All in, Trainerleben
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Kind, warum den Hundertrainerin?

Kind, warum den Hundetrainer? Das war einer der letzten Sätze von meiner Mutter an mich, zu diesem Thema. Beim Abendessen letzte Jahr, ließ ich die vermeidliche Bombe platzen und mein Vater verschluckte sich fast an den Erbsen, als ich sagte: „So ich mach jetzt die Hundetrainer Ausbildung im Hundezentrum“. Es war, als hätte ich etwas Schlimmes gesagt. Die Gesichtsausdrücke meiner Familie waren schon fast beängstigend, dann ging es los. (Ich hätte erst fertig essen sollen, das ist eins der Dinge, die ich an diesem Abend bereut habe!) Kind warum den ausgerechnet so was, mit der passenden negativen Betonung auf „so was“ ja warum? Frage ich mich natürlich schon weit vor ihnen. Für meine damalige Ausbildung bin ich früh zuhaue ausgezogen, sehr früh mit 15 Jahren mit 18 Jahren war ich bereits im Ausland, hatte tolle Jobs viel Geld und eine schöne große Wohnung.

Und? Was bringt mir dieses Leben, wenn ich abends nach einem klassischen 16 Stunden Tag vom Messegelände laufe und kaum noch etwas spüre? Es zwackt im Rücken, es drückt im eh schon kaputten Knie und der Kopf brummt. Nach 5 Stunden Schlaf klingelt der Wecker und ich robbe, krieche, kauere aus dem Bett wo der Fernseher noch läuft, weil ich doch versuchte, noch am Leben teilzunehmen. Mit 24 Jahre hatte ich eigentlich das, was ich immer wollte, eine Leitungsposition auf eine der größten Messegelände- in Bereich Catering in Baden-Württemberg. Viel Verantwortung. Viel Möglichkeit. Viel Stress. Von allen hatte ich viel, nur vom leben hatte ich nichts. War also das Leben mit 24 Jahre schon vorbei? Sollte ich diesen Job die nächsten 42 Jahre noch ausführen? Als ich mir diese Frage ehrlich stellte, ging nach und nach den Bach runter.  nicht weil ich es nicht schaffte, sondern weil ich nicht wollte. Ich war sehr gut in meinem Job, aber das war auch schon alles. Mehr hatte ich nicht.

wieder raus....

wieder raus….ganz schnell

Das Fernweh packte mich, die Reiselust, das Abenteuer. Alles hatte ich schleifen lassen um festzustellen, dass das was ich wollte. Na ja nicht wollte. Der einzige der zusätzlich zu mir leiden musste, war mein Freund. Weil er mir nicht helfen konnte. Ich konnte mir ja nicht mal selber helfen. Für mich brach eine Welt zusammen, als ich feststellte, dass alles Mist ist. Also was tun, alles so lassen oder neu machen?

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Gott, dass leben kann so =)(&)()&%=( sein

Es gibt den Einfachen und den Richtigen weg ….

Also eine Rundumerneuerung..

Schritt 1 // kündige deinen Job! Am letzten Tag ging ich ganz entspannt und frei aus dem Büro. Ich zog die Schuhe aus, krempelte die Hose ein Stück hoch und tanze förmlich zum Auto, doch was jetzt? Ich dachte; dass Schlimmste war geschafft. Ja. Denkst.

Schritt 2 // meinen Freund mal so richtig fest drücken! Das könnte ich sowieso jeden Tag aber er musste lange Zeit den Satz ertragen „was soll ich denn jetzt machen“ da hatte er das so was von verdient. Immer. Jeden Tag.

Nach dem ein oder anderen hoch – jetzt ein ganz anderen Leben zu führen, kam das tief, die Zweifel. Alles. Ach du sc****e. Was hast du getan? Ich war völlig fertig. Ich schlief den halben Tag, wenn es mir einiger maßen gut ging oder gar nicht, wenn ich panisch wurde. Zog mich nicht mehr groß um, als ich aufstand. Meine einzigen Bewegungen waren von Bett auf die Couch und wieder zurück. Es war wirklich die Hölle! Das unglaubliche Hoch, war einfach weg. Ich war stolz auf mich, dass ich den Mut hatte zu kündigen. Doch, war das wirklich mutig? Danach ging die Arbeit erst richtig los und das hatte ich völlig unterschätzt. Ich weinte den halben Tag, konnte mit meinem Leben nichts mehr anfangen. Wirklich nichts mehr. Ich glaube so, tief unten war ich noch nie … Warum ich das erzähle? Weil ich einfach ehrlich sein möchte. Dies ist nicht einer dieser Geschichten, wo es immer toll ist und mutig alles zu ändern. Ich hatte nur Panik und angst. Finanziell? Zukunft? Leben? Alles habe ich weggeworfen für ein Leben was ich noch nicht hatte, es gab nur eine Vorstellung davon.

Doch irgendwann und das war erst Monate später! Wurde mir auch klar, dass ich grade alles an Zeit vergolde und ich wurde sauer auf mich selber …. Was ich als Erstes machte, mit dieser Erkenntnis? Erst mal bin ich duschen gegangen …

Schritt 3 // mal ganz tief in mich gehen, und die berühmte Frage stellen“ was macht einen wirklich glücklich, was soll ich mit meinem Leben anfangen“ ernsthaft. Ich dachte diese Frage stelle ich mir vielleicht mit 50 Jahren, wenn man auf sein Leben zurückschaut, aber doch nicht mit 24 oder?

