Alltag, Trainerleben
Kommentare 2

Der Problemhund in mir

In den letzten Wochen beschäftigte mich ein Thema ganz besonders, der Problemhund oder eher gesagt das Wort dafür. Immer öfter bekomme ich dieses Wort zu hören und ich gebe zu, ich hasse dieses Wort. Warum lest ihr heute in meinem Beitrag.

Inzwischen gibt es ganze „Problemhundtherapeuten“ diesen Bezeichnung möchte ich an dieser Stelle nicht werten. Doch was ist eigentlich ein Problemhund?

Lange, wirklich lange habe ich darüber nachgedacht. Gibt man dieses Wort bei Mama Google ein werden von Alltagsproblemchen bis hin zur „Listenhund“ alles unter diesem Wort geführt.

Auslegungssache

Ich merke also schnell, dieses Wort hat eine sehr breite Spanne. Ist also jeder Hund ein „Problemhund“? Denn niemand ist perfekt. Wie ihr merkt ich stelle in diesem Artikel viele Fragen . Ich wundere mich auch viel, denn Ich höre diesen Begriff einfach für meine persönlichen Verhältnisse viel zu häufig.  Hundehalter kommen schon lange nicht mehr nur wegen Spiel, Spaß und Sozialisierung ins Training. Was gut ist, doch dann sollten Sie auch wissen zu welchem Trainer sie gehen können, bei spezifischen Fragen, wenn situatuonen auftreten denen Sie nicht gewachsen sind. Stichwort verallgemeinerung.

Ein weiteres Beispiel sehe ich immer an Vela-

Es ist bekannt : Vela lässt sich nicht anfassen, außer von mir und Phil. Sie mag es nicht, sie will es nicht. Punkt. Wie oft habe ich mir einreden lassen (ganz am Anfang), dass sie nicht sozial ist und das man so etwas ja beheben müsste. Also ein Hund mit Problem ist – ein Problemhund.

Doch ist dies doch Auslegungssache –

Person 1 sagt – mein Hund lässt sich nicht anfassen, er ist unsozial und hat ein unglaubliches Problem.

Person 2 Sagt – mir ist eigentlich egal.

Person 3 Sagt – neben den schlechten Erfahrungen ist es auch eine Rasse und Charakterfrage, die 3 in der Kombination zeigen die Reaktion. Ich nehme die Vergangenheit zur Kenntnis, lasse mich aber nicht mit Vela zusammen negativ davon beeinflussen.

Für die die meinen Blog regelmäßig verfolgen wissen, ich bin Person 3. Früher war ich also Person 1, mir wurde gesagt – Zitat – das sei nicht normal für einen Hund.

Also begannen wir zu Trainieren, ich merke schnell, dass etwas nicht stimmt. Denn Vela hat mich gehasst wie die Pest, sie sah mich an mit dem Blick – warum tust du mir an, Frauchen warum hilfst du mir nicht? Warum lässt du es zu, das versucht wird mich anzufassen.

Resultat – Sie mied nun auch mich, das Vertrauen brach fast vollständig auf. An Spiel und Spaß war nicht mehr zu denken. Es wurde einfach alles schlechter.

Dieses „Training“ habe ich noch vor meiner Ausbildung bei einer anderen Trainerin absolviert und schnell wieder abgebrochen, dank gesundem Menschenverstand.

Ich akzeptiert also, dass es nun mal so ist, ihre sensible Art ihre Rasse ihr Charakter und ihre Erfahrungen und unterstütze sie nun in der Ausführung inzwischen sage ich freundlich aber deutlich, bitte nicht anfassen. Die klassische Frage warum, beantworte ich nur noch mit darum. Da es leider doch weiter verbreitet ist, als ich dachte – die Aussage – Hunde sie sich nicht anfassen lassen wären unsozial- so ein Müll, kann ich nur sagen.

Ich beschäftige mich ab den Zeitpunkt nur noch weniger mit dieser Abneigung und vertrat ihren Standpunkt stattdessen voll und ganz. Denn ich lass mich ja auch nicht von fremden Menschen Begrabbeln, warum soll es also mein Hund über sich ergehen lassen?

In Büchern lese ich dieses Wort auch nie, egal welches Inhaltsverzeichnis ich durchsuche. Das Wort Problemhund kommt mir nie unter. Auch heute schau ich mir in neuen Büchern Inhaltsverzeichnis an uns finde es nie. Ich gebe aber auch zu, wenn ich es lesen würde, würde ich das Buch bestimmt nicht kaufen.

Ob ein Problem existiert, hängt also eher weniger vom Hund ab, sondern von der Auslegung des Halters. Natürlich sollte man nicht sagen, wenn der Hund nicht leinenführig ist, dann läuft er immer ohne Leine. Doch es lohnt sich immer hinter die Fassade zu schauen und genau zu analysieren. Was möchte ich, was möchte mein Hund.

