Alltag
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Ein Ende mit Schrecken – 2 Beine & 12 Pfoten

Kaum zu glauben, aber uns gibt es noch – auch wenn wir uns viele Wochen nicht haben blicken lassen. Vela, die Samtpfoten und ich mussten uns etwas zurückziehen und unsere Wunden versorgen, unsere emotionalen Wunden – und sind auch jetzt noch dabei, denn wir gehen seit einiger Zeit wieder unseren Weg allein. 

Schleichend, aber trotzdem überraschend kam das Ende nach so vielen Jahren mit dem anderen Zweibeiner. Die Welt sollte doch für einen Moment stehen bleiben dürfen, nur einen kurzen, kleinen Augenblick, um durchzuatmen und kurz zu reflektieren, was passiert ist. Doch wenn die Welt für jede Person, die betrogen worden ist, stehen bleiben würde, würde sich die Welt sicher nicht mehr drehen. 

Da stand ich also nun enttäuscht von ausgerechnet dem Menschen, dem man sein zerbrechliches Herz in die Hände gelegt hat. Dem man mal vertraut und bedingungslos geglaubt hat. Zum Schluss bleibt nur Schmerz. Doch zum SchmerzAusleben wurde mir leider keine Zeit gegeben. Denn so schnell, wie sich meine Welt plötzlich drehte, stand auch sein Koffer gepackt auf dem Weg zur neuen Frau bereits im Flur. 

Zurück blieben Vela, die Samtpfoten und ich mit einer Wohnung mit sämtlicher Verantwortung und allen Konsequenzen. Wortwörtlich von heute auf morgen. Meine Betäubung wechselte wochenweise mit Heulkrämpfen, Optimismus, Wut, Verteufelung und Idealisierung des Zweibeiners. Phasenweise konnte ich mich auch mal zusammenreißen. Der größte Wunsch – endlich wieder mal schlafen zu können war täglich präsent, doch zwischen Wunsch und Realität liegen nun mal Welten. 

Neben all den Fragen, Schmerz, Wut, Trauer kamen nun auch noch ein neu angefangener Job und eine Selbstständigkeit, ein Hund, 2 Katzen, eine davon schwer krank und generell immer auf Hilfe angewiesen. Sorry Leben, aber wie sehr willst mich du mich eigentlich flachlegen? Die Frage Geht’s noch schlimmer?wollte ich mir nicht stellen – aus Angst, das Leben herauszufordern. 

Ich bin ein „Selbstreflektierer“ und ja eine Frau, was macht man also erst mal? Genau! Was habe ich falsch gemacht? Doch Zeit blieb mir nicht, darüber nachzudenken. Erst dachte ich – das ist nicht schlecht. Stress, Arbeit und Co. lenken mich ab, aber die Tatsache, hier langsam unterzugehen und den ganzen Nachbeziehungskram allein zu managen und zu wissen, dass er bereits fröhlich in anderen Betten liegt, veranlasste mich dazu, echt an der Welt zu zweifeln und mit einer Flasche Wein an den Heizkörper gelehnt zu enden – Vela neben mir. Die Fairnessfrage durfte ich mir nicht stellen, denn auch jetzt macht sie mich fertig. Gedanken brannten sich förmlich in den Schädel – also war die Geschäftsreise vor 3 Wochen wohl doch keine … 

Fremdgehen wird heutzutage gerne als Lappalie abgestempelt und die Wut kroch meinen Hals hoch, als mein Umfeld mir versuchte einzureden, dass dies noch nicht so schlimm sei und ICH die vielen Jahre nicht wegwerfen solle. Ah, Hallo? 

Es schien, als gehöre es sich für moderne, aufgeschlossene Menschen nicht, eine „langweilige“, monogame Beziehung zu führen, der gelegentliche Seitensprung gehört schon fast zum guten Ton. Bin ich doch so alt? 

Oder bin ich ja nur zu altmodisch für diese vermeintlich „schöne“ neue Welt? 

