Alltag, Trainerleben
Kommentare 6

Die Kunst der Gelassenheit mit „besonderem“ Hund

Wie gelassen ist man, mit einem Hund der nicht der Einfachste ist? Etwas was mich beim Training gerne gefragt wird. Wie schaffst du es, so gelassen zu sein? Viele Leute glauben, ich war immer so oder ich nehme unsere Situation nicht ernst – Doch es war ein wirklich krasser weg – zur gelassenen Hundemama und auch Trainerin. Es war ätzend, es war schwer, es war zum heulen, zum freuen… kurzum eine Achterbahn der Gefühle. Worin ich immer gut war in dieser Zeit und es zum Teil auch heute noch bin, ist das Jammern in und nach den schlimmen Momenten. In solchen Situationen, wo man an seine Grenzen kommt. Es gibt einfach Tage, da kann ich sehr gut alles infrage stellen. Vor allen, als es mit Vela immer wieder Rückschläge gab und heute noch gibt. Es war nicht nur Frustrierend als Hundemama, sondern auch als Trainerin. Und schnell zweifelt man an sich und an dem ganzen System.

Dabei ist unser Leben und das System gar nicht jammernswert und ich habe viel, wofür ich unendlich dankbar bin. Diese vielen schönen Dinge zu sehen fällt jedoch oft schwer, wenn ich erst mal im Jammermodus gefangen bin. Ist das normal? Dabei ist mein Leben bestimmt nicht schwieriger wie bei jedem anderen auch. Im Gegenteil! Ich finde, ich habe es mir manchen Dingen richtig gut getroffen. Wir haben ein schönes Heim, ich habe den wohl besten Freund seit nun über 4 Jahren an meiner Seite, wir haben wunderbare Tiere und wenn ich morgens aufstehe, quaken die Enten am Schlafzimmer Fenster in „unserem“ kleinen Bach. Trotzdem geht mir dieses „Lebensgefühl“ bei Rückschlägen manchmal verloren.

Ich habe mich gefragt: Wie sich diese, ich nenne Sie mal “ weibliche Launen“ auf Vela widerspiegeln und auswirken? Doch um das herauszufinden, müsste ich wohl aufhören immer zu jammern und hektisch zu sein?! Oh je….

Selbstkontrolle. Kühler Kopf für Frauchen. Reiche mir einen Eiskübel!!

Wie beginnt man so etwas? Wie lernt man mehr Selbstkontrolle? Atemübungen? Bücher lesen? Wo fängt man eigendlich an und wie? Vor einiger Zeit habe ich dazu einen tollen Artikel gelesen, wo einem Tipps und 5 Schritte zur Selbstkontrolle gegeben worden sind. Ich muss sagen, diese haben mir wirklich gut gefallen:

  • Akzeptiere wie es dir grade geht und wo du grade stehst
  • Überlege dir, wohin du möchtest
  • Wage den Anfang
  • Plane voraus und halte Ausschau nach Hindernissen
  • Geh immer weiter, bist du an deinem Ziel angekommen bist

Mir haben diese 5 Schritte gut gefallen. Es besteht nicht aus höherer Wissenschaft, es was einfach und logisch. Als ob es aus einem Gespräch heraus entstanden ist.

Also finde ich mich mit den Situationen ab und denke nicht über den Zustand an sich nach, den ich nicht ändern kann. Ich denke darüber nach, was ich tun kann, damit es sich ändert.

Ich rege mich also nicht darüber auf, was Vela jetzt falsch gemacht hat. Ich überlege, was unser Traningsziel ist, arbeite Lösungen aus und setzte diese um.

Was bringt es mir, drüber nachzudenken, dass Vela dies jetzt falsch gemacht hat? Was bringt es Vela? Es kostet Energie, Nerven und Fröhlichkeit – ein Rückschlag ist nie schön. Doch mit Blick nach vorne ist es viel besser zu ertragen und es gibt wieder ein Ziel. Es geht also um einen Perspektivenwechsel in meinen Augen, oder? Als ich mich mit diesen 5 Aussagen auseinandergesetzt habe, sind mir viele Parallelen zum Hundetraining aufgefallen. Und ich konnte mir einfach immer besser erklären, warum es so gut klappt und manchmal auch eben nicht.

