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Das Ding mit der Bestrafung – Sinnvoll oder Sinnfrei?

Bestrafen beim Hund ist ein sehr großes Thema. Immer mehr Besitzer, halten sehr viel von der Methode, den Hund zu bestrafen. Dabei fällt die Bestrafung ganz unterschiedlich aus. Vom Ausschimpfen übers Anleinen, vom Spielzeug wegnehmen wie bei Kindern, bis leider zu schlimmeren. Macht es eigentlich Sinn seinen Hund zu bestrafen? Würde die Bestrafung da ankommen, wo sie beim Hund soll? Sind Hunde also doch Menschen?

Was ist eigentlich der Sinn der Bestrafung? Grundsätzlich ist es so: Der Bestrafte weiß, was er falsch gemacht hat und die Bestrafung ist die Konsequenz aus dem Fehlverhalten. Man soll also „drüber nachdenken“ und das Fehlverhalten sofort unterlassen.

Dieses Verhalten lässt sich meiner Meinung nicht auf den Hund übertragen und ist in meinen Augen nicht nur völlig fehl am Platz, sondern macht auch alles noch viel schlimmer. Denn erst mal sollte man wissen, warum der Hund ein Fehlverhalten zeigt. Hat er Angst? Ist er überfordert? Gestresst? Unsicher? Ist die Kommunikation von Hund und Mensch so schlecht? Oder hat er schlichtweg das Signal nicht verstanden? Die Motive des Fehlverhaltens, sind bei der Problem Bewältigung oft die halbe Miete und Schlüssel zu einem Stressfreien und effektivem Training. Grenzen sollten jedoch auch klar definiert sein und daran sollten sich alle Familienmitglieder halten.

Abbruch vor Bestrafung

Für uns Menschen geht eine Bestrafung wie folgt:

Fehlverhalten – Konsequenz – Bestrafung – Nachdenken übers Fehlverhalten – Verbesserung

Hunde untereinander arbeiten mit Ignoranz und Abbruch – Sie möchten etwas nicht, also brechen sie die Situation ab. Dieses abbrechen kann unterschiedlich aussehen dazu gehören.

  • Vergrößerung der Individualdistanz
  • Kopf wegdrehen
  • Über die Schnauze beißen (als Einschränkung, nicht als Angriff).
  • Knurren
  • Allgemeines passive Verteidigung

Mit dem Abbruch unter Hunden sagt der Hund einfach „Nein „ und „Schluss jetzt“ und wird leider viel zu oft vom Mensch als Aggressionen verstanden oder wahrgenommen. Was mit dem Abbruch einer Situation wenig zu tun hat.

Das Abbuchsignal

Die Idee hinter dem Abbruchsignal ist ebenso effektiv wie arbeitsaufwendig. Wir benutzen also das Grundprinzip der Hundesprache und sagen „Nein“ zu unserem Hund in Verbindung mit Körpersprache. Denn, wenn ich einladend und liebevoll –Nein- sage wird der Hund alles tun aber nicht aufhören. Der Abbruch muss klar definiert sein. Man kann das Abbruchsignal in verschiedenen Formen trainieren und festigen. Wir benutzen ein klares Handzeichen und man sieht Vela genau an, dass sie dies grade gar nicht toll findet..(Näheres zum Abbruchsignal und das wie und wieso bald hier, folge unserem Blog um keine Artikel zu verpassen)

Hunde sind keine Menschen – ach echt?

Wir können nicht von unserem Hund erwarten, dass sie die Bestrafungsregeln der Menschen einfach so kennen. Ein Hund kann es nicht wissen, wenn er bellt und ärger bekommt, dass er nun darüber nachdenken soll und dies lassen soll. Bestraft man den Hund  z.B mit einem Schlag mit der Leine verknüpft der Hund Bellen mit schlagen und der Grundstein für eine dauerhafte Schädigung ist gelegt. Es kann zur Konditionierung kommen und im Verlauf hat der Hund Angst vor seinem Besitzer, später dann vorm Bellen von anderen Hunden und irgendwann vor allen Hunden und Menschen. Das Problem ist konditioniert also zur Verallgemeinerung geworden.

Viele meinen es würde Funktionieren und selbst, wenn der Hund aufhört z.B mit dem Bellen tut er es nicht, weil er seine Angst überwunden hat, oder das was ihn dazu verleitet zu Bellen, sondern weil man den Reiz der das Bellen auslöst ersetzt hat durch eine noch schlimmere Angst.

Ein Hund muss sich auf seinen Halter verlassen können und mit so etwas erreicht man immer das Gegenteil. Man fügt einen negativen Reiz hinzu anstatt den Auslöser zu Desensibilisieren und gemeinsam mit seinem Hund zu wachsen.

Bestrafen auf Zeit:  Das Thema mit dem Ignorieren.

Eine Situation wird immer gerne diskutiert, der Bestrafungsklassiker. Der Hund ist alleine, macht etwas kaputt und wird, wenn man wieder kommt, bestraft.

In der Hundeerziehung wird immer zu Recht gepredigt: Den Hund zum richtigen Zeitpunkt zu loben, um den Moment nicht zu verpassen. Bestes Beispiel „das Sitz“. Sitz der Hund wird er belohnt, steht er wieder auf und wird belohnt, belohnt man ihn für das Aufstehen, nicht für das Sitzen.

So ist es beim Bestrafungsklassiker auch. Wir wissen nicht, wann unser Hund z.B die Fernbedienung kaputtgemacht hat, bestraft man ihn nun, wenn man nach Hause kommt und der Hund sich freut, bestraft man ihn für die Freude darüber das wir wieder da sind. Ich weiß wie schwer das ist, wer unseren Artikel alleine bleiben, wie wir es geschafft haben gelesen hat, weiß Vela hat nicht nur auf Sofa oft gepinkelt, sondern auch alles kurz und klein gemacht in der Wohnung, vom Schuh bis hin zu Türen. Hätte ich Sie bestraft, wäre alles noch schlimmer geworden.

