All in, Trainerleben
Kommentare 1

Hundetrainerin – indivuduelle & pauschaliesierte Dolmetscherin für Hunde

Seit meinem Artikel meine Trainermethoden? Die Bedürfnisse eines Hundes, sind nun einige Monate vergangen. Jetzt ziehe ich meine erste Bilanz, nach der Vielzahl an Prüfungen. Den ersten Trainings und Menschen, die ich in den letzten Monaten begleiten durfte. Es war eine spannende Anfangszeit, die voller Höhen und Tiefen war. Ich lese meinen Artikel vom Oktober erneut und denke – ja genauso denke ich immer noch und irgendwie doch ein bisschen anderes.

Jeder Hund ist anderes …

… Das macht es oftmals schwer, ein passendes Training oder den richten Ansatz zur Problembewältigung zu finden. Aber ist das wirklich so?

Was sich nicht unterscheidet, ist die Sprache der Hunde! Die Körpersprache. Diese sieht zwar bei jedem Hund immer etwas anderes aus, sie drücken damit jedoch immer die gleichen Gefühle aus, dabei jedoch in unterschiedlicher Intensität – ich muss im Nachhinein schmunzeln, wenn ich an die Zeit denke, wo wir tagelang mit dem Bauch auf der Wiese lagen, um Hunde beim Training zu beobachten. Egal welche emotionale Situation oder reiz beim Hund eintraf, es war sehr spannend und mehr als anstrengend, denn nach Stunden langen liegen kommt man so schlecht hoch. Natürlich ist dies nach der Ausbildung nicht vorbei, doch ich merke jetzt, wie gut man Hunde lesen kann und das Thema „jeder Hund ist unterschiedlich“ zwar ein großes Thema ist aber wesentlich mehr braucht. Natürlich ist jeder Hund unterschiedlich, doch die Sprache bleib. Ist das also das Geheimnis?

Ich erkenne, wie tief die Angst oder wie groß die Freude ist. Somit kann ich im Training, Einheiten verstärken oder abschwächen, um es für den Hund so stressfrei und spaßig wie möglich zu machen. Davon profitiert natürlich auch der Halter. Individuelles Training für einen individuellen Hund durch erlernte Kommunikation. Ist also eine Hundetrainerausbildung eher eine Sprachschule?

Ich habe mir vor 2 Jahren große Sorgen gemacht, wie man lernen soll, so viele verschieden Charaktere zu trainieren. Dabei finde ich, ist die Sprache der Schlüssel zu allen. Wenn ich nach genauer Analyse weiß, wie tief ein Problem bei einem Hund sitzt, kann ich gleich ohne den Hund unnötig stress auszusetzen, ein ganz auf ihn zugeschnittenes Training anbieten. Ist das nicht super?

Pauschalisieren in einer individuellen Welt.

Das Thema der Pauschalisierung ist immer so eine Sache. Ich denke, man kann keinen Hund pauschalisieren, da jeder Hund anderes ist. Aber trotzdem ist Pauschalisierung in meinen Augen wichtig. Denn eins ist klar, kein Hund findet es zum Beispiel gut, geschlagen zu werden (extrem Beispiel) alle Hunde finden das milde gesagt, schlecht. Zack eine Pauschalisierung. Es folgt immer eine negative Reaktion auf einen negativen Einfluss – ein Hund kann zum Angriff übergehen oder weglaufen. Beides negativ. Es gibt auch negative Reaktionen auf positive Einwicklung – zum Beispiel will ein fremder Vela streicheln- dies mag sie gar nicht und reagiert mit knurren. Es wird jedoch nie eine positive Reaktion, auf eine negative Einwirkung geben – denn kein Hund wird sich freuen, wenn er geschlagen wird.

Ist Pauschalisierung also immer etwas Schlechtes? Ich sage Nein. Es gibt einfach Bedeutungen in der Handelssprache, die klare Signale aussenden. Hier wieder, der diskusionsklassiker – das Hochnehmen. Seit Wochen wird über dieses Thema diskutiert. Ich finde es super spannend und lese viele Meinung dazu. Jedoch gebe ich zu, ich pauschalisiere das Hochnehmen! Und ich stehe dazu, weil es hier für mich keinen Verhandlungsspielraum gibt.