Gelassenheit ist ein Blickwinkel der Situation

Wie entsteht Gelassenheit? Früher dachte ich, gelassene Menschen machen sich einfach wenig Gedanken über eine Situation und sind gerne übermütig – also typisch Mensch irgendwie. Punkt. In der Welt der Hunde denke ich mir das auch oft, wenn ich Hunde sehe die eigentlich an die Leine gehören zum Beispiel frei laufen. Die Halter sind nun total gelassen oder übermütig? Das Wort Gelassenheit kann auch schnell negativ werden oder naiv wirken. Das ist etwas, was definitv auf einige Hundebesitzer zutrifft. Doch wie unterscheidet man die wissenden Gelassenen von der Naivität?

Bist du dir über die Probleme im Klaren?

Etwas was ich mich immer Frage: Wie wirke ich auf andere Menschen mit Vela? Ich denke, im Blog ist es teils teils, wenn ich ehrlich bin. Ich denke, dass viele mich eher als unfreundlich sehen, wenn ich meine Meinung sage. Dabei ist es einfach eine Meinung und sollte keine Wertung auf den Charakter sein. Ich denke nun mal anderes über das Hochnehmen von Hunden oder das klimm bim Behängen. Ja ich gebe zu, da fehlt auch mir oft die Gelassenheit. Sehr oft sogar, weil ich es nicht in meinen Kopf bekomme. Ich sehe die Bilder und deute den Blick der Tiere und frage mich, ob die Besitzer dies selber nicht erkennen … Auch ich muss Akzeptanz noch lernen in einigen Dingen. Vor allen in einer Welt wo jeder sich bereits Experte nennt wenn …

Bei Vela bin ich mir mehr wie im Klaren, was funktioniert und was eben nicht – doch nicht mal aus der sicht als Hundemama, sondern als Trainerin. Jedoch würde ich mir auch hier etwas mehr Mut wünschen. Da sie einige Dinge bestimmt meistern würde, wo ich als Hundemama Nein sage, als Trainerin aber sagen würde: „Wir tasten uns da nun ran“. Wie lernt man also als Hundemama Gelassenheit? Etwas was ich noch nicht richtig herausgefunden habe. Denn wenn ich meine Gefühle daraufhin beobachte und konzentriere, befinde ich mich in einem ewigen Teufelskreis und Negativität und Jammerei. Sich dann diesen Gefühlen hinzugeben, ist der Einfache weg aber nicht der Richtige. Ich und Vela machen in diesem Sinne kleine schritte, jeder hat da sein eigenes Tempo, doch das Ziel ist in Sicht und Zeitdruck sollte man sich ohnehin nicht hingeben!

Die letzten Jahre habe ich gemerkt, was es mir abverlangt mit einem Hund zu leben, der ein unglaubliches Problem mit sich und seiner Umwelt hat. Doch bringt es mir was daran zu denken, wie hart es war? Wie nervenaufreiben? Wie verzweifelnd? Nein! Denn dann würde man das sicher nicht durchstehen, da bin ich mir sicher!

Ich erinnere mich nun an die vielen kleinen & großen Erfolge, die Fortschritte bei Hunde- und Menschenbegegnungen. Und trotzdem hat man als Trainerin einen gewissen ungreifbaren Druck „dein Hund muss perfekt sein“  Velas und mein Verhältnis wurde viel schlechter, als ich meine Ausbildung begonnen hatte. Ich wollte alles!! Und habe alles von ihr verlangt!! Mehr wie dämlich von mir.

Trainerhund als Vorzeigemodell

Der Trainerhund muss Perfekt sein- er ist DAS Aushängeschild deiner Arbeit. Diesen Satz trete ich in die Tonne! Ich habe festgestellt, dass mir viel mehr Respekt und Glaubwürdigkeit entgegengebracht wird, weil ich eben keinen perfekten Hund habe. Viele meiner Kunden kennen Vela und auch sie sehen ihre Erfolge und freuen sich mit mir. Ich habe Gelassenheit gelernt, dass Vela nicht perfekt sein muss! Sie gibt oft ihr bestes und ab und an, geht sie mir auch einfach mal auf den Senkel. Doch ich bin mir ziemlich sicher, ich ihr auch. Alles hält sich irgendwie im Gleichgewicht und es gibt gute und schlechte Tage.