Sprüche wie „Das wird schon wieder und „Andere Mütter haben auch schöne Söhne und so weiter waren wie Messerstiche für mich – nicht mehr zu ertragen. Ein Beziehungsende ist nie schön. Jeder macht Fehler und ich gehöre zu den Menschen, die sagen, auch dieses Verhalten hat Gründe. Ich werde nie verstehen, warum Menschen andere mit Fremdintimität bestrafen, ich kann behaupten, dass dies eines der schlimmsten Dinge ist, die ich bisher ertragen musste. Doch vieles hat seine Gründe und zu einer Beziehung gehören nun mal 2. Doch nachdem ich es herausfand, war ich nicht mehr derselbe Mensch wie noch vor ein paar Wochen. Meine Unbeschwertheit und mein Vertrauen waren verschwunden und auch Vela distanzierte sich vom Zweibeiner. Ich glaube, dass sie selbst auch Schwierigkeiten hatte mit diesen Gefühlen und meinem Ekel, ihn nicht mal mehr ansehen zu können. 

Ich bin sicher, man hat vor allem bei einer Beziehung die Trennung im Kopf, wenn man an den anderen denkt und ein „gesundes“ Ende für alle fair wäre, um auch abzuschließen – leider ist die Welt nicht fair! Wir haben den Hammer der Welt volle Möhre in die Fresse bekommen und ich kann behaupten, dass wir oft vieles verdient haben, doch so etwas nicht. 

Trennung vom Hund? Trennung mit Hund! 

Als einer der emphatischsten und sensibelsten Hunde, die ich kenne, war es schrecklich, Vela so leiden zu sehen. Und nicht selten wurde aus meiner Verzweiflung und meinem Schmerz Wut über die Situation, die ich selbst nicht ändern konnte. Wir waren nun gezwungen, ein neues Leben zu führen. Stark sein war mein Plan, der nach hinten losging. Denn die Kraft des intensiven Schauspiels für Vela habe ich schlichtweg nicht mehr leisten können. 

Vela hörte auf zu essen und ich hatte das Gefühl bekommen, dass sie auch nur noch funktionierte und die Welt um sich herum nur noch durch einen Schleier wahrnahm. Teilnahmslos und völlig neutral lief sie neben mir, mit absolut leerem Blick. Wir waren uns wieder einmal sehr ähnlich. Kommando Untergang. 

Kann und sollte man bei einer Trennung Rücksicht auf den Hund nehmen? 

Eine Frage, die ich mir intensiv gestellt habe. Vielleicht weil meine Beziehung ohne Respekt und Charakter zu Ende ging nach mehr als 5 Jahren – auch wenn ich die Anzeichen gespürt hatte, kam es in der Realität überraschend. 

Wie nimmt man Rücksicht auf einen Hund bei einer Trennung? Ein letzter Spaziergang? Entwöhnung? Ruckartig? Gibt es überhaupt einen „guten“ Weg? Egal wie – der Hund wird leiden, ganz klar. Bei mir hatte ich festgestellt, dass Vela erst mal zurückstecken musste. Sie war länger allein am Tag, die Spaziergänge waren etwas mager und auch wenn es hart klingt, ihr „Dasein“ war erst mal eine Aufgabe durch die neuen Strukturen. 

Verantwortung? 

Wie verhält man sich eigentlich richtig bei Trennung mit/vom Hund? Eine Frage, die ich mir bislang noch nie stellen musste. Ich denke, es gibt charmantere Wege als den, den wir erfahren haben. Sich der Verantwortung zu stellen und eine gemeinsame Lösung zu finden, ist eine Frage des Erwachsenseins, des Charakters und des Respekts gegenüber dem anderen und dem Vierbeiner. Dinge wie Wohnung, Möbel und auch Tiere sind zu klären. Seine Themen sollte man abschließen, auch wenn sie unangenehm sind. 

„Ja dann geb sie halt weg.“ 

Sprachlos – mehr gab es da für mich nicht. So wie ich wurde nun auch Vela behandelt. Es war die Gleichgültigkeit im Ton in Kombination mit verachtendem Schulterzucken, die mir den Boden unter den Füßen weggerissen hat. So einfach soll es also sein? 

Auch Nero und Mila ging es zunehmend schlechter und Tierarztbesuche wurden zu wöchentlichen Terminen. Kosten, Kosten und Zeit waren die schlimmsten Faktoren der letzten Monate und sind es auch jetzt noch. 

Andere Menschen, andere Grenzen 

Auch wenn ich die Aussage, Vela einfach abzugeben, als negativ aufgefasst habe, vielleicht hat er mir dadurch nur gezeigt, wo seine Grenze ist, und die Aussage nicht negativ gemeint, sondern als Ausweg. Vielleicht war das in seinen Augen das Beste für Vela oder das Einfachste für ihn. Über die Grenzen der anderen kann man also keinen Groll hegen – sondern sie eher etwas bedauern. 

