud zum Bleiben ein und sich an der Bar einen Cocktail mixen zu lassen, man stand draußen und sprach über Gott und die Welt. Ein schöner Ausklang, auch ich gehörte zur „zähen“ Masse, doch um 21.30 Uhr wollte ich auch richtig Heimat aufbrechen. Auf dem Rückweg beschäftigen mich viele Gedanken über den Tag und auch über Vela.

Sie war auch aus dem Ausland und lange Zeit unauffällig, ich bin mir bewusst, dass auch wir zur Beginn unserer Beziehung einige Fehler gemacht haben – doch ich fragte mich, wäre ihr Leben besser auf der Straße gewesen? Bei Vela kann ich (um mein Gewissen etwas zu beruhigen) sagen Nein. Da man Vela damals schwer verletzt gefunden hat. (Eine Verletzung durch den Menschen)

Doch was wäre passiert, wenn man sie nach einer Behandlung wieder frei gelassen hätte? Haben wir ihr den Stempel aufgedrückt? War sie fester Bestandteil einer sozialen Gruppe vor der Attacke? Natürlich reflektiert man solche Vorträge immer auf sein eigenes Leben. Zuhause ging es mir dann auch nicht besser. Erst nach einem längeren Gespräch mit meinem Freund. Ich erzählte ich vom Tag und es fiel auch die Aussage von mir – es waren für mich auch einige „Wiederholungen“ oder eher gesagt bekanntes dabei oder Auffrischungen. Da sagte er zu mir – und daher weißt du, dass du auf einen guten Weg bist. Das Beruhigte mich wieder. Es ging auch nicht um meine Arbeit, sondern um mein privates Leben mit Vela…..

Das Handout

Zum Nachlesen gab es außerdem ein toll gestaltetes Handout. Normalerwesie landen die meist im Müll… und jeder weiß warum. Dinge die einfach keine Sau lesen will. Punkt. Doch hier war ich sehr überrascht und Steffen zurecht Stolz. Einige der Referenten haben sich die Zeit genommen, ihre Vorträge nochmals zusammenzufassen und die mit vielen Folien ihres Vortrag zu Bestückten. Von Gerd Leder gab es leider nichts – was echt sehr schade war. Da einige gleich eine vielzahl an Seiten schrieben, glänzten einige doch mit verhaltenen Worten oder eben nur einer kurzen Personenbeschreibung.

Auch konnte man sich Notizen direkt in den doch festen Einband reinschreiben – hochwertig und wirklich schön gestaltet doch, dass einige Referenten nichts dazu beigetragen haben stoß doch etwas auf.

Samstag

Ich wollte ja aus Freitag etwas lernen und mich schon mal emotional auf viele Frauen einstellen – an dem ganzen Wochenende waren vielleicht 2 Hände voller Männer da, wenn es hoch kommt. Der Morgen war jedoch anders als Freitag sehr entspannt und ruhig. Samstag war der Haupttag, denn die Tickets wurden auch Tagesweise verkauft, was ich für alle beteiligten schwierig fand den jeder Vortrag baute auf dem nächsten auf.

Es gab Kaffee und Brenzeln. Genüsslich schlenderte ich zum Tisch. Ein langer Tag lag vor mir, der Freitag hatte mich schon zum Nachdenken gebracht, wie würde es wohl heute Abend sein?

Um 9:30 Uhr starte der Beitrag von Robert Mehl das Thema neurobiologische Grundlagen, also was passiert im Kopf des Hundes bei Aggressionen und was auf dem Weg dahin.

Für mich war dieses Thema eine wirklich tolle Wiederholung, da ich mich noch gut an meine Trainerprüfung erinnere und da waren die Neurobiologischen Geschehnisse ein Hauptthema der Prüfung. Ich muss sagen, ich habe noch nie woher das Thema so toll erzählt bekommen! Sein unglaubliches Wissen schien irgendwie grenzenlos. Der Diplom Psychologe & Kriminologe mit therapeutischer Zusatzausbildung erzählt über diese Themen wie aus einem Märchenbuch völlig freiredend und unbeschwert. Er sprach die komplexen Themen so, dass jeder trotz unterschiedlichem Wissenstand wusste was er sagt. Persönlich hatte ich das Gefühl, der Saal hing an seinen Lippen – mir ging es da nicht anders.

Was mir Besonderes gefallen hat? Die vielen Beispiele und „menschliche“ Vergleiche Welche Verhaltensweisen ähnlich sind. Für mich ein der besten Aussagen in seinem Vortrag, die ich eins zu eins teile –

Ein aggressives Verhalten ist ein Zusammenspiel von vielen Faktoren, die man erkennen, Analysieren und vor allen wissen muss. Dabei sollte man immer offen sein.

 

Am Freitag ging es viel um die Frage des „Wie“. Samstag wurde klar die Frage des Warum thematisiert und die Hintergründe eines Verhaltens.

Er zeige allgemein Generalisierte Modelle der Aggressionen die sich wie ein ständiger Kreislauf wiederholen. Dabei stand auch die Frage im Raum – welche Persönlichkeit kommt überhaupt in welche Situation? Das fand ich besonders spannend. Ein Zusammenspiel aus Persönlichkeit, dem Stressor und einer „Erkrankung“ (Erkrankung heißt hier – Genetik, Hormonstatus, verhalten durch Schmerzen oder eben auch Erfahrungen) Alles in allen ein echt geiler Vortrag und ich werde sicher weitere bei ihm anhören.

Wissenschaftliche Vorträgen können auch echt schlauchen, grade wenn man genau zuhört. Das Niveau der Vorträge schwanke jedoch auch stark an diesem Tag. Es gab auch Vorträge, welche alles andere als gut ankamen im Nachhinein..auch die Auswertung der Podiums Diskussionen ist spannend und wie gut was das Essen? Das, die Berichterstattung für Sonntag und mein persönliches Fazit erfahrt ihr in Teil 2.

 

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