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Stressdefinition bei Hunden

Die Weihnachtszeit steht bevor, für viele heißt dies Stress. Die Zeit läuft für mich immer doppelt so schnell, wenn es jedes Jahr wieder kalt wird und auf Weihnachten zugeht. Diese Zeit kommt immer total überraschend. Man hat noch voll viel Zeit und plötzlich ist es soweit. Eigentlich wie jedes Jahr …

Nicht nur für mich, sondern auch für Vela ist diese Zeit oft stressiger als sonst. Alle verwandten stehen urplötzlich vor Tür. Als ob es nur an diesen Tagen Möglichkeiten gäbe, uns zu besuchen. Vor allen ich bin dann angespannt, da ich immer mindestens ein Auge auf Vela mehr habe. Eine falsche Bewegung und es könnte vielleicht knallen oder eben nicht. Ich mache mir viel Stress deswegen und versuche es mir nicht anmerken zu lassen, was oft schwer ist. Denn auch man selber trägt dazu bei, dass der 4 Beiner stress hat. Dazu zähle ich mich natürlich. Wie schon in den Artikeln, über Aggression und verteidigungsverhalten ist auch stress auch wesentlicher Bestandteil davon.

Wir haben ja bereits festgestellt, dass unsere Hunde kein klares denkverhalten zeigen können, wenn intensive emotionale Reaktionen auf den Hund einwirken. Es löst erhöhte Alarmbereitschaft aus und kann zur Flucht oder Kampf führen. Stress ist wichtig für unsere Hunde, weil durch stress Reizschwellen und Toleranz für verschieden Umweltfaktoren vermindert werden können.

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Definition von Stress.

Stress tritt beim Hund auf, wenn er einer Situation ausgesetzt wird indem er sich ändern oder anpassen muss. Das muss keinesfalls negativ sein. Stress kann innerlich entstehen, wenn der Hund zum Beispiel an eine Anforderung denkt oder von außen wie zum Beispiel durch Umwelteinflüsse. An Hunde werden ständig neue Anforderungen gestellt, vor allen in der heutigen Zeit. Schneller, besser, freundlicher, leinenführig im Schlaf lernen und am besten noch Mandarin sprechen. Hunde sind schon lange nicht „nur“ mehr Hunde und das kann auch schnell in stress und Anspannung ausarten.

Stress kann jedoch auch positiv sein, die pure Vorfreude, wenn Frauchen oder Herrchen nach Hause kommt oder das bevorstehende Training. Wie im Verteidigungsverhalten gibt es verschiedene Stadien von Stress, in Form von der bekannten Stress schwelle. Vela zum Beispiel reagiert gestresst und aufgeregt bei einem Radfahrer. Fahren jedoch 30 Radfahrer vorbei sieht es schon wieder anderes aus. Diese stress schwellen bei unseren Hunden sollten wir kennen, um auf sie zu reagieren und unserem Hund den Stress zu nehmen.

Stress schwellen.

Welche stress schwellen, hat euer Hund? Viele Hunde kommen mit großen stress zurecht, ohne die Schwelle zu überschreiten, und reagieren trotz aufmerksamen und angespannten verhalten sehr souverän. Bei diesen Hunden ist vermutlich das sympathische Nervensystem Dominat.

Vela hat viele Stressfaktoren, daher geht ihre Schwelle eher wie eine Kurve vonstatten.

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Das ist unser Stress Pegel, aufgezeigt an 3 Beispielen die unterschiedlichen Stress oder Reaktionen auslösen können bei uns. Der Spaziergang löst bei Vela positiven stress bereits aus, wenn ich die Schuhe anziehe. Sie tanzt um mich rum und stubst mich mit ihrer Nase ans Bein. Es steigt bei ihr noch weiter an, wenn ich das Auto geparkt habe, dann dreht sie sich im Auto und bellt also kommt noch eine Reaktion dazu und das Levels steigt weiter. Sind wir einige Minuten gelaufen, bleibt der Pegel auf einem angemessenem Level. Verlasse ich das Haus, ist das kurz und rückartig, sofort schießt der Stress in die Höhe und bleibt kurzzeitig konstant. Es folgt ein kurzes Bellen, daraufhin fällt das Level bei ihr stetig ab und steigt wieder rückartig wenn ich heimkomme. Hier ist schön, zu sehen,  wie eine Situation positiven und negativen Stress auslösen kann. Ich gehe > blöd, ich komme > super. Beim kuscheln ist Vela top relaxt wie fast jeder Hund, höre ich jedoch auf, zeigt sie eine Reaktion zum Beispiel schlabbert sie mir an der Hand. Dies ist nun keine Stressreaktion, sondern eher eine Aufforderung.

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Ganz allgemein kann man sagen, wirkt sich stress immer nachteilig auf den Hund aus, wenn die Toleranzschwelle für stress überschritten wird. Wie bei uns Menschen. Egal wie toll der Stress ist, verlangt er unserem Körper und dem Körper unseres Hundes einiges ab.

Nun findet eine Kette an Reaktionen im Hund statt, die man als Stressreaktion bezeichnet. Die Stressreaktion jenseits des Pegels bezeichnet man als „exzessiver stress“: Hierbei wirkt sich der Stress auf das schwächste Glied im Organismus einen Hundes als erstes aus, beeinträchtig aber schließlich den ganzen Hund.

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Reaktion auf akuten stress.

