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Unsere Schritte zum erfolgreichen Aufbau des Aufmerksamkeitssignal „Schau“

Wie bringe ich meinen Hund dazu aufmerksam zu werden? Wie hole ich ihn aus seinen „Gedanken“? Fragen die mir oft beim Training gestellt werden. Ich beschäftige mich schon sehr lange mit diesem Thema, denn was macht instinktiv als erstes? Genau man ruft seinen Hund beim Namen und definitiv mehr als nur einmal. Warum auch nicht, dafür ist er doch da oder?

In meinem Heutigen Beitrag erzähle ich dir, warum du deinen Hund nicht bei Aufmerksamkeit mit den Namen ansprechen solltest und wie so etwas sogar am Vertrauen kratzten kann.

Wir sagen mehr als 100 mal am Tag den Namen unseres Hundes – krass oder? Dabei ist der Hund mal grade bei der Hälfte der gesagten Namen anwesend oder überhaupt in der Nähe.

Ich gebe zu, ich finde diese Hundebesitzer schrecklich, die gefühlt 1000 mal den Namen ihres Hundes brüllen, egal ob bei Rückruf oder Aufmerksamkeit.

Jeder Hundebesitzer weiß der Aufbau eines Signals sollte, konsequent und mit viel Sorgfalt sein. Dabei sind die Worte von Herrchen oder Frauchen heilig.

Meine Worte sind Sicherheit und klar, dies sollten sie auch bleiben – je mehr wir sagen, desto schlechter für den Hund. Grade in meinem Beitrag „das einmal Signal“ wird deutlich, wie wichtig es ist dein Signal nicht 100 mal zu wiederholen. Ich mache mich schlichtweg lächerlich und unglaubwürdig vor meinem Hund.

Das gleiche Prinzip passiert beim Namen. Woher soll dein Hund wissen bei 100 mal gerufenem Namen am Tag, dass gerufener Name 35 jetzt ernst gemeint war und nicht nur aus einem Gespräch mit einem anderen heraus gefallen ist? Man konditioniert also seinen eigenen Worte zur Unwichtigkeit. Daher kann man es einen Hund eigentlich nicht übel nehmen, man kann es sogar verstehen.

Zusätzlich kann des den Hund auch richtig frustrieren, wenn er zu euch sieht und gar nicht gemeint war. Die Wahrscheinlichkeit das er beim nächsten Mal noch aufmerksam ist, wird also mal zu mal geringer und du wirst uninteressanter.

Grade im Hundetraining gibt es immer wieder Situationen, wo sich sicherlich viele Hundebesitzer wünschen würden nun die Aufmerksamkeit ihres Hundes zu haben. Selber merke ich dies immer, wenn meine Kunden auf den Platz kommen, alle sind aufgeregt vor Freude, bellen und springen an der Leine. Die Leute unterhalten sich und die 4 Team sind ausgelassen.

Ein Training sollte immer positiv beginnen und positiv enden. Der Klassische Arbeits/Aufmerksamkeitsmodus des Hundes ist auch positiv aber gleichzeitig auch anstrengend und stressig. Daher ist das „Abschütteln“ zu Beginn und zu Ende immer eine gute Methode.

Der Moment des Ableinens auf dem Platz sollte daher auch gesittet ablaufen und bereits zum Training gehören.

Daher immer mein Klassiker Satz: Bitte einmal „Schau“ -„Sitz“ und lassen wir die Hunde springen.

Mit Schau werden sie aus der oft unkontrollierten Euphorie in den Arbeitsmodus gebracht. So kann man fair und respektvoll das Training beginnen. Würde man seinen Hund in der puren Ablenkung vor dem Training „Sitz“ sagen, kann man sicher sein, das man es öfter sagen muss vor allen, wenn die Hundekumpels dabei sind. Ebenso das ableinen. Ich möchte, dass Vela dies ganz aktiv wahr nimmt und mit einem auflösesignal weiß – ich bin nun angeleint.

Gleiches Prinzip gilt dann wieder beim Anleinen. Die 5 Minuten Party ist nun rum, jetzt wird mit Spaß und Konzentration gearbeitet.

Wichtig „Schau“ ist kein Tricksignal!

Es dient der reinen Aufmerksamkeit, daher sehe ich es eher als halbes Signal, als Vorbereitung auf das Training oder das Signal, was nun ansteht – Vela ist ein reiner Körpersprachen 4 Beiner. Wir benutzen nur sehr wenig verbale Signale, darunter ist aber auch Schau eins der wichtigsten.

„Schau“ ist bei mir aus dem Welpenkurs nicht wegzudenken und gehört zu einen der Basis Signale, grade Welpen müssen mit der Zeit lernen, ihre quirlige Art unter Kontrolle zu bringen, „schau“ ist dazu, eine sehr gute stütze. Auch für nervöse Hunde ist es bestens geeignet, da man je nach Hundecharakter den Hund sanft ablenken kann oder das Stresslevel des Hundes sinken lassen kann durch seine eigene ausgeglichenen Körpersprache. Ist ein Hund durch einen Reiz abgelenkt, kann schau mehr als hilfreich sein.