Auch wenn es schwerfiel, ich habe das Chaos aufräumen und weiter gemacht, als wäre nichts gewesen! Das war eine der schwersten Lektionen für mich. Selbstbeherrschung und eine IKEA Tüte zum rein atmen hab ich gebraucht um das Hinzubekommen. Das Ignorieren hat bei uns wunderbar geklappt, weil Vela viel Bestätigung über Aufmerksamkeit bekommt, da sie gerne Aufmerksamkeit sehr gerne hat. Also bestrafe ich sie passiv, indem ich einfach die Situation ignoriere.

Oft werde ich gefragt oder mir wird erzählt, wenn die Hunde in der Abwesenheit vom Besitzer etwas kaputt gemacht haben, zeigen ihre Hunde, eine Art schlechtes Gewissen. Bei Vela habe ich dies auch oft beobachtet, ich kam nach Hause, sie nahm mich kurz war, kam aber nicht groß zu mir.

Wir Menschen sind durch eine übergeordnete Instanz in der Lage, eine Handlung im Nachhinein zu beurteilen. Es ist die Frage, wie weit kann der Hund seine Handlung reflektieren, wenn die Handlung schon stunden zurück liegt? Könnten Hunde aus ihren Verhalten ihre eigenen Konsequenzen ziehen und sich von selber verbessern? Hunde lernen und wissen, wenn etwas nicht klappt, versuche Sie etwas anderes. Doch wer sagt das, wenn er Schuhe kaputt macht, dass er das negativ findet oder etwas daran ändern möchte?

Eins ist klar, Hunde lesen uns wie ein offenes Buch. Das schlechte Gewissen welches ein Hund hat, ist nur ein „Lesen“ unserer Körpersprache, wenn wir nach Hause kommen und feststellen hier stimmt was nicht. Hunde beschwichtigen uns dann, mit unterwürfigen Handlungen.

Wie „Bestrafe“ ich sinnvoll und überhaupt ?

Die passive Bestrafung finde ich sehr charmant und sehr gut anwendbar, denn weder das Abbruchsignal noch das Ignorieren, ist eine aktive Negative Einwirkung auf das Wohlbefinden des Hundes. Die Beziehung vom Hund Mensch Team wird nicht in Mitleidenschaft gezogen und man kann gemeinsam mit seinem Hund an den Problemen Arbeiten.

Aktive Bestrafung bei uns – was wenn der Hund einen anderen angreift und die Hilfe seines Menschen mal braucht? Mit Körpersprache ist da oft nicht mehr viel und mit den eigenen Händen einzugreifen kann schlimme Folgen für die eigene Gesundheit haben. Wie kann ich mich also aktiv einbringen, ohne dem Hund zu schaden?

Das einzige was ich einsetze, ist Wasser. Obwohl ich sage muss, dass die Einsätze damit auch stetig zurückgehen. Wirkt ein Hund negativ & aktiv auf einen anderen ein, habe ich eine Wasserflasche in der Hand mit einem Druckstöpslen und kann einen Stoß Wasser an den Hund spritzen.

Die Einsetzung von Wasser setzt aber bei mir verschieden Faktoren heraus. Hat ein Hund Angst oder ist unsicher, wird so etwas nicht eingesetzt. Also die Frage was sind die Absichten und Motive des Hundes. Die Verfassung ist beim Einsatz von Wasser mir sehr wichtig. So etwas sollte im Training nie nie leichtfertig eingesetzt werden, in meinen Augen. Auch wenn es keine schlimme Aktive Einwirkung für uns ist, für den Hund ist es noch mal etwas anderes.

Privat ist das wieder ein anderer Schuh. Grade letzte Woche hatten wir eine ganz schlimme Hundebegegnung, wo ich wirklich dachte, Vela ist ernsthaft verletzt. Hier geht’s zum Artikel ….

Privat habe ich auch ab und an eine Wasserflasche dabei, da es immer wieder vorkommt, dass andere Hundehalter ihre Hunde nicht einschätzen können und Vela darunter leiden muss. Hetzt also ein Hund Vela, wie in dieser Situation, kann ich über diese Entfernung oft nichts tun. Ist dann auch noch der Halter überfordert und weiß nicht was er machen soll, hol ich meine Flache und spritze den anderen Hund nass, damit dieser von Vela ablässt.

Ich gebe zu, in diesem Moment ist es mir als Hundemama egal, was der andere darüber denkt. Hunde die nicht fähig sind zu hören, eine schlechte Kommunikation zeigen, oder andere Probleme haben und die Besitzer entscheiden, sich ihn nicht an der Leine zu halten ist es die eine Sache, aber schadet dieser Hund dann mir und Vela ist der Spaß und das Verständnis von mir mehr wie nur vorbei.

Fazit vom Bestrafen

Ich denke, das Menschliche Konstrukt vom Bestrafen lässt sich nicht auf den Hund übertragen und ist sogar schädlich. Mit Abbruch und Ignorieren erreicht man in meine Augen viel mehr. Die genaue Analyse des Wesens gibt immer sehr viel preis darüber, wieso, weshalb und warum ein Hund etwas tut. Anstatt ihn dafür heftig zu bestrafen, sollte man zusammen mit dem Hund daran arbeiten und sich oft an die eigene Nase fassen. Denn ein nicht kleiner Teil der Probleme verursacht oder verschlimmert der Mensch selber mit seinem Verhalten. Deshalb wieder mein Lieblingsspruch 6 Beine sollten Trainieren …. Nicht nur 4.

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