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Das „einmal Signal“ für meinen Hund

Es gibt ungefähr 9566047 verschiedene Wege einen Hund zu erziehen, den richtigen Stil für seinen 4 Beiner zu finden, ist schwer. Da jeder Hund anderes ist.

In der Hundetrainerausbildung lerne ich viele Hunde kennen und ich musste feststellen, dass es 9566047 Wege gibt, doch es immer auf einen Stil hinausläuft im unterschiedlichen Tempo und Intensität. Ich bin eine große Freundin vom einmal Signal und trainiere dies auch mit frau Vela. Es ist die Grundregel jeder Hundeerziehung.

Was ist ein einmal Signal?

Wie der Name schon sagt „einmal“ gebe ich meinen Hund einmal sein Signal für etwas, was der Hund tun soll. Wenn der Hund, dass Signal nicht ausführt, benutze ich Körpersprache, um meinem Signal Ausdruck zu verleihen. So gebe ich, meinen eigenen Worten wird mehr Bedeutung. Das Signal wird nicht noch mal wiederholt.

Was passiert mit dem Hund?

Es liegt in der Natur des Menschen, wenn etwas nicht ausgeführt wird vom Hund mit Wiederholung dem Signal Ausdruck zu verleihen. In diesem Fall, unserer stimme. Wenn ich mich vor meinen Hund stelle und 100-mal sage: sitz, sitz, sitz wird er sich nicht hinsetzten, wir verlagern beim 99-mal unsere Stimme und werden ärgerlicher, darauf reagiert der Hund, wenn wir Glück haben. Die Betonung liegt auf Glück. Aber es sollte kein Glück sein, dass der Hund auf ein Signal hört, oder?

Der Hund merkt, dass es keine Möglichkeit gibt mit seinem Herrchen oder Frauchen zu diskutieren, wenn man Körpersprache einsetzt. Denn Hunde kommunizieren nun mal mit Körpersprache und das sollten wir auch.

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Was mach ich, wenn mein Hund nach einmal Signal nicht hört?

Ich bringe mich körpersprachlich ein, zum Beispiel gehe ich einen kleinen Schritt auf Vela zu, nachdem ich sitz gesagt habe und sie sich nicht setzt. Ich zeige ihr mit meiner Körpersprache, dass ich es erst meine. Ich spreche jetzt nicht von anstarren oder ruckartig auf sie zugehen – das würde jeder Hund falsch verstehen. Ich setzte einfach ein kleines Stück vor, um dem Signal mehr Ausdruck zu geben. Dies hat nichts mit streng sein zu tun. Jedoch machen wir uns vor unseren Hunden zum Horst, wenn wir immer und immer wieder das Signal aussprechen. Noch schlimmer wird es, wenn der Hund nicht auf das Signal reagiert und der Besitzer bricht das Unterfangen ab- so hat der Hund gelernt „wenn ich einfach nichts mache, hört mein Besitzer irgendwann auf“ auch Hunde können auf Durchzug schalten. Im schlimmsten Fall zieht sich dieses Verhalten durch die ganze Erziehung. Hunde reizen gerne ihre Grenzen aus und testen, wie weit sie bei uns gehen könne. Bedeutet, wir als Menschen sind daran schuld, wenn unser 4 Beiner das Signal nicht ausführt, weil wir das Signal mit ständiger Wiederholung kaputtgemacht habender Mensch als Labertasche.

Kann ich das einmal Signal immer anwenden?

Ein ganz Klares ja, es ist auf jedes Signal anwendbar. Bei uns ist z. B. Sitz oder ein Platz, ein los oder steh, jeder hat da seine eigenen Signale. Wichtig nur, dass euer Partner oder die ganze Familie das gleiche Wort für eine Tätigkeit benutzen. Dadurch, dass man also wirklich nur einmal das Signal gibt, verleiht man seinen eigenen Worten sehr viel Gewicht und euer Hund wird lernen, dass ihr es ernst meint. Euer Hund lernt nicht nur das Signal an sich, sondern dass es keine Möglichkeit zum Diskutieren gibt. Die Körpersprache ist nur der Nachdruck. Plan a ist, dass der Hund beim 1. Mal hört – das sollte das Ziel sein.

Ist das Streng?

