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Helikopter Frauchen & Herrchen – Wenn Liebe den Hund krank macht

Helikopter Eltern – jeder kennt diesen Begriff … Eltern, die ihre Kinder wie wild scheuchen, alles zu tun, damit es ihnen unterm Strich besser geht. Klavierstunden, Fußball, Ballett, spanisch am besten schon im Kindergarten lernen. Der Klassiker. Auch in der Welt der Hunde findet man das leider immer wieder.

Bei meiner Arbeit mit Hunden habe ich immer wieder mit diesem Phänomen zu tun. Verstärkt hat sich dies erst in den letzten Jahren. Denn eines ist klar, einen Hund zu haben ist ein echter Trend geworden. Es zeigt dem gegenüber heutzutage nicht nur dass man tierlieb, sondern auch aktiv, fit und freundlich ist. Amerikanische Studien haben herausgefunden, dass Menschen mit Hunden scheinbar freundlicher sind, als Menschen ohne Hunde. Etwas was ich jetzt nicht direkt bestätigen kann. Ein Hund ist nicht nur der beste Freund, sondern für viele auch ein Statussymbol geworden – was für den oft keine Vorteile bringt. Nach der Devise – mein Hund kann alles besser als deiner. Früher waren es die Mütter am Spielplatzrand, die sich profiliert haben über ihre Kinder. Heute trifft man sich an Wiesenränder, wer hat welche tolle Rasse und wer kann was am besten … Puuu

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Liebe am falschen Ort
es ist hip und trendy einen Hund zu haben, sie werden angezogen, angemalt und mit dem neusten Halsband ausgestattet. Scheinbar aus liebe …. Doch was braucht ein Hund wirklich? Ich persönlich bin der Meinung, der Hund ist ein domestizierter Wolf. Punkt. Meine Meinung. Bedeutet, wir haben über Generationen hinweg den Wolf als Wildtier isoliert und zum heutigen Haushund gemacht.
Mir tut es weh, wenn ich sehe, wie Menschen ihre Hunde in winzigen Taschen tragen oder sie selber als Accessoire sehen. Egal wie diese Menschen den Hund sehen, sie lieben ihn, scheinbar. Diese Liebe wird nur oft falsch ausgedrückt. Man möchte den Hund beschützen, deswegen hat er keine Sozialkontakte, weil er könnte ja angegriffen werden. Liebe am falschen Platz.
Das Regen Prinzip mit Vela
Ich bin kein Fan, wenn es wie aus Strömen regnet..(dachte ich) wir gingen raus und die runden wurden doch zunehmend keiner. Vela spürte das natürlich und passte sich mit der Zeit an. Was habe ich also irgendwann gesagt, wenn Vela nicht mehr bei Regen raus wollte „Vela mag kein regen“ doch das war ja Blödsinn, ich wollte nicht. Mit der Zeit konditionierte ich sie, bei Regen nicht raus zu gehen …

Als ich das erkannte und nach meinem schlechten Gewissen meinen Hund gegenüber, gingen wir zunehmend mehr bei Regen spazieren. Ich musste feststellen, mit der richtigen Kleidung macht es einen riesen Spaß. Vela rannte von Pfütze, zu Dreckloch und legte sich abwechseln hinein. Es war herrlich. Ich habe sie damals um etwas beraubt, wo ich dachte, sie mag es nicht. Wollte ihr etwas Gutes tun, indem ich bei Regen mit ihr daheim blieb, dabei war es mein Fehler …

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Qualität vor Quantität

Wie bei den Helikopter Eltern die Klavierstunden, Fußball und Ballett sein kann. Ist es bei unserem Hund Agility, Teamtraining, Apportierkurse und mantrailing gleichzeitig. Am besten jeden Tag etwas anderes, damit der 4 Beiner möglichst viel kann. Ich persönlich bin davon nicht überzeugt. Ich selber betreibe mit Vela 2 Sportarten Blümchenagility und Teamtraining, beides einmal die Woche. Teamtraining bedeutet bei uns z. B. Leinenführigkeit, Übungen aus den Crossdogging oder Spaßstunde. Umwelteinflüsse besser zu verkraften oder das klassische „bleib“ – alles dabei. Ich war am überlegen noch Crossdogging zu machen. Doch die Qualität des Trainings leidet einfach bei uns darunter. Lieber nur 2 dinge; die dafür richtig gut. Außerdem ist es, für den Hund leichter zu lernen, wenn man sich auf ein bestimmtes Training beschränkt und nicht alles gleichzeitig macht. Das kann den Hund leicht überfordern und führt dazu, dass man zwar alles ausführt aber unterm Strich nichts richtig beherrscht. Ausnahmen bestimmen die Regeln. Es gibt Hunde, die gehen richtig auf dabei und möchten 5 Tage die Woche etwas anderes.. Doch das sollte gut überlegt sein.


Der Hund immer und überall


Ich habe mit Vela mal eine echte nette Dame getroffen mit einem Hund. Wir trafen uns ab und an zum Laufen, doch ich musste schnell feststellen, dass es zunehmend anstrengender wurde. Wir liefen immer gerne tief im Wald spazieren, wo man wirklich niemanden traf. Doch alle 10 Meter, blieb sie stehen und rief ihren Hund, immer und immer wieder. Das machte den armen Tropf an Hund ganz wuschig. Denn einfach mal die Umwelt wahrnehmen oder in Ruhe schnüffeln, war für ihn nicht möglich. Wir blieben immer wieder stehen, weil der Hund irgendetwas machte, wo das Frauchen dachte, dies sei nicht gut für ihn. Im Sinne von
„Nein, schnüffel dort nicht, Nein, lass den Ast liegen, Nein, lass die Kastanie fallen und so weiter. Ihr Hund machte das nicht, weil er diese Dinge fressen oder verschlucken wollte, er war einfach nur neugierig.
Es wurde geraschelt, gerufen, gepfiffen. War ihr Hund wieder nah bei ihr, gingen wir weiter. Der Hund verstand natürlich nicht, was los war. Was zur Folge hatte, dass er irgendwann gar nicht mehr kam, wenn sie ihn rief.