Unser Vertrauen wurde seitdem stets besser, sie kann sich voll und ganz auf mich verlassen und sie sich auf mich. Es gibt tage, da klappt dies mehr und mal weniger das ist aber einfach so niemand weder Vela noch ich sind perfekt. Und Fehler zeigen uns auch heute noch unsere Knackpunkt.

Es ist also der Problemhund in mir gewesen und nicht Vela. Daher stoße ich mich schrecklich an diesem Wort. Ich liebe Velas hippelige Art und ich habe Kunden den genau das auf den Keks geht. Jetzt sind wir beim Thema, welcher Hund passt zu mir. Ich denke grade die Halter die sich weniger mit Charakter und Rasse beschäftigen, sind geneigt dieses Wort eher zu benutzen. Charakter kann man nicht verändern, trotzdem gibt es immer mehr Menschen die genau das Versuchen. Grausam in meinen Augen.

Für welche die nun sagen, ein Problemhund ist der Hund der beißt, keine Sorge dazu komme ich jetzt. Ich Biss ist nicht tolles, ganz klar. Für einen Hund dient der Biss oft nur zu einem Zweck, überleben.

Für einen Hund ist wesentlich traumatischer wie für einen Menschen, wenn man diesen Hintergrund bedenkt, dass sie dies tun zu leben – Rückschluss Todesangst. Einem Biss gehen viele wirklich viele Anzeichen voraus – zu lesen Hier. Ein Tier welches Todesangst hat, muss natürlich auch positiv wieder aufgebaut werden, doch das vergisst man leider viel zu oft – das hier das Vertrauen eine Schlüsselfrage spielt und es auch dem 4 Beiner richtig schlecht geht.

Also steht die Frage im Raum: Warum beißt ein Hund? Weil er angegriffen worden ist? Dann wäre die Verteidigung des eigenem Lebens also ein Problem? Oder beißt er aus anderen Gründen, die es zu genüge gibt. Von Angst zu Idiopathischen Aggressionen ist die spanne riesig.

Natürlich ist ein Biss schrecklich, ich musste selber am Anfang mit Vela diese Erfahrung machen, sie hatte sich verteidigt vor einer Person, die sie in eine Raumecke gedrängt hatte. Sie hatte passives Verteidigungsverhalten gezeigt. Darauf wurde nicht reagiert, also wurde sie aktiv. Wer war schuld?

Ich war es, ich war der Problemhund, weil ich damals nicht erkannte das Vela meine Hilfe braucht, aus diesem Grund war es soweit gekommen.

Ihr merkt, ist und dieses Wort werden keine Freunde, nie. Daher finde ich Berufsbezeichnungen, die dieses Wort beinhalten alles andere als gut. Denn dieses Training ist immer von ein Stück Negativität begleitet und schlichtweg zu allgemein.

Unter anderem Psychologisch daher schlecht gewählt. Würde ich sagen: Ich gehe zu einem „Problemhundetrainer“ wie wirkt das? Genau, Negativ. Ich schäme mich vielleicht dafür, möchte es keinem Sagen und fühle nicht vielleicht auch nicht richtig wohl.

Das sind die schlechtesten Voraussetzungen für ein gutes Training! Es sollte immer um Selbstreflexion und Situationsanalyse gehen, was in meinen Augen jeder gute Trainer mit Leichtigkeit hinbekommen muss!  Themen wie Vertrauensaufbau sollten zum absoluten Minimum 1×1 gehören. Was mich zu der Frage bringt: „Warum dieser Beruf nach wie vor nicht geschützt ist?“ Doch das ist wieder ein anderes Thema.

Persönlich bevorzuge ich Trainer die eine genaue Spezialisierung haben um es für den Halter unkomplizierter zu machen, was er sucht und um das Training zu bekommen was er benötigt.

Ihr seht, ich hatte den Problemhund in mir und zusammen mit Vela bin ich ihn losgeworden. Mit zeit Verständnis, Selbstreflexion, Ehrlichkeit und das alles alleine von meiner Seite! Statt Problem Persönlichkeit beziehen.

 

 

 

2 Kommentare

  1. Dani und Sally sagt

    Kann mich nur Anschließen! Über Selbstreflexion habe ich wenig nachgedacht. Ich weiß, dass ich auch Fehler gemacht habe aber diese Momente bewusst wahrgenommen habe ich kaum. Schön das anderen auch so geht. Die „Perfekte“ Hundewelt wird einem im Internet oft vorgespielt. Toll das man da auch mal etwas anderes liest.

  2. Nadine sagt

    Super Worte! toll das du klar sagst- ich war schuld!!! Nur so kann es was werden. Das andere Ende der Leine. 🙂 sehr sympathisch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.