Kommt es beim Hund urplötzlich zum Stress zum Beispiel von einem rasenden Radfahrer wie wir sie alle kennen und hassen, wir die Amygdala (die Kernregion vom Gehirn) mit Signalen bombardiert. Wenn der sich fürchtet, wird Adrenalin in das Blut ausgeschüttet. Der Herzschlag wird schneller und das Blut wird in die Muskeln gepumpt, um für die Flucht oder einen Kampf bereit zu sein. Durch viele Reaktionen im Kopf kann der Hund hier wieder kurzzeitig sein Denkvermögen oder erlerntes nicht anwenden  (>>>> hier der Artikel was passiert im Kopf meines Hundes)  bei stress sinkt vor allen die Reizschwelle für aggressives Verhalten und setzt den Hund rational vorübergehend außer Kraft. Diese Art von stress kann der Hund wieder abbauen. Ähnlich wie bei uns, wenn wir uns erschrecken, sind wir plötzlich hellwach und brauchen mal die ein oder andere Minute um wieder „normal“ zu sein. Das ist bei unserem Hund genau so und trägt keine dauerhaften Schäden mit sich.

Hundefreunde, meine besten Freunde

Reaktion bei chronischem stress

Wenn der Hund dauerhaft Stress ausgesetzt ist sieht das leider anderes aus. Der Körper ist hier in daueralarmbereitschaft und verbraucht wichtige Ressourcen, die unter anderem für das Immunsystem verantwortlich sind. Chemisch ausgedrückt bedeutet dies, eine Reaktion in Form eines ping pong Spiels im Kopf des Hundes.

Serotonin wird im Gehirn gespeichert, zu Melatonin umgewandelt und wieder zurück in Serotonin. Dies steuert allerding die innere Uhr somit den Schlaf und Wachzyklus. Der Hund kann durch chronischen stress auch schwere Depressionen bekommen wenn eine Noradrenalin Hemmung vorliegt. Wieder kann man es mit dem Menschen vergleichen, sind wir dauerhaft stress ausgelöst ist unser Körper immer in „on“ Modus haben wir dann mal eine Minute wo es ruhiger zugeht merken wir erst wie elend es uns geht. Bevor man darauf reagieren kann, geht der stress wieder los. Ein ewiger Kreislauf. Dieses sollte natürlich beim Hund vermieden werden.

Unter Stress lernen

Einige behaupten ja, wenn man stress hat lernt man besser. Das ist jedoch falsch. Das Hirn nimmt zwar die Informationen besser auf, weil man aufmerksamer ist, jedoch können die Informationen nicht dauerhaft gespeichert werden und das Gehirn funktioniert wie eine Art sieb. Beim Hund ist genau so hat unser Hund stress lernt er schlecht. Daher sollte sich gute Trainer immer bemühen denn Hunden eine ruhige und stressfreie Umgebung zum lernen und trainieren zu ermöglichen. Eine Art Ponyhof für die Seele….

Wenn ihr mehr zum Thema stress lest möchtet dann schaut euch den Artikel zum Thema stress Symptome an!!

 

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Stress abbau

Stress kann natürlich auch abgebaut werden durch Reaktionen, dass schütteln von Hunden kann auch nach angespannten Situationen stress Abbau bedeuten. Vela macht dies immer gerne. Auch welzen muss nicht immer heißen “ ich parfümiere mich mal schnell ein“ oder kurzzeitiges hin und her rennen kann stress Abbau sein. Achtet einmal darauf, was euer Hund nach einer stressigen Situation tut. Ihr werdet staunen, was manche tun.

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Wie vermeide ich stress Situationen?

Allgemein kann man das leider nicht sagen, weil stress für jeden Hund anders ausgelöst wird und jeder Besitzer reagiert anders. Das ultimative Mittel für alle gibt es leider nicht. Ich versuche immer mit Vela an Orten spazieren zu gehen wo ich sicher sein kann, wenig Umwelteinflüsse zu haben. Also wenig Radfahrer oder Jogger. Wir gehen in gewohnten Umgebungen spazieren und probieren immer mal wieder neue Wege aus. Um den Stresspegel langsam sinken zu lassen.

Für viele Dinge muss ich sie desensibilisieren also ihr die Angst und denn stress nehmen und zeigen, dass dies alles gar nicht so schlimm ist, wie sie denkt. Dieser Prozess dauert jedoch und ist eng mit dem Thema der Verteidigung verknüpft.

Ich denke am besten weiß es immer noch Herrchen oder Frauchen, was im Hund stress auslöst. Das aller Wichtigste ist jedoch, dass Hunde sich gerne auf uns verlassen, sie möchten von uns geführt werden. Bedeutet wir müssen vor allen eins sein „sicher“ oder so tun, als ob wir sicher sind. Eigentlich müssen wir immer her der Lage sein.

Ich selber weiß wie schwer das ist, da ich selbst in manchen Situationen noch ein Sauerstoffzelt innerlich benötige, doch für Vela versuche ich, mir das nicht anmerken zu lassen. Sollte sie merken, dass ich nervös bin, ist sie es natürlich auch. Also müssen wir in vielen Situationen auch Schauspieler sein, um es unserem 4 Beiner einfacher zu machen. Ich denke, Vela und ich wachsen immer wieder ein Stückchen, wenn wir stressige Situationen gut meistern … Auch wenn ich danach erstmals tieffffff durchatmen muss.

 

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