Unser Prinzip.. auch mal Laufen lassen

Unser Prinzip.. auch mal Laufen lassen

Zunehmend merkte ich, dass auch Vela das nervös machte, weil es schlichtweg unruhige Spaziergänge waren. Leider tat uns das nicht besonders gut und ich musste diese gemeinsamen Spaziergänge freundlich beenden. Es war einfach anstrengend, nicht nur für meinen Hund. Vor einigen Monaten traf ich sie wieder und ihr Hund war nerventechnisch ein Frack. Sehr nervös und schon fast ängstlich. Ich konnte mich einen Moment mit dem Frauchen unterhalten und sie sagte mir, wie sehr sie doch ihren Hund liebt und alles für ihn tun würde …

Als ich weiterging, frage ich mich ernsthaft, was wir manchmal unseren Hunden antun? Sie brauchen liebe, ganz klar. Denn Hunde sind sehr soziale Partner, sonst könnten sie kaum mit uns zusammenleben. Doch auch sie brauchen mal ihre Ruhe, keinen Druck von oben und wir müssen ihnen den Raum geben Hund zu sein. Raum für Fehler lassen, denn nur dann können wir es verbessern, wir sind ja auch nicht perfekt. Doch oft kompensieren wir vieles am verhalten durch den Hund. Oder sie drücken ihre liebe sehr drastisch aus, was aber für den Hund alles andere als schön ist.

Distanz schafft nähe..

Ich denke, dass unsere Hunde mit weniger oft glücklicher wären. Hier ein Keks, da einen Knochen, ist immer etwas Schönes. Doch Ebenmäßigkeit in diesem Thema macht den Hund auch oft krank. Appetitlosigkeit, Übergewicht bis hin zu Depressionen können die Folge sein.
Selber hatten wir das Thema bei Vela … Sie isst sehr wenig und ungern. Einige Futterwechsel und Gespräche später war klar, unserem Hund ist futter einfach nicht so wichtig. Es liegt nicht am Futter, sie war kern gesund und hat ein gutes Gewicht. Halte ich ihr jedoch ein Leckerchen hin, ist das nett aber nicht super geil.. Sie will etwas dafür tun, sie will es nicht einfach so – Suchspiele waren da ideal.
Gerne habe ich ihre Futterrationen (bei Trockenfutter) einfach mit einem Schwung in der Wohnung verteilt, quasi ausgekippt mit Schmackes. Siehe da, futter war wieder super. Sie lief durch die Wohnung und sammelte es auf.

Maßnahme 2 war, zuhause alles was essbar für den Hund rumlag wieder einzusammeln. Den riesen Knochen im Körbchen, das Hasenohr im Flur. Als wir alles wegpackten, wurde reguläres Futter wieder viel interessanter und sie hat wieder besser angenommen.
Das Wort hierfür war einfach Überflussaus sorge und liebe haben wir ihr damals alles gekauft und ihr hingehalten, sie wollte nichts. Als wir ihr alles wegnahmen und ihr kleine Portionen mit Arbeit anboten, fraß sie wieder.

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Es ist viel schöner unD Sinnvoller wenn sich Vela nach mir umdeht… und nciht umgekehrt

Immer dem Spruch voran.. Distanz schafft nähe..
Wir kuscheln, küssen und knuddeln unsere Hunde, alles sehr schön und es tut allen beteiligten gut. Jedoch braucht unser Hund auch mal seine Ruhe und hat mal die Schnauze voll. Viele Besitzer fragen mich: „Was soll ich tun, damit mein Hund zu mir herkommt?“ Meine Antwort auf die Frage ist immer öfter: „Dann müssen sie erst weggehen … Oft bekomme ich verdutzte Gesichter. Doch wenn ich den ganzen Tag mit meinem Hund verbringe und ihn abends noch kuscheln will, ist es dem Hund schlichtweg zu viel. Er geht in sein Körbchen oder auf seinen Platz. Ist man aber mal nicht da, arbeiten oder man geht aus und kommt wieder heim, ist oft zu beobachten, wie sich die Hunde freuen, dass man wieder da ist. Sie kreisen um einen und bekommen nicht genug von einem. Oft braucht es erst Abstand, um nähe wieder herzustellen. Ich persönlich finde es oft noch viel schöner, wenn ich mal nicht da bin und abends kann ich Vela ausgiebig auf dem Sofa kuscheln. Sie drückt sich an mich und genießt die Nähe und die Zuneigung. Doch insgeheim weiß ich, dass sie auch mal froh ist, wenn ich nicht da bin:d bei uns beiden war es ein langer Prozess, denn auch ich war ein Helikopter Frauchen . Doch wir haben gelernt das (jetzt kommt wieder mein Lieblingsspruch) Distanz nähe schafft. So ergänzen wir uns gut und lernen, trotz eines sehr innigen Verhältnisses, dass jeder auch mal Zeit für sich braucht und das ist für mich die wahre Definition von liebe.

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5 Kommentare

  1. Sarah sagt

    Liebe frauvela,
    Ein eigentlich toller Bericht. Ich würde gerne mehr lesen, muss aber ehrlich sagen, dass mich die Großschrift etwas anstrengt zu lesen. Und ich habe keine Seh- oder Leseschwächen 😉
    Vielleicht so als Anregung…
    Liebe Grüße
    Sarah

  2. Pingback: Ich bin eine Hundeversagerin 2.0 |

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