Wie baue ich „Schau“ mit meinem Hund auf?

Es ist ebenso einfach wie genial, hier unsere Anleitung wie wir es geschafft haben für wunderbare Aufmerksamkeit. Als Erstes habe ich mir eine Belohnung zurechtgelegt und einen Kameracheck gemacht.

Die Belohnung kann je nach Hundecharakter und vorlieben ein Leckerchen, ein Dummy oder verbale Belohnung sein. Bei Neuaufbau von Signalen habe ich bei Vela immer Leckerchen benutzt und diese stückweise wieder abgebaut. Sind wir draußen unterwegs wird sie Körpersprachlich belohnt.

Nun bringe ich Vela vor mich in eine grade Position für den Anfang. Das Objekt der Begierde ist also diesmal ein Leckerchen. Nun halte ich das Leckerchen mir vor die Stirn.

Automatisch schaut Vela auf das Leckerchen, und auch zwangsläufig in meine Augen. Ist dieser Moment da, sage ich „Schau“ nun wird das Signal mit einer Tätigkeit verbunden und aufgebaut.

Wie bei jedem Signal ist Timing auch hier alles, belohnt euren Hund nur, wenn er wirklich zu euch hinauf schaut und nicht abgelenkt ist.

Dieses wird nun wiederholt, um die Verknüpfung dauerhaft zu festigen. Mit Vela übe ich solche dinge max. mit 4 bis 5 Wiederholungen. Hier kommt es auch auf ihren Gemütszustand an. Tut sich der Hund schwer damit, übertreibt es nicht. Lieber einen Tag mehr die Verknüpfung festigen.

Im zweiten Stepp nun das Leckerchen etwa 10 cm neben dem Kopf halten, der Augen – Leckerchenabstand ist nun größer und Vela muss sich beim Signal nun bewusst sein, was sie dann tun soll – zu mir schauen.

Tipp: Starrt euer Hund gespannt nur auf das Objekt der Begierde, benutzt nicht den Namen, sondern, ein kleines Geräusch wie schnalzen oder Kussmundgeräusch.

Schaut euer 4 Beiner, sagt ihr „schau“ und belohnt ihn. Passiert das jedoch mehrfach, geht wieder einen Stepp zurück. Die Verknüpfung zu erstellen und zu festigen ist nicht nur wichtig, sondern das A und O. Nur so kann man einen reibungslosen Signalaufbau weiterhin verfolgen.

Nun halte ich das Leckerchen immer weiter weg, sage „schau“ und Vela schaut mich an, dann wird sie belohnt.

Wichtig: wartet nicht darauf das euer Hund sich irgendwann dazu „herablässt“ euch anzusehen, so macht ihr euch selber vor eurem Hund verdammt klein und auch lächerlich. Denn ihr baut das Signal auf.

Am Anfang kann man dies gut auf Augenhöhe trainieren, um es seinem Hund einfacher zu machen. Dann wird aufgestanden, um es realistisch anwenden zu können. Auch ein Positoinswechsel während des übens ist wichtig.

Sitzt das Signal gut, wird das Leckerchen abgebaut und verschwindet wieder in der Tasche, ebenso wie die Hand. Im letzten Stepp sagt ihr nur noch „Schau“ ohne ein Leckerchen hochzuhalten.

In einem weiteren Stepp hat Vela die realbedingen gelernt, denn draußen sitzt sie nie vor mir, sondern neben mir.

Ich benutze es beim Anleinen, wenn Jogger kommen oder wenn ich ihr das Futter gebe. Ich stelle die Schale auf ihren Platz, sage schau und dann gebe ich Vela ihr Futter frei. Auch auf dem Platz ist es nicht wegzudenken, vor dem Training bringe ich sie mit „Schau“ in unseren Arbeitsmodus. Schau – tief durchatmen und los geht die wilde Sause. Auch für die Fotografie ist es toll geeignet, ich kann das Signal anwenden und Vela schaut immer in die Linse der Kamera, selbst wenn Leckerchen neben ihr stehen.

Zusätzlich unterstütze ich das verbale Signal mit einem Handzeichen, ich lege dafür meine Hand auf die Brust und klopft ein bis zwei mal. (Leider habe ich mir in diesem Bild den rechten Arm abgeschnitten mit dem ich das Leckerchen hochhalte)

Aus unserem Alltag ist es nicht wegzudenken und auch nicht aus dem Training, es ist super zum Erlernen und klasse in der Wirkung ich kann es nur jedem empfehlen. Natürlich gab es auch bei diesem Fotoshotting geile Momente. Zum Beispiel als mir das Leckerchen aus der Hand in den BH gefallen ist und Vela feuer und Falle war es zu finden. Habt ihr ein anderes Wort für „Schau“?

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