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Kinder und Hunde – Der richtige Umgang muss gelernt sein, oder nicht?

Wenn Hunde auf Kinder treffen oder wie viel Hundebesitzer bestätigen, wenn Kinder auf Hunde treffen – bekommen alle beteiligten ein mulmiges Gefühl im Bauch. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen, zwischen Kindern und Hunden und dann bleibt die ewige Frage, wer hat denn jetzt schuld? Hund? Kind? Eltern? Alle? Täglich begegnen wir Kindern und ich muss immer wieder feststellen, wie wenig die Menschen über Hunde und deren Umgang wissen, – und in dessen folge auch ihre Kinder. Entsprechend verhalten sich auch Kinder falsch. Doch muss man eigentlich den Umgang kennen? Oder ist das alles Mumpitz?

Wie soll sich eigentlich ein Kind gegenüber einem Hund richtig verhalten?

Die Devise heißt eigentlich ruhig bleiben, doch Kinder reagieren oft falsch. Sie rennen, sie schreien, sie wedeln wild mit dem Armen – es sind ja auch Kinder. Doch es ist oft Horror für die meisten der Hunde. Wie sollen Kinder wissen, wie sie sich richtig verhalten? Ich bin der Meinung, hier sind die Eltern in der Pflicht! Egal ob man jetzt einen Hund hat oder nicht – alle Eltern sollten sich angesprochen fühlen. Denn Kinder treffen in den meisten Alltagssituationen auf Hunde. Daher halte ich es für wichtig auch Kindern aus Familien ohne Hunde, im Haushalt den Umgang mit Hunde zu erklären und wenn Hunde im Haushalt sind, dann erst recht.

Eltern, die man zum Mond schießen könnte …

Wer kennt sie nicht, „diese“ Eltern. Die schon ihre Kinder auf den Arm nehmen, wenn man nur mit einem Hund an ihnen vorbeiläuft. Dabei werden Sätze gebrabbelt wie „ne der ist böse“ oder „der beißt“ liebe Eltern? Wieso wundert ihr euch eigentlich noch, warum eure Kinder Angst vor Hunden haben? Es doch klar, wenn ich einem Kind immer und immer wieder bei einem Hund auf dem Arm nehme und derartige dinge sage, dass Kinder panische Angst bekommst und sich diese Angst entwickelt! Oftmals wird diese Angst geschürt, von den Eltern die selber, Angst vor Hunden haben.

Eltern haben eine Vorbildfunktion auch bei der Hundeerziehung.

Das „hochreiß“ Prinzip der Eltern bei Kindern, kann schlimmere Folgen haben, als viele denken. Oftmals reißen die Eltern rückartig die Kinder in die Höhe, grade dieses Hochreißen und die baumelnden Beine, finden die Hunde beängstigend, spielauffordern, interessant oder bedrohlich. Ich persönlich sehe es als Pflicht, den Kindern beizubringen einen gesunden Respekt vor anderen Tieren zu haben und wie man sich auch als Kind verhalten sollte. Gleichzeitig müssen auch Eltern lernen und wissen wie man sich zu verhalten hat.

Ein Hund ist kein Spielzeug.

Jeder Hund ist anderes, kennt man einen Hund also nicht, kann man auch nicht wissen, welche Erfahrungen er in seinem Leben mit Menschen oder speziell mit Kinder bisher gemacht hat. Einige sind extrem dankbar und lieben selbst, den oftmals gröberen Umgang. Doch manchmal kann die kleinste Bewegung beim Hund Angst oder stress auslösen und zum Angriff kommen. Das passiert selbst den besten Familienhunden.

In einigen Beiträgen habe ich ja beschrieben, wie sehr auf die Körpersprache von Hunden zu achten ist. Kinder können das einfach noch nicht wissen, daher ist es umso wichtiger, dass die Eltern wissen – wann auch mal genug ist. Auch für den sozialsten Familienhund, der immer gerne mit Kindern spielt und täglich Kindergeschrei und Co ausgesetzt ist; kann es auch mal zu viel werden. Daher noch mal, der Hund ist kein Kuscheltier und erst recht kein Spielzeug! Er ist und bleibt ein Hund.