Ich bin immer offen, doch ich hatte bereits das Vergnügen, namhafte internationale caniden forscher mit diesem Thema konfrontiert zu sehen und die Reaktion von Mensch und Hund ist immer gleich. Das ist nicht als angeben von mir gemeint, sondern einfach eine Tatsache laut Jahrzehnte lange Forschung am Tier und Mensch.

In einigen Artikel habe ich es bereits geschrieben. Tiere werten sich gerne auf, durch eine Höherstellung ihres Körpers – was in der Tierwelt immer passiert. Der Bär stellt sich auf die Hinterbeine zum Kämpfen um seinen Körper Ausdruck zu verleihen. Der Hirsch neigt seinen Kopf vor dem Kampf erst in die Höhe, um den Gegner einzuschüchtern. Der Chef, der seinen angestellten feuert, lernt im Studium, das der Mitarbeiter sitzen sollte und er selber steht, denn auch wir sind nur Tiere! Zeigt ein Hund Unterwürfigkeit duckt er sich, was macht er also bei einem Kampf? Genau er baut sich erst mal auf. Wenn der Mensch den Hund nun noch höher nimmt, ist das Chaos perfekt. Ich bin mir sicher, der hochgenommene Hund wird irgendwann lernen, dass dies für ihn etwas Tolles ist, da der Mensch in die Kommunikation des Hundes eingreift. Es kommt zur Konditionierung.

Doch der andere Hund wird es nicht verstehen und entsprechend reagieren (genaueres dazu findet ihr hier>>).

Ich denke, Pauschalierung im Hundetraining ist Gift, doch es gibt einfach auch Dinge, die um eine Pauschalisierung nicht herum kommen. Ich lasse mich ja auch nicht ins Gesicht schlagen und bedanke mich freundlich. (Ist jetzt etwas hart formuliert) natürlich gibt es auch bei Hunden immer ausnahmen, auf diese ist man manchmal weniger und manchmal mehr vorbereitet. Hunde die nicht richtig hündisch gelernt haben oder an die falschen Menschen geraten sind, dann sollte man dem Hund wieder hündisch beibringen und nicht menschlich.

Ich gebe zu, dass ich bislang Menschen nicht verstehe, wenn sie sagen, dass sie ihre Hunde hochnehmen, zum Beispiel, wenn er bellt. Dafür habe ich sicher noch nicht die notwendige Gelassenheit zu sagen – alles klar, dann macht ihr dies eben so. Ich akzeptiere es, kann es aber nicht nachvollziehen. In Training gibt es auch Menschen, die dies tun – und wenn sie es gerne machen dann kann ich nur meinen rat dazu geben – mehr aber auch nicht.

Ich freue mich, dass meine Meinung über individuelles Training und Herangehensweise an Probleme bis heute sehr erfolgreich ist. Man kann auch ohne Brecheisen Methode zum Ziel kommen. Mit Zeit, Geduld, Kommunikation, Vertrauen und vor allen mit einer positiven Ausstrahlung vom Halter, ist das Problem schon halb Geschichte. Der Mensch hält mehr Zügel in der Hand, als er denkt und dies ist der endscheidende vor- und leider auch Nachteil beim Training mit Hunden. Es steht und fällt mit dem Halter.

Dolmetscher für Hunde

Die meisten Probleme lassen sich auf eine fehlerhafte Kommunikation zwischen Mensch und halter zurückführen. Was will mein Hund mir sagen – denn mit der Rute Wendeln ist nicht zwangsläufig etwas Positives und knurren ist noch kein Anzeichen für einen aggressiven Hund. Es ist viel zu viel verlangt, dass jeder Halter, perfekt seinen Hund versteht und immer und genau weiß was er möchte. Wir sind ja schließlich auch nicht perfekt. Das ist es, was ich an meiner Arbeit so toll finde, wenn ich vermitteln kann zwischen Hund und Mensch. Denn es ist nicht nur wichtig, zu wissen, was der Hund dem Halter ausdrückt, sondern auch, was der Halter dem Hund mit seiner Körpersprache sagt. Als ich das vor Jahren mit Vela lernte, hatte ich wochenlang Muskelkater, weil ich mich immer neu ausrichten musste.