Dass seine Grenze der Verantwortung mit einem Hund bereits erreicht ist, hat mir auch die Augen für die Realität meines Gegenübers geöffnet. 

Ganz am Ende eines Tages und der Verantwortung muss jeder für sich entscheiden, ob er den einfachen oder den richtigen Weg geht, und für jeden ist das nun mal etwas anderes. 

Trauern erlaubt? 

Schmerz sollte man zulassen, da ich ja bekanntlich selbst meine beste Kundin bin, habe ich die ersten Wochen versucht, alles wie gewohnt weiterlaufen zu lassen. Was mich Unmengen an Kraft gekostet hat. Happy Smiling für Vela. Doch so wie mir war auch Vela nicht nach Lächeln zumute. 

In der Ausbildung habe ich gelernt, gerade Angst und Trauer sollte man nicht verstärken, da so etwas schnell zu Mitleid und Ausreden werden kann. Man sollte als positives Beispiel vorangehen und das Hund-MenschTeam aus dem Tief holen. Doch was, wenn man Teil des Teams ist? 

Doch Trauer und die Zeit zum Trauern ist wichtig! Ich denke, es ist auch wichtig, dass Vela trauert, also Happy Smiling für den Arsch und ab auf die Couch mit uns. Nach dem Motto, wenn du keine Lust hast, eine große Runde zu drehen, dann machen wir das eben auch nicht. Aus der „Aufgabe“ Vela wurde langsam wieder meine Vela und Schritt für Schritt fanden wir zwar nicht zurück, aber wir entdeckten langsam einen neuen Rhythmus. 

Als Frauchen Schwäche zu zeigen, finde ich ja generell nicht schlimm, doch diesmal lag ich wirklich ganz unten. Dies einzugestehen war schwer, aber ein wichtiger Schritt des Aufstehens. Auch wenn ich mich erst auf die Knie aufgerichtet habe. 

Die 12 Pfoten und ich waren schlichtweg froh, wenn wir jeden Tag irgendwie durchgestanden hatten, auch wenn die Spülmaschine abends nicht ausgeräumt war und die Wäsche aus der Waschmaschine rief „Häng mich auf!“ war es doch ein Erfolg. 

Vela gewöhnt sich langsam an unseren neuen Tagesablauf und -rhythmus. Neues Leben und zurzeit noch alte Wohnung verhindern, dass der Neustart final losgehen kann und auch dann kommt noch mal ein neuer Rhythmus. Doch wir werden nun keine neue Wohnung suchen, sondern ein neues Zuhause und im Gegensatz zur Vergangenheit suche ich nun einen Ort, an den es mich zieht, weil ICH es möchte und nicht andere. Nicht wegen Job oder Liebeeinfach „ICH,“ einfach „WIR“. 

Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht auch mal kurz daran gedacht hätte, ob es Vela woanders vielleicht besser gehen würde. Oder ob meine eigene Grenze im Kopf mich dabei aufhält, diese Situation zu meistern. 

Kann ich dir allein (ART)gerecht werden? Spreng die Grenzen weg, du Luder! 

Arbeit beginnt dort, wo Schmerz anfängt und wir die Grenzen hinter uns lassen. Ich bin mir sicher, wir 4 werden das schaffen (irgendwie) und irgendwann gestärkt auf diese Zeit blicken und stolz sein – auch wenn das noch ein langer Weg ist. 

Das Mantra zurzeit heißt: 

Bald und irgendwann. 

Für jemanden wie mich, der gerne sofort eine Antwort hat, eine neue Situation, Schritt für Schritt voranzugehen. Jobs neu geplant, Zeiten umgelegt, neuer Tagesablauf – alles für die Vierbeiner, ist man auf eine Trennung vorbereitet, wenn man sich ein Haustier hält? Ich denke, nicht so wirklich. Man stellt es sich vielleicht vor und in Wahrheit ist die Realität doch ganz anders. 

Von der Frage „In welchem Stockwerk sollen die Kinderzimmer sein?“ zum Singleleben mit Hund und Katzen. 