Der Freund als Vorzeigemodell

Ja, was würde ich nur ohne meinen Phil machen. Er ist der Ruhepol des Hauses. Das spüre nicht nur ich, sondern auch Vela. Ihre Beziehung ist so einfach und unkompliziert. Bei Herrchen fühlt sich Vela noch mal auf eine ganz andere Art und Weise sicher wie bei mir. Ich beobachte das gerne und bin so stolz auf meine beiden. Ohne ihn hätte ich diese Sicherheit und die Gelassenheit nicht erlangt. Die vielen Rückschläge und Niederlagen hat er mit einer Leichtigkeit aufgefangen, wo ich mich wieder fragte. Gelassen oder naiv? Inzwischen weiß ich es ist männliche Gelassenheit! Die Vela und mir sehr gut tut!

Was ist also Gelassenheit beim Hund?

Es ist in Ordnung Fehler zu machen, es ist okay anderes zu sein, Es ist okay, eine andere Meinung zu haben. Anderes zu sein und es zu Akzeptieren bedeutet aber nicht, nichts mehr zu tun oder auf der Stelle zu treten.

Diese Gedanken brachten mich weiter. Fragen zu stellen ist kein Zeichen von Schwäche. Zu sagen, dass man etwas nicht kann, heißt nicht, eine Niete zu sein. Als ich das gelernt und vor allen akzeptiert habe, hatte ich das Gefühl gewissenhaft, verantwortungsvoll & vor allen respektvoll mit Vela umzugehen. Die Gelassenheit kam nicht durch Unwissenheit, sondern durch Einsatzbereitschaft und ich bin so stolz auf unsere kleine Familie, dass wir das jeden Tag der Welt neu beweisen können und vor allen uns selber!

 

Merken

Merken

6 Kommentare

  1. Karin sagt

    Hallo ich kann das verstehen, ich habe jetzt meinen dritten schäferhund aber keiner war je so anstrengend wie diese hündin. Sie ist wirklich sehr triebig und wäre wenn man sie nicht ständig bremst immer auf Touren. Sie kommt aus schlechten Verhältnissen und wurde im ersten Jahr 3 x verkauft. Was kann man da erwarten ich muss mich auch ständig wieder selbst korrigieren und mir vorsagen in der Ruhe liegt die kraft. Ich hab sie jetzt fast 2 jahre und es wird immer besser aber sie wird immer ein hund sein der sehr viel hundewissen braucht

  2. Jutta sagt

    Und wie machst du das, wenn Sie Aggressiv ist?? Ich lese vor allen die Aggressionsbeitäge, kannst du das auch noch näher beschreiben? Der Artikel ist gut aber doch allgemein. Ich mag es, wenn du genau drauf eingehst oder ist dort was in Planung?

  3. Melli sagt

    Ich mag es wie du deine persönliche Geschichte in sachliche Artikel einfügst. Dass du vieles negatives mit Vela erlebt hast, hat dich zu der Trainerin gemacht die du heute bist. Und ich sehe es an Melli wie gut es ihr tut bei dir zu Trainieren. Diese Leichtigkeit mit spaß und wohlwollen an die Sache zu gehen. Ich fühle mich bei dir auch nie peinlich berührt oder angegriffen, weil du nicht darauf rumkackst was ich als Hundebesitzerin FALSCH mache, sondern zeigst mir bessere Alternativen! Deine 5 Schritte merke ich im Training. Find ich Genial!

  4. Puppy&Sophie sagt

    Ich finde deine Artikel immer gut! Du wirkst super Nett! Doch wie Yvo schon sagt, viele fühlen sich gleich angegriffen, wahrscheinlich weil Sie sich selber dann wiedererkennen wenn du schreibst was man eher vermeiden soll

  5. Herzallerliebst!

    …und nein, du wirkst nicht unfreundlich, denn du hast eine Gabe, die vielen in dem geschriebenen Wort fehlt. Du schaffst es, dass es eigentlich immer sachlich und nicht persönlich rüber kommt. Das du nicht von oben herab wirkst. Leider können das nicht viele und darauf kannst du stolz sein. Das bewunder ich auch sehr bei deinen Kommentaren, dass selbst wenn der Kommentator „aggressiv“ oder „persönlich“ klingt bleibst du sachlich und greifst nicht an. Ich hoffe, dass du das nie ablegst. 🙂

    Das mit dem kühlen Kopf ist manchmal soooooo viel einfacher als gesagt. 😀

    • FrauVela sagt

      Ja jetzt werde ich aber Rot! Danke <3 Ich habe oft eher das Gefühl, dass mir die Fähigkeit beim geschrieben Wort grade fehlt. Aber sich selber einzuschätzen ist oftmals schwerer wie andere 😀 vielen Dank für deine Wort 😀 😀 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.