Als ich das live mitbekommen habe, dachte ich: Ohje“ das ist aber streng und steif aber als ich es ausprobierte merke ich, dass es das überhaupt nicht ist, es ist toll wenn frau Vela gleich beim 1.-mal. Mal hört und ich ihn einen Keks geben kann. Es hat unsere Beziehung wirklich stark verbessert sowie unser Vertrauensverhältnis. Sie braucht an meinen Worten nicht zweifeln und hinterfragt diese nicht mehr. Somit habe ich, wenn sie frei läuft viel weniger Stress.

Feldbeispiel: Wir haben im Wald geübt, frau Vela sollte an der Markierung sitzen und bleiben.

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Eigentlich hole ich  mir die Aufmerksamkeit von meinem Hund, denn wie man gut sieht, schaut sie weg mit „schau“ unser Signal sage ich ihr, dass ich ihre Aufmerksamkeit brauche. Denn ohne unser „schau Signal“ weiß Vela nicht das wir jetzt im Arbeitsmodus sind. Als ich mich umdrehte und ging, stand sie jedoch auf, warum? Weil ich mein Signal schlampig ausgeführt hatte. Ich sagte: Bleib, dabei schaute sie in die andere Richtung …

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Leider hat sie sich selber aus dem Signal genommen und kam ein paar Schritte auf mich zu. Ist natürlich ärgerlich, aber man darf, wenn man wieder zum Hund geht um ihn zu korrigieren, trotzdem nicht sagen. (Das ist schwer aber wir als Menschen, müssen ja immer mitlernen, also durchhalten) ich stelle mich vor sie und gebe ihr mit meiner Hand zu verstehen, dass sie bleiben soll. Wenn man das einmal Signal übt, kann man anfangs zusätzlich z. B. Beim bleib, dass Handzeichen dazu machen. So weiß der Hund gleich, was gemeint ist. Es ist sehr faszinierend, dass unsere Hunde das jedoch eigentlich gar nicht brauchen, da sie genau wissen was sie falsch gemacht haben.  So verleihe ich, meinem „einem“ Wort wieder viel mehr macht. Da sie lernt, nicht mit mir zu diskutieren oder es infrage zu stellen. Sie vertraut mir zusätzlich einfach mehr, denn wie oft brauche ich ein „bleib“ im Wald? Wenn doch ein Radfahrer plötzlich auftaucht? Da ist es einfach schön zu wissen, dass ich es nur einmal sagen muss und mein Hund führt es aus. Ich dachte immer, ach das wird schon und wir wollen nicht streng sein, das hat aber wirklich nicht mit strenge, sondern mit Vertrauen zu tun.

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Als ich wieder zu ihr kam, gab es natürlich einen Keks und ein dickes Lob. In Form von Leberwurst. Yam Yam.

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Ich liebe das System des einmal Signals. Ich merke, dass Vela viel aufmerksamer ist und nicht mehr an meinen Worten zweifelt. Mit einem simplen Trick und die Sprache der Hunde, haben wir unser ganzes Training umgestellt und irgendwie auch alles beim Alten gelassen. Ich merke jedoch, dass ich nicht mehr so gestresst bin, wenn sie etwas nicht gleicht macht. Ich muss ihr natürlich auch die Möglichkeit von Fehlern lassen.

Beim einmal Signal gilt, je früher desto besser! Bedeutet dass man am besten, direkt beim Welpen anfangen sollte. So erzieht man sich auch ein Stück Selber. Als Hundebesitzer rufe ich nicht 10 mal ein Signal. Ich sage es einmal und wenn nicht gehört wird, bringe ich mich körpersprachlich ein. Fertig! – das einmal Signal.

 


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2 Kommentare

  1. Pingback: Der Ton macht die Musik – Erziehung aus neuer Sicht & Verbale Niete Frauchen |

  2. Klasse, finde ich toll wie du das aufbaust bzw. erklärst…wenn man Konsequenz einfordert kommt man sich öfter mal vor wie ein Drillsargent, zumindest ging es mir ganz zu Beginn mit meinem ersten Hund so. Wir Menschen vergessen oftmals, dass ein Hund eine klare Kommunikation toll findet…und so auch Vertrauen aufbaut.
    Grüße von uns
    Dann & die Setterjungs

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