 

Familien, die einen „Familienhund“ möchten oder haben sollten genauso viel Energie in die Ausbildung des Hundes stecken, wie in das der Kinder beim Umgang mit Hunden.

Wie bring ich meinem Kind das jetzt bei?

Inzwischen bieten viele Hundeschulen spezielle Kurse an, um mit Familien mit oder ohne Hund Kindern den richtigen Umgang beizubringen, mit speziell ausgebildetem Hunde lernen Kinder wie sie sich verhalten sollen, wenn ein Hund auf sie zukommt oder wenn sie einem Hund begegnen.

Der Verband für das deutsche Hundewesen, hat dazu eine Broschüre rausgebracht. Für das 1×1 der Kinder im Umgang mit Hunden. Ich muss sagen, ich finde sie wirklich gut. Es vermittelt den Kindern gut das 1×1 des verhalten gegenüber Hunde. Hier kommt ihr zur Seite und zum kostenlosen Download der Broschüre „12 goldene regeln im Umgang mit Hunden“ ist übrigens auch für Erwachsene hilfreich!

Wenn Kinder bereits Angst vor Hunden haben, ist es ratsam diese Angst wirklich ernst zu nehmen und nicht zu ignorieren oder zu schüren. Ich finde, oftmals wird die Angst vor Hunden einfach so hingenommen, das ist sehr schade und traurig. Da betroffene ihr ganzes Leben damit leben, das muss nicht sein. Auch Tierheime bieten an bei besonderen sozialen Tieren unter Aufsicht von geschultem Personal an, dass Kinder und alle Familienmitglieder wieder dem Hund näher gebracht werden.

Hier einige Tipps für den täglichen Umgang mit fremden und bekannten Hunden:

Nie ungefragt anfassen – fragt den Hundebesitzer, ob es möglich ist den Hund anzufassen- das schätze ich persönlich auch bei erwachsenen.

Nicht ärgern – Kinder sollten den Hund nicht ärgern also hauen, an den Gliedmaßen ziehen oder sonstige skurrile Dinge mit einem Hund tun – eigentlich selbstverständlich doch wir wissen wie es oft aussieht.

Nicht stören – isst, trinkt oder schläft der Hund, sollte man ihn nicht stören, auch der Hund braucht seine Zeit, seine Ruhephasen und Fresszeiten.

Freundlich und neutral nähern – niemals sollten Kinder frontal auf einen Hund zu rennen, schreien oder mit dem armen wedeln, das wirkt nur bedrohlich für den Hund.

Keine Provokation durch Blickkontakt – Kinder sollten lernen, Hunde nicht direkt in die Augen zu fixieren, das kann zur negativen Provokation führen.

Atmen lassen – Hunde sollten immer eine Fluchtmöglichkeit haben, sollte es ihnen zu viel werden. Kinder sollten daher nie den Hund in eine Ecke treiben oder Ähnliches

Hündisch respektieren- Hunde kommunizieren mit Körpersprache, sensibilisieren sie ihre Kinder für das Thema.

Spielen mit Bedacht – Kinder und Hunde sollten nur unter Aufsicht „spielen“ für die meisten Hunde ist es nämlich alles andere als lustig oder spaßig, wenn sich ein Kind zur Aufgabe gemacht hat zu spielen.

Auch die Hundebesitzer in der Verantwortung. Feste Ruhezeiten, Möglichkeit sich zurückzuziehen und das wissen über den eigenen Hund sind Grundsätze einer Hundehaltern- in meinen Augen. Das ist mehr als nur wichtig – natürlich holt man sich einen Hund für die Familie, doch die Bedürfnisse des Hundes, dürfen dabei nicht zu kurz kommen und in den Hintergrund gedrängt werden.

Kinder mit einbinden in die Hundeerziehung.

Warum sollte ihr Kind kein Spaß beim Hundetraining haben? Auch Kinder sind ein Teil der Familie und der Hundeerziehung, von der Welpenschule bis zum Teamtraining können Kinder mitwirken, helfen und auch selber den Hund führen. So lernt nicht nur ihr Kind den richtigen Umgang, sondern auch der Hund! Win win also für beide! Auch das Training ist ein Hobby. Warum kann Hundetraining oder Sport kein Hobby für Kinder also sein?