Schritt 4 // wow ich dachte, wirklich alles war schon fast überstanden, dann ging es in den sozialen Netzwerken los, ich konnte mir einiges anhören von „die hatte einen Nervenzusammenbruch“ bis „du bist ja bescheuert, was du da tust“ was war denn dabei, einmal alles neu zu machen? Ist doch nicht deren Leben! Idioten. Durchhalten, dachte ich . Accounts löschen! Überall! Fertig.

Schritt 5 // feststellen, dass nicht alle Freunde, Freunde sind. Das war einer der schwersten Momente überhaupt festzustellen, dass man selber anfängt glücklich zu sein oder auf den Weg dahin ist. Jedoch alle anderen regelrecht beleidigt sind, dass ich gegangen bin – oder jetzt was anderes mach – ich verstand die Welt nicht. Niemand unterstützte mich groß von meinen „Freunden“ alles was ich zu hören bekam, waren Sätze wie „du kommst eh wieder“ oder „das ist nur eine Phase“. Die ganze Klassiker Parade. Zum Würgen. Danke. Idioten².Immer noch durchhalten… dann eben alleine.

Schritt 6 // ein Plan musste her. Ziemlich schnell waren wir uns sicher, was wir wollten und wo wir hin möchten. Der 1. Schritt dahin war die Hundetrainerausbildung. Mit frau Vela habe ich nach der Kündigung noch intensiver trainiert. Blümchen Agility, Teamtraining, Seminare, dass volle Programm und ich fand langsam wieder zu mir selber und vor allen zu meinem Hund. Das Hundezentrum bildet im Jahr 2×2 Personen aus. Ich war spät dran da ich nur durch Zufall erfahren habe, dass dort ausgebildet wird.

Schritt 7 // gib alles – so nun war es amtlich. Ich mach die Hundetrainerausbildung, selbst bezahlt. Leider ist der Beruf des Trainers nicht beschützt, heißt jeder darf sich Hundetrainer nennen sehr traurig aber ich finde man merkt schnell, wer gelernt ist und wer nicht. Also war die Motivation noch besser, als gut zu sein, sehr hoch.

Schritt 8 // nicht alles, was Hund falsch macht, ist auch Hund schuld. Meine größte Erkenntnis – bis jetzt. Menschen sind so gut wie immer schuld am Verhalten des Hundes. Punkt. Hunde sind viele intelligenter. Punkt. Oft habe ich das Gefühl ich lernen vor allen Menschen zu lesen. Traumhaft. Wir bilden die Menschen aus zu verstehen, was der Hund ihnen sagen möchte. So sollte es auch sein.

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Hundewanderung… früher nicht möglich

Nun, ein Jahr später kann ich zwar noch nicht sagen, dass ich absolut am Ziel angekommen bin, doch wir sind auf den Weg dahin und unterwegs haben wir viele Menschen verloren die so viel Jahre wichtig für einen waren, dachte ich zumindest. Mein Hund hat stark dazu beigetragen, dass wir heute da sind, wo wir sind. Und das ist gut so! Auch wenn es oft beschissen ist und schwer bin ich für den Tag dankbar. Denn was ich nicht mehr möchte, ist so ein Leben zu führen wie früher.

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Die zwei haben sich endlich neu kennengelernt

Es ist traurig das die Menschen, oft nur an sich denken. Ich habe nie verlangt, dass mein Umfeld diese Entscheidung „super geil findet “ oder „völlig abgehen vor Freude“ aber man sollte Entscheidungen anderer akzeptieren oder wenigsten respektieren. Leider schafft das nicht jeder. Ich / wir mussten das auf die harte Tour lernen.

Uns macht das alles nur stärker… .*chaka* ihr Zweifler.

Wir haben unseren Weg gefunden

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4 Kommentare

  1. …vor allem ist es traurig, dass deine Entscheidung eigentlich keinen Einfluss auf dein äußeres Umfeld hat, außer das du vielleicht andere Arbeitszeiten hast – die für die Pflege von sozialen Kontakten in dem Fall wohl sogar besser wäre, von dem was du erzählst, aber das sind Menschen….
    Manchmal muss man das Alte einfach alt sein lassen um sich neuem zu widmen. Aus seinem Gefängnis ausbrechen und neue Wege suchen. Ich ziehe den Hut vor dir und deinen Entscheidungen.
    Das Wichtigste überhaupt ist doch, dass es dir und deinen Liebsten es gut geht. Da gehört das körperliche sowie das seelische Wohl dazu.

    Mach weiter so und lass dich nicht unterbuttern. 🙂

    • FrauVela sagt

      Vielen Dank für deine sehr lieben Worte, ja die Menschen sind schon ein komisches Volk 😉 aber wie man dann so schön sagt, man lernt Menschen erst in „Negativen“ oder eher gesagt ernsten Situationen kennen. Ich bereue keinen Schritt den wir hier gemacht haben, was aber nicht heißt das der Weg bis dahin toll oder einfach war.

  2. Wie schlimm, dass dich nicht jeder in dem unterstützt, was du machen willst und was dich glücklich macht.

    Selbst wenn du in 5 oder 10 Jahren sagst, dass dich der Hundetrainer nicht mehr glücklich macht, dann kannst du doch immer wieder was neues lernen. Wir leben nicht mehr vor 30 Jahren, wo man einen Job sein ganzes Leben lang machen musste. Wir haben das Glück, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen. Und so lange du mit dem finanziellen auskommst und es für euch und euren Lebensstandard reicht, ist doch alles gut?!

    Mach weiter so!

    Liebe Grüße
    Dini

    • FrauVela sagt

      Liebe Dinni, vielen Dank für deine Worte. Genau das habe ich mir auch gedacht 1 zu 1 😀 und jetzt muss ich mich noch als Fan deines Blogs Outen, Liebe Grüße Anke und die Rasselbande

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