Verdrängung und Neuanfang 

Bewusst habe ich den Blog die letzten Monate gemieden, natürlich stecken auch die Vergangenheit und Erinnerungen in meinen Artikeln, die zum Teil sehr schmerzhaft sind, und es kommt mir surreal vor, in Artikeln seinen Namen zu lesen. Ich hatte das Gefühl, meine eigenen Worte lachen mich aus.  

Doch dieses Kapitel war nun mal ein Teil und auch wenn ich (zugegeben) einen Teil dieses Kapitels lieber nicht erlebt hätte oder es vielleicht sogar ganz ausgelassen hätte, im Nachhinein betrachtet, gehört es nun mal zum Leben dazu – jeder Schmerz und jede Freude. (Ich weiß, dass es so ist, doch jetzt hasse ich es einfach grade nur.) 

Vielleicht schaffe ich es irgendwann, diese Beiträge wieder zu lesen. Das ist jedoch eine Hürde, die einfach noch zu hoch ist. 

Wir werden uns nun neu ausrichten, langsam aufstehen, uns neuen Herausforderungen stellen und irgendwann wieder an dem Punkt sein, wo wir sagen können: „Jetzt geht’s wieder aufwärts. Ideen habe ich viele und so langsam formen sich Strukturen, die mir gefallen. 

Als absoluten Erfolg sehe ich es, hier nun wieder aktiv zu werden! Kleine Schritte, aber eben Schritte! 

 

7 Kommentare

  1. Katrin sagt

    Ich schließe mich an, es tut mir leid. Klingt zwar „einfach“ aber ich wünsche euch ganz viel Kraft für die Zeit.

    & denk daran, für eine „Zweibeiner“ Karma ist eine Bitch 😀

  2. Julia sagt

    Liebe Frau Vela, ich habe noch nie, NIE, die Kommentarfunktion benutzt. Ich konsumiere Info-Blogs wenig, leise und selten… und ganz, ganz selten schaue ich mich dann doch noch ein wenig um, wie gerade.
    Aber jetzt habe ich Ihren Post gelesen und möchte mich doch kurz äussern, ohne die üblichen Kopf-hoch, es wird schon besser-Floskeln. Die kennen wir zu genüge! Genauso ist uns bewusst, dass betrogen-werden leider nicht selten vorkommt.
    Verletzt worden zu sein schmerzt, heilt irgendwann und irgendwie, Narben können überschminkt werden. Die Wegstrecke bis zur Narbe zu überwinden ist oft das, was im Stillen und mit vielen kleinen bis grossen Rückschlägen (oder -schritten) noch viel unüberwindlicher erscheint wenn man in eine solche Situation katapultiert wurde. Natürlich heilt die Zeit… aber sie erinnert uns auch an vielen Stellen ganz unvorbereitet an das was war.
    Neu anzufangen ist sicher ein guter Plan, wenn er durchführbar ist. Ich wünsche Ihnen und ihren Fellnasen alles erdenklich Gute, Ruhe wenn nötig, Trubel wenn nötig und die nötige Reserve, wenn es wieder einen Rückschlag gab.
    Beste Grüsse aus der Schweiz

  3. Katie und Sam sagt

    WOW – was für Worte, ich würde den Typen die Augen auskratzen! Ich wünsche dir alles Glück. Toll das du nicht aufgibst. Ich folge dir auch auf Handtextileria und bin jeden Tag dabei ! Ganz viel Kraft für euch. Ich freue mich, bald wieder öfter was von dir zu Lesen.

  4. ich finde es großartig, dass du dich in dieser Weise öffnest und deine Gefühle eben auch völlig fremden Menschen mitteilst. Natürlich gehören Trennungen zum Leben, nichts wäre grauenhafter als immerwährendes Glück und jedes Ende ist immer auch ein Anfang. Das ist dir natürlich nicht neu, aber lass dir ruhig von mir, der ich mittlerweile 70 jahre alt bin, sagen, dass die Zeit alle Wunden heilt, In diesem Sinne und bis bald im Blog, Gruß von Max

    • FrauVela sagt

      Hallo Lieber Max, vielen Dank für deine Worte – Zerstörung ist die Möglichkeit zum Wandel, das war ein Satz, den ich auch sehr mag. Vielen Dank ich habe mich sehr über deinen Kommentar gefreut! Danke

  5. Marlise sagt

    .. „und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben“ (Hermann Hesse)

    Viele liebe Gedanken aus Süditalien von den ehemaligen Strassenhunden Chief, Zanna, Kitty Yuma und mir an Vela und Dich

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