Unsere Erfahrungen

Bei uns scheiden sich wirklich die Geister, oft begegnen wir Eltern, die sich bewusst Zeit nehmen oder uns ansprechen. (Leider) kann ich Vela, nicht lange Kindern aussetzten, doch ich freue mich, wenn mich Eltern ansprechen. Sie dürfen Vela genau anschauen und ich erkläre ihnen gerne, warum sie so eine Angst hat. Alle Kinder freuen sich darüber, dass sich auch mal die Hundebesitzer Zeit nehmen. Es ist mir zwar erst 2-mal passiert aber immerhin. Leider begeben wir uns häufiger in Situationen, wo ich lieber meinen Hund auf dem Arm nehmen würde. Die Kinder schreien und rennen wild um uns herum. Bellt frau Vela dann bekomm erst mal ich eine auf den Deckel! Warum der Hund ja sooooo böse ist, gestresst ist und bellt. Leider juckt es die Eltern oftmals wenig, was ihre Kinder grade meinem Hund antun. Ich bin inzwischen so selbstsicher mit Vela, dass ich die Eltern schlichtweg anspreche sie mögen bitte ihre Kinder von uns „fernhalten“ denn auch ich bekomme innerliche Schweißausbrüche, wenn um uns 3 Kinder tanzen und frau Vela zunehmend gestresst wird. Als Hundebesitzer oder eher gesagt als Mensch, hat man seine Augen einfach nicht überall.

Was können Hundebesitzer tun?

Kommen schreiende Kinder auf einen zu kann man oft nicht viel machen, was man jedoch vermeiden sollte, sind Dinge wie die Leine kürzer nehmen, gestresst wirken oder sauer. Druck erzeugt Gegendruck! Sprecht die Eltern an, daran ist nichts falsch. In erster Linie sollte man daran denken auch seinen Hund zu schützen. Verweilt nicht lange in dieser Situation. Tief durchatmen und lieber einen Schritt schneller dran vorbei. Positiv Bestätigung hilft euren 4 Beiner.

Die Presse liebt böse Hunde.

Ja die Schlagzeilen wenn Hunde Kinder beißen, sind immer sehr dramatisch und direkt:

„Hund beißt Kind fast tot“.

„Harmloser Hund packt plötzlich zu“.

„Kind von Hund ohne Grund angefallen“.

Und so weiter …. Erst mal und das ist meine Meinung, beißt kein Hund grundlos. Natürlich gibt es Hunde mit besonders schweren Aggressionen die sogenannten idiopathischen Aggressionen. Diese sind besonders schwer und richtet sich einfach gegen alles, wirklich alles. Hier fällt aber oftmals die schwere auf- es passiert also öfters und nicht speziell gerichtet. Die meisten Hunde mit derartigen Problemen werden eingeschläfert. Doch liest man diese Zeitungsartikel, heißt es meist – „bislang war der Hund unauffällig“ oder „Kind hat mit Hund gespielt“ Zeitungsartikel wie diese, sind in meinen Augen der Beweis, wie wenig sich die Menschen mit Hunden Auseinader setzten. Der Hundebesitzer ist in der Pflicht seinen Hund zu kennen und gut zu führen, die Eltern sind in der Pflicht die Kinder für den Hund zu sensibilisieren.

Es ist schrecklich, dass so was passiert, doch und das finde ich fast noch schlimmer. Ist immer der Hund Schuld und sofort böse! Sind nicht auch die Eltern in der Verantwortung? Genauso wie der Hundebesitzer- man durchleuchtet gar nicht erst die Situation – ob der Mensch egal welches alter er hat das Tier provoziert oder gereizt hat. Meist sind die Besitzer total perplex, wenn so etwas passiert. Für mich ein Manngeldes Hundewissen, kommt dann noch Unwissenheit von Kindern oder anderen Menschen dazu ist eine Katastrophe eigentlich unvermeidlich. Doch den kürzeren hat meistens der Hund gezogen. Er wird auf die Rote Liste gesetzt, eingeschläfert oder als gefährlich eingestuft.  Für einen Hund ist der „Biss“ die letzte Möglichkeit zu regalieren, vorher wird entweder die Flucht gesucht oder mit Drohverhalten versucht, den „gegen“ auf Abstand zu bringen. Zum Beispiel (anspringen, knurren, bellen, wegschauen, Ohren anlegen, und vieles mehr).