Verhaltensstudie der Hunde

Grade die Bücher von Dr. Urd Feddersen und Petersen sind alles andere als leichte Kost, dies sind keine Bücher, die man mal eben so vor dem Einschlafen liest. Ich habe es gehasst, dass diese Bücher so gut waren. Gefühlt jedes 3 Wort musste ich nachschlagen, um überhaupt einen Satz zu verstehen. Erst nach und nach verstehe ich, was sie mit ihren Worten gemeint hat. Ich denke, das wird auch noch einige Jahre so gehen und ich muss definitiv noch einiges lernen! Günther Bloch war mir da mit seinen Büchern auch immer sehr hilfreich und ich bin über den Beweis froh, dass forscher noch umgangssprachlich scheiben können, trotz jahrzehntelanger Erfahrungen.

Den Hund zu verstehen, ist eine sehr hohe Kunst, die man vermutlich ein Leben lang studieren muss, das ist klar. Ich freue mich, dass ich die Grundlagen bislang lernen durfte und mit dem Verhaltensstudium noch besser lerne, warum die Tiere so reagieren wie sie es tun.

Ich bin mir sicher, dass meine Meinung: „Jeder Hund braucht ein individuelles Training“ sich nie ändern wird. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass über Jahre sich Methoden zeigen werden, die auf einen größeren Teil der Hunde anwendbar sein werden. Es wird immer Ausnahmen geben, Extremfälle und vieles mehr. Doch ich denke, die aussagen „jeder Hund braucht immer ein individuelles Training“ sollte man nicht immer so ernst und genau nehmen. Wenn man in die Handelsschule geht, sind meist auch 4-8 Hund Mensch Team in einem Training. Die nach der gleichen Methode lernen, leinenführig zu sein. Ist das also auch gleich eine Pauschalisierung? Oder Zufall dass alle 4-8 Hunde das gleiche Training brauchen? Es wird immer einen Hund geben, der die Methode nicht auf Anhieb versteht, gut findet oder damit zurechtkommt, doch dafür gibt es uns Trainer. Wir haben die Möglichkeit viele weitere Methoden aus dem Hut zu zaubern, damit der Hund das gleiche Ziel erreicht, nur mit einer anderen Methode …

Verhalten gegenüber Menschen.

Die meisten kommen, weil sie ein Problem haben. Ich erlebe oft, dass sie mit ihrer Laune, seelisch und ihrer Energie völlig am Ende sind. Positive Energie, Entschleunigung und erst mal wieder 10 Schritte zurück, ist für mich ein guter weg, um die Leute mit ihrem Leid „abzuholen“. Viele Menschen machen sich selber schlimmer Vorwürfe und von oben drauf zu hausen ist Gift für alle. Ich freue mich, wenn Menschen da waren, die keinen Ausweg mehr gesehen haben und man ihnen realistisch nach genauer Analyse einen positiven Ausweg geben kann, ohne die berühmten Versprechungen zu machen: In einer Woche sind alle geheilt, denn das wird nie so sein.  Ich habe das Gefühl, vor allen hilft den Menschen freundlich realistisch zu sein, ohne die wildesten Versprechungen zu machen.

Ich denke, es wird bei mir noch viele stunden der Tierbeobachtungen geben und eins weiß ich, ich kauf mir bald ein passendes Kissen dafür.

 

 

 

 

Merken

Merken

Merken

Merken

1 Kommentare

  1. Hey,
    schöner Artikel!
    Ich bin auch noch nicht lange im Geschäft und mir geht es wie dir… die Idee mit dem Kissen ist übrigens super (liegen eigentlich alle Hundetrainer rum?? )

    Ich denke auch, dass es sicherlich Methoden gibt, die für viele oder sogar die Mehrzahl an Hunden passend ist, dennoch ist es definitiv so, dass jeder Hund und vor allem auch jedes Mensch-Hund-Team einen ganz individuellen Weg geht. Aber auch das ist richtig und gut so! Genau das ist es auch, was mich an unserem Job so fasziniert
    Mehr Abwechslung im Job kann es doch nicht geben, von den ganzen Überraschungen im Form von „Special-Effects“ mal abgesehen.
    Verhalten, egal ob menschlich oder hündisch ist toll, gerade weil es so einzigartig ist.

    Liebe Grüße,
    Nicole

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.