Erst wenn nichts aber auch nichts mehr geht,  beißt ein Hund zu, also geht dem „biss“ einige Situationen und Verhaltensweisen vom Hund voraus. Doch Behörden nehmen sich dafür oft keine Zeit. Nach einem biss sind die meisten Hunde, völlig verängstig und entwickel Verhaltensstörungen. Den auch für den Hund ist eine traumatische und stressige Situation. Für beide Parteien ist diese Situation alles andere als gut. Schade finde ich, wie gesagt das ist meine persönliche Meinung, dass die Stimme des Hundes des Warums viel zu wenig gehört wird. Wir als Menschen sind dafür verantwortlich! Egal ob nun Besitzer, Eltern oder Kindern

Und was tun wir? Wir bestrafen die Hunde dafür. Typisch Mensch …

 

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  1. Da mein Hund Kinder absolut gruslig findet, gehen wir Kindern sowieso nach Möglichkeit aus dem Weg. Und sollte ein Kind auf uns zukommen, warne ich rechtzeitig. Es gibt immer Situationen, in denen sich eine gewissen Nähe nicht vermeiden lässt. So z.B. im Restaurant. Leider knurrt mein Kleiner schon, wenn sich ein Kind am anderen Ende des Raumes bewegt. Und mit Kindern üben ist schwierig, schließlich will man sie keiner Gefahr aussetzen. Uns bleibt nur, evtl. vor einem Kindergarten am Zaun stehen zu bleiben, in der Entfernung, die für meinen Hund noch auszuhalten ist. Meist allerdings will er nur flüchten, wenn er Kinderstimmen draußen hört. Dann flüchten wir halt. Da meine Kinder schon erwachsen sind, haben wir zum Glück zu Hause kein Problem, nur unterwegs.

  2. Anika sagt

    Sehr gut geschrieben. Das ist ein sehr wichtiges Thema und sollte mehr verbreitet werden.
    Meine zwei Hunde kennen Kinder und lieben sie überalles. Vorallem meine kleine Hündin.
    Trotzdem lasse ich fremde Kinder unter 10 Jahren nicht an meine Hunde ran. Nicht weil ich glaube das jüngere unfähig sind mit ihnen umzugehen bzw sich richtig verhalten können- sondern weil meine zwei Hunde sehr Wild sind. Der Größe kann alles niederrennen vorfreude und die Kleine knabbert noch gerne an Händen. Das kann bei vielen Eltern schnell als Angriff gewertet werden.
    Sollten Eltern trotzdem ihre Kinder zu mir schicken, im glauben das sie meine Hunde streicheln dürfen, sage ich ganz klar „Nein“.
    Auch meine Kinder dürfen keine Fremden Hunde streicheln und auf sie zustürmen. Wobei meine Kinder unter 6jahre alt sind verstehen sie sehr gut was ich meine. Ich habe sie sensibilisiert und erklärt das auch Hunde angst haben können und sich verteidigen. Da denke ich das es gut ist wenn die Kinder mit Hunden groß werden.
    Auch zuhause gibt es klare Regeln. Wenn die Hunde fressen, trinken, schlafen oder miteinander Spielen darf keiner der Kinder die Hunde stören. Die Hunde haben eine Ecke wo die Kinder nicht hindürfen, das ist die Ruhezone der Hunde. Ich muss aber sagen das nicht immer alles so rund geht. Meine Kinder sind noch klein und selber etwas stürmisch. Da war es grade am anfang schwer. Doch ich denke das alles wichtige geregelt ist. Die Hunde werden nicht Dauer beschallt usw und die Kinder halten sich an die Regeln. Und die Hunde sind absolut Kinder lieb und ich Regel das treffen mit Fremden Kindern.

  3. Johanna sagt

    Wieder einmal ein super Artikel, ich bin echt deiner Meinung ich bekomm auch immer „Angst“ wenn ich Kinder treffe. Ich Lieben Kinder, doch die unberechenbarkeit macht ein kommisches Gefühl. Man wird gleich als „Nicht kinderlieb“ bezeichnet, was der absolute Blödsinn. Der Flyer ist auch wirklich Hilfreich. Danke

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